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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-09-03 · Heft 36 (3.9.1872) · p. Seite 722

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 36 (3.9.1872)
Date
1872-09-03
Page
Seite 722 (sequence 20)
Language
German
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DEM Ein Wischer Oberst im dreißigjährigen Kriege. Es ist bekannt daß in der österreichischen Armee die Iüded schonseit lange in den Officler stand ausgenommen sind. 'Kaurtl dürfte Man es aber wissen, daß. Vas kaiserliche' Heer schön während des dreißigjährigen Krieges einenJuden unter seinen Oberofficieren^ zählte. Es wird also hoffentlich den Lesern dieses Blastes interessant sein, einiges von dem jüdischen Obristen Eremita zü erfahrest^ der ' während zweier Jahre eine nicht ^unwichtige Rolle in der Kriegsgeschichte jener Zeiten spielte. Leider werden wir von den früheren und späteren Schicksalen unsres Helden nicht weiter unterrichtet. / . .Die hier folgenden Angaben sind Chemmtz, ^Königlich Schwedischem in Deutschland geführten Kriege (Stettin .16.48;ff.)",II. S. 356 ff. 647 entlehnt. Im Be-! ginne deS Jahres 1634 brachten die katholischen Stände im Münsterschen und im nördlichen Westphalen Streit- . kräfte. aust, um zunächstden mit den Schweden "verbündeten Hessen entgegenzuwirken. Unter diesen hauptsächlich von geistlichen Fürsten geworbenen Häufest finden wir ^merkwürdiger Weife unfern jüVischen Obersten Eremita zum ersten Male. Nachdem die Thaten eines kaiserlichen Anführers Bönninghausen berichtet worden sind, heißt es weiter: „'Indessen tzleichergestalt Osterholt und kremite in der Grafschaft Lippe und anfänglich im Ambt Horn und Schwalenberg sich aufgehalten, darnach mit zwey und zwantzig Lompsgnien in der Stadt Blomberg logiret und selbige elendiglich verderbet, ferner auf des Grafen von der Lippe Haus, Osterholtz, gefallen, und nachdem Sie solches preis gemachet (\ 0 Mart.) vor die Stadt Uffeln kommen. Woselbst Sie die Bürger, so sich anfangs zur Gegenwehr gesetzet , und'von den Dragonern etliche erschossen, überwältiget, theils derselben, und darustlei einen vornehmen Rathsherren und Sekretarien, nWergetnachet, die Stadt geplündert, und zum ärgsten darin hastsgehülten. Solchem des Feindes Vorhaben zu begegnen, und dessen fernere progresse zu hemmest, war Ar, 'hessische 6en.- Uieut^vsnt Alslsnäer., mit fünffzehenhuttvert Pferden, und etliche tausend zu fus bei Dülmen angekastget." Man sieht, wir haben nicht viel Grund, auf den moralischen Charakter Eremita's stolz zu sein. Er war nicht bester als die andern Kriegsführer in dem schrecklichen dreißigjährigen Kampfe, der Deutschland zwei Drittheile seiner'Bevölkerung geraubt hat. Mach einigen wechselvollen Kämpfen wird Melander von dem schwedischrn ,^Obristen Lriok ^Näer880n Irsna" unterstützt. „Mit welcher Inienlioa Er (d. ty Trana)' also feMgen'Täg Und folgende Nacht fortmar-ehiret,' und nstlerfchiedliche Kundfchafft gehabt.' Endlich den fünffzehenben in 1 der Morgenstunde: von einem ■ Bauren Nachricht erhaltest, das den vierzehenden' Abends spät, Eremite, ' Osterhölt Und Paul DaUbe £u dem (kaiserlichen Generale) von' Äeen gestoßen waren, und dieser letzte in einem Dörffe nähe dabey liusrüe?' hatte." Trotzdem wagt Trana einen Angriff , jagt die Vortruppen unter Paul Daube in die Fluchtwird aber von dem Grosdes katholischen Heeres zurückgewiesen. Noch den ganzen Sommer hindurch wird Hessen und das protestantische Westphalen verheert durch die „Schnapphähne oder Bauernoffiziere, GraSteuftl, Hafenbein, Branvjohann, Quadfaffel und Eremita, den jüdischen Held:";; Bon der Führung eines , eiligst ausgehobenen Haufens katholis^er Bauern ging wahrscheinlich noch in demselben Jahre Eremita in kaiserliche Dienste über. Deyn in solchen finden wir ihn schon im Beginne des folgenden Jahres (1635). . Die Franzosen, unter der Oberleitung des damals noch schwedischen Generals Herzogs Bernhard von Weimar, hatten sich am Mittelrheine festgesetzt. Gegen sie gingen nun im Anfänge 1635 die Spanier von Lothringen, die Kaiserlichen von Deutschland aus zur Offensive über. Ein spanischer Parteigänger nahm das Schloß Sierk an der Mosel. Dann heißt es wieder bei „Hierunter gieng nichts denkwürdiges vor, nur das es die Franzosen aber eins zu Limburg an der Lahn übersahen: Auf welches der., vorm jahre entwichene, Juden Rittmeister vom Graffen von Wittgenstein einen Anschlag (26 Febr.) gemachet, und den Ort heimlich erstlegen; doch von ber guarnison nur drey niedergehawen, die übrigen alle gefangen." Die Franzosen rächten sich, indem sie am 13. April das Schloß Grentzaw, „ein altes Raubnest<' überrumpelten. Der „Juden Rittmeister" ist ohne Zweifel unser Eremita, der von da an freilich aus der'Geschichte wieder völlig verschwindet. Jedenfalls muß der Mann viel Talent gehabt haben, um sich zu jener unduldsamen Zeit in der doppelt unduldsamen katholischen Partei in Deutschland zu verhältnißmäßig hoher Stellung emporzuschwingen. - Dr. M. P. Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. Druck 'von A. B. Hirfchfekd, Verantwortlicher RebattirA .

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