Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 30 (23.7.1872)
- Date
- 1872-07-23
- Page
- Seite 602 (sequence 20)
- Language
- German
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lasse- 18 u f en, darumbhat er nicht wollen."auf seinem Stuhl sitzen." - Und nun kommt die köstlichste aller'„Noten", an welcher der Professor die beißendste Dialektik aufbietet: „Der Prophet Elias hat sonst nichts zu thun, als daß er den Jüden aufwarte und ihrer Beschneidung zusehe! Wer hat denn zugesehen, ehe er geboren ward? Und wo stehet es geschrieben? Und wie macht ers immermehr, wenn zwo Beschneidun gen zugleich gehalten werden? Denn dies kann sich wohl zutragen. Gleich wie auch über Tisch, da es nicht fehlen kann, es müssen viel unterschiedliche Mahlzeiten zu einer Zeit gehalten werden, da sie denn glauben, Elias sey allezeit dabey, wo man Mahlzeit halte. Er wird gewiß ein guter Tellerfchlecker und Suchtrunk sein. Will man sagen : er Hab seine vicarios oder Statthalter, die seine Statt vertreten, wer seynd sie denn? Seynds Engel oder Teufel? Auch findet man in ihren Büchern nichts von irgend einem, der seine Stell verträte, sondern allezeit wird seiner in eigener Person gedacht. Drumb ists Fantasterey undGeplerr, damit sie der Beschneidung wollen ein Ansehens machen, in der Rabbinen Kopf gesponnen und in Aesopi Werkstatt gehaspelt und auf der Cretenser Webstuhl durcheinander gewoben, daraus em solch seltzames Tuch worden." 9. Rabbi Samuel stehet den Himmel offen und trifft die rechte Zeit zu beten. „Rabbi Samuel ' gieH' einsmals mit zwee^ andern über Feld. Und auf dem Wege fieng er an und sprach:' „Ich' sehe den Himchel^ offen, jetzi ist es Zeit zu beten; ein jeglicher thue eine Bitt an Gdtt den Herrn, denn er wird gewißlich erhöret."-Da beteten Ae alle dreh. Der eine bat umb Reichthumb, der ander umb hübsche Kinder,. der Rabbi um Kinder, die wohl studiereten und gelehrt würden. Und. sie wurden alle ihrer Bitte gewähret." Kots: „Das müssen große Thoren sein gewesen, daß sie nicht umb ihren Messiam gebetenhaben (!), der sie ans dem Elend von den Gojirn erlösete, da sie dochsö herrliche Gelegenheit gehabt, weil sie den Himmel offen' stehen gesehen. Denn die Jüden gläuben, es seyi eine Zeit besser zu beten als die andere. Sonderlich eben sey die Morgenzeit gut zum Gebet; des Nachts darf man nicht beten, denn die Pforten am Himmel seynd alsdann zugeschlossen, bis so lang die H ahnen krähen, alsdannmachen die Engel wieder auf, und das hören^die? Hahnen und krähen. Darumb haben sie auch^ eine'Vesondere Danksagung alle Morgendaß Gott Pen^ Hahfien solchen Verstand gegeben hat. Wie aber, wenn einer des Nachts in ein Unglück käm und Gottes Hilfe bediirfte, der würde gar zu kurz kommen?! — Nun' beten sie aber alle Morgen, daß sie dermaleins erlöset werden; d a r au s w ir d f ol g en, daß sie nunmehr über die 150 0 Jahre nicht recht gebetet haben; denn sie seynd ja noch nicht erhöret. Welches sie aber nicht gestehen werden, oder muß erlogen sein, was sie von der Morgenzeit gaukeln oder muß folgen, daß sie nicht m e h r G o t 1 e s V o l k seyn. Denn diesem verheißt Gott Jesaja 65. „ehe sie rufen, wölle er sie erhören"; und am 58. Capitel. Summa: es seynd he yd wisch e Mährlein. Wie denn die Posten haben vorzeiten auch gedichtet, daß die Horae dazu bestimmt seyen, die Pforten des Himmels zu verwahren." Soweit die Komik; wir könnten noch Dutzende ähnlicher Beispiele anführen, wir wollten, uns aber beschränken, das Pikanteste zu geben. Die Sache hat aber auch ihre tiefernste Sette, wenn man bedenkt, wie solche Schriften, von einem „gelehrten." Professor verfaßt, auf die urtheilslose Masse des Volks von dem verderblichsten Einfluß gewesen sein, müssen; man wird sich nicht mehr wundern, wenn der Judenhaß, von solcher Nahrung groß gezogen, beinahe unvertilgbar erscheint! In unserer Zeit, Gott Lob, sind Schriften aus so vager und giftiger Feder undenkbar. — Vermischtes. 1 Die.,Times, 'enthalten;fplgendtzs Inserate '-,Rvnr5 Christliche. Schulen -für-dasGhetto, unter den' Auspicien der. eNglischen.Gesellschaft für :bte Verbreitung des Evangeliums unter den Juden. 150 bis 180,000 Francs ,■ sind erforderlich, um. sie zu .organisiren , zu meubliren u. s. w: Zwei ,-christliche 'Jüdinnen" von erprobtem j Charakter und mit Fähigkeitsdip.lomen versehen, sind be- I reit, das Werk unter , den jungen israelitischen Mädchen i-zu beginnen. Das, Comits besagter Gesellschaft hat! 12,500 Francs für diesen Gegenstand bereit, abgesehen von den Gaben aus Rom, Florenz, Neapel n. s. w. k und von der Hülfe, welche sie von den christlichen Freun- " den der Juden in allen Ländern erwartet. Wan bittet, i die. Gaben an -den Vorsitzenden der Gesellschaft zu richten u. s. w.", - Man sieht, daß dieses Inserat auf eine großartige Bettelei hinausläuft, -denn^ man will von 12,000. auf L 80^000 Francs' hinauskömmenl Der Protestantismus, z der sich immer mehr in sich abschwächt, kann doch von I seiner'Bekehrungsfucht nicht ablassen, und alle Mißerfolge ' schreien"ihn nicht ab, Geld und Mühe zu vergeuden. Verlag von Bamngärtner's Buch Handlung in Leipzig. — Durch von Hirfchfeld. Verantwortlicher Redaeteur Lds'.k'H..Lotze?