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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-09-03 · Heft 36 (3.9.1872) · p. Seite 714

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 36 (3.9.1872)
Date
1872-09-03
Page
Seite 714 (sequence 12)
Language
German
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GewahrsÄnbltzibert sollte,^ üm dem-Datet'zurückgegeben zu werden/ -Es gelang indeß dem Maistnvater" wiederMl »gegen Bürgschaft den Knaben an sich zu bringen und nach Plochocm zu entführen. Der hartgeprüste Vater hatte kaum davon erfahren, als er die Ortsbehörde reqmrirte, die allerdings wohl den Waisenvater samAktdem Knaben zwang nach Warfchau zurückzukehren; im warschauer Bahnhofe indeß gelang es jenem abermals, mit seiner -theüren Beute nach der Anstatt des ewigen Heiles zu-entwischen. So wert der ungefähre Bericht des warschauer „Israelit", der uns nur über den eigentlichen Ausgang in mysteriösem Dunkel läßt und wohl durch fernere Mittheilungen alsbald vervollständigt werden dürfte. Wir können nicht annehmen, daß die russische Behörde dem Raube und der gewaltsamen Taufe von unmündigen Kindern ruhig -znsehen kann und sich nicht gedrungen oder machtlos fühlt, -dem unglücklichen Vater zu seinem Rechte zu Verhelfen. Denn einmal nachgegeben kennt der freche Bekehrungseifer der alleinseligmachenden Kirche kcinv Grimzen mehr, namentlich dann, wenn ehemalige Juden zu ihren willigen Werkzeugen sich hergeben imb nicht davor zurückbeben, ihre früheren Glaubensgenossen zu schmähen und iniden Augen der übrigen Welt schmnlos »zu Verdächtigen und anzuschwärzen. Einige Pröbchen davon lieferte uns in dieser Affaire der bereits erwähnte Herr Adolph Janasch, dem der Ehronikfchreibor des „Niwa" den »vollständig gerechtfertigten BorwMf gemacht hatte, daßer in den ihm gehörigen Dörfern Pwchdcin und Äosefowo AnftMen unterhalte, in denen unter dem falschen Aushängeschilde der Verbreitung deutscher Bildung und Cültur jüdische ihren Aektern geraubte Kinder getauft und für Mssionszwecke -erzogen werden. Hören wir nun, was u. a. Herr Janasch M einer der hiesigen Zeitungen Veröffentlicht, um sein schmachvolles Treiben zu bemänteln und die 'Augen der auf die Tendenzen seiner Heilsanstalten aufmerksam gewordenen Welt von sich abzEenkSn: ,/Fürwahr, eine größere Gefahr als 'vom Germanismus droht unserem Lande seitens des Judenthums, welches von ÜberakklHer, sa sogar in einigen Zeitschriften feinen -verderblichen Einfluß auf dm Staat ausübt. Wir -sprechm .nicht von jenem Judenthum, welches dem Christmthum schroff gegenübrrifteht, sondern von demjenigen, welches ohne jeden GlaubensgruNdfütz unter der Maske, des Patriotismus und ö-rPalsche« LiEsation -christliches Recht und christliche Sitte untergräbt. Dieses Äudenchum droht das Land in der Gestalt der Speculanten jeglicher Gattung zu überschwemmen, die auf unsere (t) Kosten sich bereichern und dabei die Wahrheit, Einfachheit und jede gesunde Vernunft trüben und vernichten." — Wohlgernerkt, das schreibt einer, der noch vor wenig» Jahren selbst Jude war und dessen Verwandte zum Th eil noch jetzt -dem Judenthume angehören! Hoffen wir, daß die Behörde fortan ihr wachsamstes Auge aus alle diese das Licht der Oeffentlichkeit scheuenden , im bekehrungsföchtigen Dienste der Kirche stehenden Institute gerichtet halte, damit nicht Plöchocin oder Josefowo ein zweites Rom werde'! — Herr Joseph Czarni, der seine „Reisen im Kaukasus" sowohl in hebräischer wie in russischer ünd fransischer Sprache, letzteres durch Vermittelung der „Alliance," demnächst zu veröffentlichen beabsichtigt, hat die Ehre gehabt, daß der Gouverneur, Generalfeldmarschall Graf Berg, auf 10 Exemplare seines Werkes abonnirt und den Betrag'mit 50 Rubeln pränumerando entrichtet hat. Von der obersten Behörde ist der Befehl ergangen, alle Winkelshnagogen namentlich in der Provinz zu schließen und darüber protökollarischen Bericht zu erstatten. Diese Maßregel, wohl .nur gegen die Chassivim-„Stübel" gerichtet, dürste in der Ausführung doch auf unüberwindliche Schwierigkeiten stoßen, da von den Betroffenen mit Recht geltend gemacht werden 'kann, sowohl, daß ihre Liturgie eine andere ist., als auch, daß die Hauptshnagogen jeder Gemeinde räumlich zu beschränkt sind. Auch berufen sich die Chasfidim in einigen Gemeinden auf alte Privilegien , die nachzuweisen ihnen aufgegeben ist. A t* % e t fl 11». In der hiesigen Synagogengemeinde soll em Religion's- und Clementarlehrer, der zugleich als Vorbeter füngirt, sofort oder auch später angestellt Werden. Gehalt LOS diS 250 Thlr. nebst freier mMirter Wohnüng und Heizung, .sowie sonstigen Nebeneinkünsten. Refleetirende wollen sich water Einsendung ihrer.Zeugnisse cm den Unterzeichneten Vorstand wenden. 'Böfrngfeld bei Detmold. - .. M. FrarßkettsteÄr:

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