Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 39 (24.9.1872)
- Date
- 1872-09-24
- Page
- Seite 782 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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iuchkS desto Weniger als der unterscheidende Charaklerzug der Anhänger Mbse^s verharren, mögen sienun der modernen Civilisaüon fremd oder von ihr gewonnen semu ' (Archives isräGlites.) Sieben geschichüiche Anekdoten. Mitgetheilt von M. Th.*) 1. Kaiser Friedrich Iir. hätte unter seinen Edelknaben einen getauften Juden, der schon von Kindheit auf bei ihm war. Als dieser sich wieder zum Judenthume bekehrte, ließ er ihn verbrennen. Der Jüngling über, den Tod nicht scheuend, sprang selbst in die FkaMtnen, und nökhigte durch sein Beträgen dem Kaiser folgende Worte ab: „Sehet, dieser blinde Jude lehret uns Christen mit seinem Beispiele, wie wir uüt unseres rechten Glaubens und Christi willen gerne alles Ungemach leiden sollen." 2. Als bei der Krönung des Kaisers Maximilian I. zu Aachen die Juden ihm einen goldenen Korb voll goldener Eier verehrtes, ließ er diejenigen, die das Geschenk dargebracht hattenfestnehmen, einsperren und sehr wohl halten. Als sie hierüber erschraken und nach der Ursache fragten/fügte er: „Solche Hühner, die so köstliche Eier legen, müsse man nicht schlechtweg wieder fliegen lassen, sondern emstellen und wohl hallen." 3. Anfangs Mar 1787 kam ein getaufter Jude in den Controlorgang und perorirte Kaiser Joseph II. von seinen Verdiensten vor, die er sich dadurch erworben, daß nicht nur allein er, sondern auch seine Geschwister, die katholische Religion angenommen hätten, deswegen er um eine Pension bat. „Sie haben so edel und so groß gehandelt, daß ich nicht im Stande bin, Sie zu belohnen; das muß Gott thun!" sagte Joseph. 4. König Friedrich Wilhelm I. von Preußen, bekanntlich ein sehr strenger Fürst, bemerkte einst von dem Garten seines Schlosses aus zwei Juden, die ihn aber nicht sobald ansichtig wurden, als sie sich eilends im benachbarten Gebüsche verbargen. Aber der König schritt, grimmig auf sie zu, und als er sie erreicht hatte, fragte er sie: „Warum flüchtet Ihr Euch?". „Wir fürchten uns. Eure Majestät!" — /,Ähr sollt mich aber nicht fürchten," sagte der Königindem er mit seinem spanischen Rohre eigenhändig auf sie losschlug, ,-lieben sollt Ihr mich, lieben!" ~ 5. Unlängst belehrte der Katechet an der Hauptschule zu W .. . seine Claffe, es sei allerdings zu verwundern, wie Gott so lumpiges Gesindel wie die Juden so wunderbar aus Aegypten geführt habe. 6. In der Zeit der großen Hungersnöth (1816), welche zugleich die Zeit großer Gelbnoth üud allgemein erschütterten Credits war, wandte sich Kaiser Franz an emige reiche Capitalisten der Residenz, um ein Prrvalanlehen zur augenblicklichen Linderung der herrschenden Noth äufzunehmen, wobei es indessen nicht an Ablehnungen fehlte. Ein gleicher Antrag , wurde durch ’ die dritte Hand einem wohlhabenden, jüdischen Kaufmanne in Wien gestellt. „Wie viel wünscht der Kaiser von mir?" fragte dieser. — Wenn es möglich wäre, 300,000 Silbergülden. „Sie stehen zur Verfügung Seiner Majestät." — Auf wie lange? — „Auf so lange sie der Kaiser braucht." — Gegen welche Sicherheit? — „Ich verlange keine." — Zu wie viel Procent? ^— „Da der Kaiser das Geld aufnimmt, um der allgemeinen Noth damit zu steuern, so leiste ich auf jede Verzinsung Verzicht." — Der Kaiser behielt das Geld dreiviertel Jahre, nach welcher Zeit es dem Darleiher unter den Fuß gegeben ward, sich seine That durch Erhebung in den Adelstand belohnen zu lassen. Dieser aber lehnte den Antrag ab, und begnügte sich, seinen Kindern die Gnade auszüwirken, in dem Lande bleiben zu dürfen, dem der Vater einen so wichtigen Dienst geleistet hatte. 7. Im Jahre 1840 erzählte man sich in Oesterreich noch Folgendes aus der Regierungszeit des Kaisers Franz. Die Bitte der böhmischen Juden um Abstellung der Steuernpartition der abgehenden Familien auf die verbleibenden habe immer Abweisung gefunden, und'der Kaiser habe seine entschiedene Abneigung vor dergleichen Bitten mit den Worten ausgesprochen: „Wenn auch NÜr zwei Juden iu ganz Böhmen verblieben, so haben diese die ganze Summe allein zu bezahlen." *) Die ersten drei sind dem Werke: Habsburg. Ein Denkbuch für Oesterreichs Völker, von CarlLoritza, die anderen vier dem 2. Bde des Werkes : Die Juden in Oesterreich (von Joseph Wertheimer) entnommen. Verlag von Baurrrgärtrrer's Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B. Hirschfeld. Verantwortlicher Redacteur Dir. H. Lotze.