Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1872)
- Date
- 1872-07-16
- Page
- Seite 582 (sequence 20)
- Language
- German
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des Gothischen. Dagegen hat daS Mumänische, Eindrücke von Sprachen erhalten, deren nähere Bekanntschaft sie nur im Süden der Donau machen konntenzunächst vom Griechischen und vom Albane fischen. Am entschiedenstes jedoch wirkte auf das Rumänische das Altbulgarische oder Altslowenische. Das Bulgarische war Lei den Rumänen so zur Herrschaft gelangt, daß es sich bei ihnen, auch nachdem sich die Rumänen völlig von den Bulgaren geschieden hatten, noch mehrere Jahrhunderte als Amts- und Kirchensprache behauptete. Treffen wir doch im Rumänischen auf Wörter, welche aus einer uralischen Sprache stammen, z. B. mit samojedischen zusammenfallen, also nur aus dem Finnisch-Bulgarischen sich erklären lassen. Soviel ist also sicher: Dacien ging unter Aurelian jeder römischen Cultur verlustig, und erst ein Jahrtausend später drangen völlig barbarisch gewordene Abkömmlinge römischer Colonisten aus dem Süden wieder in das. Land nördlich von der Donau. Es waren Hirtenstämmedie ihre Wanderungen endlich in diesen Wohnsitzem abschloffen. Der eigentliche gemeinsame Stammsitz sämmtlicher Rumänen ist das Innere der Hämushalbinsel im Süden der Donau. Die trajanische Colonie spielt in der Geschichte der rumänischen Nationalität eine höchst untergeordnete Rolle, einen verlorenen Posten, der sich im günstigsten Falle auf das Hauptcorps zurückzieht. Die eigentliche romanische Bevölkerung wurde überall mit fremden Beftandtheilen durchwachsen. Die Continuität der norddonauifchen Wohnsitze und der römischen Gesittung ist durchaus Traum oder Täuschung. j Und auf diesen Traum oder diese Täuschung gründen die Rumänen ihre Ansprüche und ihre Hoffnungen. Die Rumänen wollen die Verbindung aller Rumänen, soweit sie nur versprengt sind, zu einem unabhängigen Staate; sie sehen sich zugleich als Abkömmlinge-der lateinischen Race an und wollen sich mit dieser verbrüdern.; Als ihre Feinde erkennen sie daher die slavische und die germanische Race. Von solchen Träumen und Täuschungen geht der nächste Schritt zu Fälschungen und diese werden mit Sprachen und Urkunden von den Rumänen bereits eifrig betrieben. In wie weit ihnen ein derartiges Treiben und die Nachäffung französischen Wesens statt einer sorgfältigen Entwicklung des Unterrichtswefens, der-. Industrie und der Gesittung des - Volkes <<wir meinen des Volkes in allen seinen Schichtenden^ oberen. wie den unteren) besser bekommen wird, mögen die Herren Rumänen, so lange es noch Zeit ist, -sich wohl überlegen. Der Schritte zur inneren Zersetzung und zum . Zerfall der noch in so geringem Maße vorhandenen Cultur sind schon all zu viele geschehen. 3 Me jung die. geschichtlichen Ansprüche der Rumänen sind und .wie -unbegründet ihr vermeintliches Autochthonenrecht den Deutschen und noch mehr den Juden gegenüber ist, ergibt sich aus Obigem von selbst. Wir folgten übrigens. der' Unparteilichkeit.' wegen nur den gründlichen Forschungen Robert Röslers und Hugo Schuchardts. Correspondenz. A u s d e r M o l d a u, 1. Juli (Privatmitth.). Daß die hierländische Judenfrage in ein günstigeres Stadium getreten ist, ist Ihnen bekannt, und wir wünschen nur, daß sie endlich zu unserem Heile gelöst werde. Dahingegen darf es nicht verschwiegen werden, daß sich jetzt innere Feinde erheben, welche den jüdischen Gemeinden unermeßlichen Schaden zu bringen sich.anschicken. Sie streuen in den rumänischen Gemeinden die Saat der Zwietracht aus und untergraben durch die Streitigkeiten zwischen den Gemeinvegliedern alle wöhlthätigen Anstalten. Auf diese Weise wird den äußeren Feinden das Spiel noch leichter gemacht, uns schließlich auf die Stufe etwa der persischen und marokkanischen Juden herabzubringen. So konnte z. B. bis jetzt Bottuschan als das Muster aller Gemeinden Rumäniens gelten. Aber auch hier haben sich einige aus der niederen Claffe gegen die bestehende Gemeindeordnung "aufgelehnt, und schließlich eine solche Zerrüttung rhervorgebracht, daß der Fortbestand des Hospitals -und der Hauptschule, die seit sechs Jahren, wie es documentirt ist, mit so außerordentlichem Erfolge wirkte, bedroht ist. Die Angestellten haben seit mehreren Monaten keine Besoldung erhalten, und wird' dieser Zustand nicht bald Überwunden, so werden Hospital und Schule in kurzer Zeit verlassen dastehen. Das schreckliche Unglück und die Hülfsbedürstigkeit haben so^ mit den inneren Frieden zu festigen nicht vermocht, son-! dern das Gegentheil bewirkt. Vermischtes. Aus Preß bürg vom 1. Juni wird der wiener „Preffe" geschrieben, daß die dortige Judengaffe seit gestern der Schauplatz von ganz eigenthümlichen Scenen gewesen ist. Zwei Frauen nämlich, von der englischen Judenbekehrungsgesellschaft nach Preßburg gesendet, haben es sich zur Aufgabe gemacht,- die Söhne Israels in best ■ Schoß der Kirche zu führen, und zwar soll dies - durch' : Tractätlein an „Alt- Und Jung-Jsrael" geschehen, - bep titelt:' „An die Kinder Israels in allen Ländern, wo sie' zerstreut sind." Die beiden Damen vertheilten -muthig ihre Schriften. Eine große Menschenmaffe sammelte' 'sich um sie. Als jedoch die Juden die Tractate gelesen hatten, begannen sie sich an den Bekehrerinnen zu vergreifen und einige führten sogar „a Schlag in ihr Haupts Nur die rascheste Flucht rettete die Damen vor größerem Mißhandlungen, ' Verlag von' Daumgartners Bnchhändlung in Leipzig, — Druck von 3. B: HirfchMi Verantwortlicher Redaeteur «v». H. Lotze.