Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 33 (13.8.1872)
- Date
- 1872-08-13
- Page
- Seite 653 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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- Oran 2× ep/1048048
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die Summe von 350,000 Frcs. votirt. — Wie wir bemerkt haben, wird B6soul der Sitz eines Consistoriums, alsoauch eines Großrabbiners. Die Gemeinde Vssoul aber besteht bis jetzt nur aus 34 Familien, die Stadt hat ein Grundstück hergegeben, um eine Synagoge daraus zu bauen, und eine Wohnungsentschädigung für den Großrabbiner bestimmt. An örtlicher Beschäftigung und Seelsorge wird es dem Großrabbiner freilich fehlen , noch dazu, da die Gemeinde gar keine Armen zählt. Ist dies in der That nicht ein Werk um des Scheines willen? Algerien. Oran im Juni. Gleiche Plagen, gleiche Bestrebungen sie abzustellen. Die Beseitigung der Bettelei unter den Juden nimmt jetzt überall die Aufmerksamkeit in Anspruch. Aus diesem Gesichtspuncte wird auch der folgende Bericht interessiren, den wir den Arch. isr. entnehmen. Sonntag den 23. Juni versammelten sich ungefähr 250 der angesehensten Mitglieder der israelitischen Gemeinde Orans in der großen Synagoge, um über die Beseitigung der Bettelei von Haus zu Haus zu berathen. Das Consistorium glänzte durch seine Abwesenheit. Nachdem ein Büreau gewählt worden war, sprach Herr Kanuni über den Zweck der Versammlung Folgendes: Die in einem so weiten Umfange in der Gemeinde.Oran geübte Mildthätigkeit hat durch den darin aufgetretenen Mißbrauch zu einer Art Ermuthigung für das.Laster geführt. Der Arme ist nicht mehr der Arme von ehemals, der nur in der äußersten Noch, und wenn die Arbeit unmöglich geworden war, die Hand ausstreckte. Er hat jetzt keine Schamröche auf der Stirn und wagt es aus der Bettelei eine Art Gewerbe, eine Art Beruf zu machen. Wer von Euch hat sich nicht schon über diese Männer, diese Frauen, jung und gesund, beklagt, die an gewissen Tagen der Woche kommen, Euch in Euren Magazinen, in Euren Wohnungen zu belagern, und wenn Ihr ihnen Arbeit anbietet, Euch fliehen, nicht ohne Euch mit Schmähungen zu überhäufen? Woher kommt es, daß wir so viele junge Vagabunden haben? daher, weil ihre Aeltern wissen, daß es nicht nöthig ist sie zur Arbeit anzuhalten, daß man in Oran immer ein Stück Brod ohne Arbeit findet. Woher kommt, es,. daß die, .Trunkenbolde ina unsrer Gemeinde so zahlreich sind? daher, weil -Ihr,--aus Furcht vor den Verwünschungen derselben, Nicht wagt, diesen Verächtlichen etwas abzuschlagen. Was wird die Folge unsrer Gleichgültigkeit sein? Die Trunksucht, die Faulheit, die Vagabondage wird immer mehr einwurzeln..... Ich will Euch kein Gemälde von den Lastern entwerfen, die unsre Gemeinde beflecken, Ihr kennt sie, Ihr wißt, auf welcher Stufe der Verderbniß eine gewisse Classe unsrer Gemeinde angelangt ist. Sollen wir das Laster sich vollständig einnisten lassen, bis es unausrottbar wird? Wir müssen uns also beeilen Verbesserungen einzuführen; es wird uns unmöglich sein in kurzer Zeit alles zu ändern , aber wir können mit dem anfangen, was am drängendsten ist. Das ist meiner Meinung nach die Unterdrückung der Bettelei; dieselbe wird alle Arten von wünschenswerthen Verbesserungen mit sich bringen, wenn wir das von der Bettelei hervorgebrachte Uebel beseitigen. Allerdings bedarf es der Ausdauer, der Entschiedenheit dazu." Herr Bsnichou stimmt dem Vorredner bei, will aber daß man, um nicht zu schädigen, bevor man zerstöre, auch die Mittel zum Aufbauen vorbereitet habe. Die Versammlung war einstimmig und wählte ein Comits, um Vorschläge zu machen, was zu geschehen habe. — Man sieht, überall dieselbe Plage. Jndeß die allgemeine Erkenntniß des Uebels ist schon ein guter Schritt vorwärts. Wir sind auf die Vorschläge des Cornitss gespannt.; i Holland. Amsterdam, 4. August (Privatmitth.). Das Counts zur Verhinderung der Judenverfolgungen in Rumänien hat sich in Folge der abgehaltenen Versammlung nicht blos constituirt, sondern wächst an einflußreichen Männern, worunter auch sehr viele christlichen Glaubens sind. Die letzte officielle Namenliste umfaßt folgende Männer: die Herren H. W. Tels, Advocat in Rotterdam, Vorsitzender; I. E. Andries, Notar in Amsterdam; C. D. Asser, Rath am Provincialhof von Nordholland zu Amsterdam; B. S. Berenstein Oberrabbiner der niederländischen israelitischen Gemeinde im Haag; P. I. van der Burgh, Procurator und Mitglied des Gemeinderathes *) im Haag; F. M. Baron van der Duyn *) im Haag; C. P. van-Enghen*), 33*