Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 30 (23.7.1872)
- Date
- 1872-07-23
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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36. Jahrgang. Allgemeine JW 3V. Zeitung -es Zu-enthums. Ein Unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. HeranSgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philipps»« in Bon». Leipzig, den 23. Juli 1872. ürtaaTe tnt einmal DienstaaS, in 2 vis 2'/, Bogen. Preis des Jahrgangs 4 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Vierteljährig i Thlr. die"«Äi1»eile oder deren Raum berechnt Alle Buchhandlungen, Postämter und ZeMWgS-Expeditionen nehmen Bestell^gm^r^er HauNK^ hat W »>«« «önifll W-“ntÄcn. 2 n h a l t. Leitende Antike! r Die Freiheit und das Judenthum. II- — Wie verhält sich das Judenthum zu religiösen Gelübden? — Literarischer Wochenbericht: Bonn. Zeitungsnachrichtenr Deutschland: Leipzig, Aus dem Elsaß, Posen, Bonn. - Oesterreichisch-ungarische Monarchie: Wien, Prag, Unghvär. — Holland: Aus : dem Haag. — Donaufürstenthümer: Bukarest. —; Amerika: Texas. — Nachtrag: München. Feuilleton - Beilage r Vertrauliche Briefe. XIV. — Professor Helviens in Gießen und das „MaaseBuch." Schluß.) Vermischtes. Leitende A11 i f e l. Bonn, 13. Juli. Die Freiheit und das Iudenthum. n. Herr ASbsth suchte also die Freiheit lediglich im Individualismus, und fand im Judenthume die Wurzel - aller freiheitlichen Entwickelung, weil in demselben die JndividualitätSidee enthalten und großgezogen worden; ist, während die antike Welt die Unterdrückung der In-' dividualität durch das staatliche Gemeinwesen setzte. Wir modificirten diese Ansicht dahin, daß die wahre Freiheit, in der freien Entfaltung des Individuums innerhalb eines hie^u befähigten Gemeinwesens besteht, und daß gerade der MosaisnmS ein solches Gemeinwesen beabsichtigte und schaffen wollte. Allerdings sind die Prin. cipien der mosaischen Gesellschaft solche, durch welche dem Individuum die freie Entfaltung gesichert wird > jedoch nur innerhalb des..Volksbundes und unter den Bedingungen, die dieses auferlegt und durch welche es eben für die wahre Freiheit der unentbehrliche Boden wird. Der Verfaffer hatte im Monotheismus den ersten Grundzug des israelitischen Individualismus gefunden. Die Idee des absoluten Individuums in Verbindung mit der Vorstellung der Liebe und Barmherzigkeit GolteS und der Anschauung , daß der Mensch im Ebenbilde Gottes geschaffen sei, brachte in jedem Individuum die Jndividualitätsidee zur Geltung. Folgen wir ihm nun weiter. ' In den Urtraditionen des jüdischen Volkes findet er den herrschenden Zug, „daß die ältesten jüdischen Geschichten die Geschichten Einzelner und ihrer Familien sind durch eine lange Reihe der Jahrhunderte hindurch. Finden wir derartiges in der antiken Welt? Dort hat in der Tradition , vor der Nachwelt der Einzelne nur insofern Gewicht und Werth, als er eine politische oder historische Rolle zu erringen, oder wenigstens in ein bestimmtes und bestimmendes Verhältniß zur Gefammtheit zu treten vermag. In der antiken Welt war nur die Gefammtheit von Gewicht, im Judenthume kam dies auch dem Individuellen zu. Während der Römer über alles das, was nicht direct mit der Gefammtheit in Beziehung tritt; verächtlich hinwegschreitet, verlieft sich der Jude liebevoll in das individuelle, in daS Familienleben, pietätvoll hütet er den Schatz.still hinfließender, aber mit