Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 31 (30.7.1872)
- Date
- 1872-07-30
- Page
- Seite 615 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Frankreich. Paris, 15. Juli. Die Arch. isr. theilen einige große Bruchstücke aus der von CrSmieux bei der jüngsten Generalversammlung der Alliance am 12. Mai gehaltenen Rede mit. Das erstere wendet sich gegen die perfide Verläumdung, daß die Israeliten Algeriens sich zum Militärdienste untauglich erwiesen hätten. Der greise Redner bringt sehr zahlreiche Zeugnisse von Militärpersonen aller Grade, sowie von Magistraten herbei, welche sich über die Disciplin, den Muth und die Beharrlichkeit der Juden in der Miliz wie in der Armee rühmend aussprechen, und führt eine Menge einzelner constatirter Beispiele der Tapferkeit algerischer Juden sowohl in Algerien selbst, als auch als Freiwillige in den französischen Armeen im Kriege gegen Deutschland an. Das Resultat ist ein sehr zufrieden stellendes und widerlegt die Anschuldigungen gänzlich. Das zweite Fragment enthält einen höchst beredten Aufruf an den Patriotismus der französischen Juden, besonders sich mit allen ihren financiellen Kräften für die bevorstehende große Anleihe zu verwenden. Herr Crsmieux ruft aus: „Ich will, daß man die Juden als die besten Bürger des Landes bezeichne. Ich bin nicht wie jener Spartaner, welcher sich um den Platz im Rache der Dreihundert bewarb, und als er nicht ernannt wurde, ausrief: „Ich bin glücklich, daß es dreihundert bessere Bürger als mich giebt." Nein, ich will der beste Bürger sein und ich will, daß die Juden die besten Bürger seien." Gewiß hat er Recht, unsere Glaubensgenossen zum höchsten bürgerlichen Streben aufzufordern und zu ermuntern; denn neben der allgemeinen Pflicht liegt eS den Juden auch ob, alle Lorurtheile zu beseitigen, die noch gegen sie gehegt, alle Beschuldigungen zu entwaffnen, die noch gegen sie vorgebracht werden, und dies kann nur durch die fortgesetzten Beweise deS GegentheilS geschehen. Dennoch haben derartige Aeußerungen auch etwas Gefährliches oder doch Uebcrtreibendes. Die Juden in der Masse sind am Ende gerade ebenso Menschen wie die Masse in anderen Confessionen, und einen zu hohen Maßstab für sie aufzustellen, würde bewirken, daß ihre thalsächlichen Leistungen zu gering angeschlagen würden. Ja, wir wollen an unS strenge Anforderungen in der Pflichterfüllung als Menschen- Bürger und Juden stellen; aber ebenso gut können wir auch von allen Anderen verlangen, Gerechtigkeit gegen unS zu üben und der Wahrheit zu huldigen. — Hert Weil-Picard in Besaneon hatte für die Nationalsubscription zur Befreiung deS französischen Territoriums 50,000 Frcs. gezeichnet. Da nun aus jener nichts geworden ist, so hat er diese Summe dem Magistrate von Besanyon zu Gunsten der städtischen Schulen über* sandt. Es sollen nämlich 20,000 Frcs. zu Bergrö^ ßerung und Verbesserung der Schullocale, die Zinsen von 10,000 Frcs. zu jährlicher Vertheilung von Sparcassenbüchern an die fleißigsten Schüler, 3000 Frcs. für die Mädchenschule, welcher er bereits ein Haus ge* schenkt hat, 10,000 Frcs. für die Kinderbewahranstalten, 1000 Frcs. für die Schulcasse der Stadtgemeinde, 1000 Frcs. für die Lehrmittel der Uhrmacherschule und 5000 FrcS. für das Haus der Armenschwestern verwendet werden. — Die jetzt in Paris tagende protestantische Synode hat beschlossen, eine Adresse an den Großrabbiner zu richten, in welcher der Schmerz der reformirten Kirche Frankreichs über die Verfolgungen, denen die Juden in Rumänien ausgesetzt waren, ausgesprochen werde. Anzeigen. Die alte Betschule der Synagogengemeinde zu Posen sucht einen streng religiösen, musikalisch gebildeten ^ri, der mit guten Stimmmitteln ausgestattet ist und genaue Kenntniß der hebräischen Sprache besitzt. Salair 600 Tylr. und die üblichen Nebeneinkünfte. Reisekosten werden nur dem Gewählten erstattet. Meldungen sind an das Vorstandsmitglied Herrn S. Cälvary in Post» einzureichen. Der Synagogenvorstand der alten Betschule. — Oonvur 8. In unserer Gemeinde ist mit dem 1. Oetober 1872 die Stelle eines Camor-Lehrers vacant. Jahresgehält 700 st. ö. W., außerdem bedeutende Emolumente. Zeugnisse mit Angabe des Familienstandes sind bis 1. September d. I. zu richten an Aron Mittelmann, Präses. Alsö-Kllbin (Ungarn», im Juli 1872. Am 1. Ocwber d. I. wird vre hies. Lehrer- und Cantorstelle vacant und soll demnächst wieder besetzt werden. Dieselbe ist bei freier Wohnung und Heizung mit 250 Thlrn. jährlich dotirt. Bewerber wollen sich bei Unterzeichnetem baldigst melden. Hohenhausen tLippe-DetmolV), Der Borstand:; fc* io. 3«U 1872, G Steinfeld. l' \