Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1872)
- Date
- 1872-08-27
- Page
- Seite 702 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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natürlich daß die Frage entsteht, wer war dieser „Syrer" -und' wann geschah dies alles? Wir haben es hier offenbar mit einem Zwischenfall der ägyptischen Geschichte zu thun, für! welchen anderweitige sichere Anhaltspuncte noch fehlen. Allein dies ist es,, was den modernen Hypothesenmachern keinen Kummer verursacht. Viel weniger gewissenhaft noch als die späteren Griechen,' kommt es ihnen nur darauf an, Geschichte zu erzählen, und wo jene sich mit Fabeln begnügten oder selbst solche schmiedeten', tragen diese ihre Combinationen hinein. Was thut nun Herr Dr. Eisenlohr? Er holt die dem Manetho zugeschriebene und von griechischen und römischen Schriftstellern nacherzählte Fabel von einem ägyptischen Könige herbei, der "die Aussätzigen aus seinem Lande habe entfernen wollen, diese aber hätten einen gewissen Osarsiph aus On(Heliopolis) zu ihrem Anführer gemacht, der die Bewohner von .Jerusalem, zu Hilfe rief, den König entthronte, die Tempel und Götterbilder zerstörte, bis nach dreizehn Jahren der König mit seinem Sohne, zurück kehrte und die Aussätzigen sammt ihren Bundesgenoffen bis nach Syrien trieb. Dieser Osarsiph soll -Moses gewesen sein, die Aussätzigen die Israeliten. Unser Verfasser identificirt nun jenen Bericht der Papyrusrolle mit'dieser dem Manetho zugeschriebenen Erzählung. Jedermann sieht ein, wie wenig sie gemeinsam haben. In der Rolle geht eine königslvse Zeit voran, voll von Kampf der ägyptischen Fürsten unter einander, während bei Mänetho ein König gewaltig herrscht; dort fällt einfach ein siegreicher Syrer in's Land , hier , sind es die durch den König versammelten Aussätzigen, welche Bundesgenossen aus Palästina herbeirufen. Bei Manetho ist es Osarsiph-Moses, der den Einfall macht, siegt, zerstört, und den ägyptischen Cultus stürzt, dann aber besiegt und vertrieben wird. Dies ist denn auch Herrn Dr. Eisenlohr zu viel. Daß im Papyrus es einfach ein Syrer ist, während Osarsiph-Mrses aus On stammt, stört ihn nicht: er kann ja „von einer aus Syrien eingewanderten Familie stammen, welche in On ansässig war" (!!). Aber, meint Herr Eisenlohr, Moses hat ja die Opfer nicht abgeschafft, sondern nur verändert, die Götter nicht beseitigt, sondern nur einen einzigen an ihre Stelle gesetzt, er kann ja also mit jenem Syrer gar nicht identisch sein. Herr Eisenlohr weiß sich zu helfen. Moses war nicht der Syrerfürst selbst, sondern nur ein unter diesem syrischen Fürsten aufgestandener religiöser Reformator (!!). Nun weiß aber die Papyrusrolle eben nur von „einem Syrer"; wie kommt also noch ein zweiter hinein, von welchem gar keine weitere Spurin-derselben zu finden ist? "Auch ist die Combination darum falsch, weil die Abschaffung der ägyptischen'Opfer, die Zerstörung der ägyptischen Götterbilder und Altäre durchaus mit Mofe's Ansichten nicht im Widerspruch steht, denn er . gebietet den Israeliten , im Lande Kanaan alle heidnischen Tempel, Altäre , und Götterbilder zu vernichten; . er schafft allerdings die Anbetung der Götter ab, indem er einen einzigen Gott im Geiste anbeten lehrt. .Moses hat daher in der Erzählung der Papyrusrolle auch nicht im entferntesten eine Stelle, er ist entweder der Syrer der Papyrusrolle, und' das will Eisenlohr selbst nicht, oder er ist es nicht, und dann in der Rolle gar nicht vorhanden. Hiermit schwinden aber alle weiteren Folgerungen, namentlich auf die Zeit des Auszuges der Israeliten, und so fällt alles zusammen, was Dr. Eisenlohr aus dem Papyrus hinsichtlich der heiligen Schrift combinirt hat. Vermischtes. Jungbnnzlau. Hier lebt gegenwärtig ein Greis, Namens Hirsch, welcher das seltene Alter von 102 Jahren erreicht hat und sich noch immer ziemlich rüstig befindet. Seine Nachkommenschaft besteht außer mehreren Söhnen und Töchtern, aus 34 Enkeln und 47 Urenkeln. Mehrere Enkel leben gegenwärtig in Chicago, und vor zwei Jahren erhielt er von dort einen Stab mit einem goldenen Knopfe, der die Aufschrift trug: „Dem Großvater zu seinem hundertjährigen Geburtstage." Wie gespannt in manchen Gegenden die confessionellen Verhältnisse sind, ersieht man aus einer in der „Bonner Zeitung" wiederholt gestandenen lganz ernst gemeinten) Annonce: „Gesucht wird eine evangelische Putzfrau" (Scheuerfrau) — das ist doch das non plus ultra! Mau ersieht aber auch zugleich daraus, daß die confessionelle Intoleranz nicht, allein auf der Seite der Katholiken ist. — Verlag von Baumgartner's Buchhandlung in Leipzig. — Druck von 3. N. Hirfchfeld. Verantwortlicher Redaeteur No-. H. Lotze.