Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 27 (2.7.1872)
- Date
- 1872-07-02
- Page
- Seite 542 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Vermischtes. Zu der gegenwärtigen Kunstausstellung in Paris hat verhältnißmäßig eine sehr große Anzahl Künstler/israelitischer Religion Beiträge geliefert, die der Aufnahme gewürdigt wurden. Unter diesen ist jedoch nur ein einziges Gemälde, das seinen Stoff der jüdischen Geschichte entlehnt hat. Es ist von Herrn Eduatd Moyse, und sein Gegenstand,-Ketzer vor dem Jnquisttionstribunal in Sevilla, 1481". Die Arch. isr. sprechen sich darüber folgendermaßen aus: „Die Scene geht in einem gewölbten Kloster- oder Kirchensaale vor sich, der auf allen Seiten mit schwarzem Zeuche verhängt ist. Die Mitglieder des Tribunals, die man im Profil, sieht, sitzen unter einem Thronhimmel von gleichfalls schwarzem Stoffe und bleiben in mystisches Halbdunkel gehüllt. Den drei Inquisitoren gegenüber befinden sich die Hauptpersonen des Gemäldes, und rings herum sind Mönche und Häscher des heiligen Officiums gruppirt, sowie der Henker, dessen rothe Capuze wie ein Blutfleck inmitten des im allgemeinen Nüstern Colorits dieses Gemäldes erscheint. Das meiste Licht ist concentrirt auf die beiden Ketzer, Batet und Tochter, welche dem Gedanken des Malers gemäß ganz besonders unsere Aufmerksamkeit auf sich ziehen sollen. Bor der Haltung der Richter, unter dem wilden Blicke des Vorsitzenden eines solchen Gerichtes bleibt dieser neue Eleasar ruhig, denn er glaubt; seine Geberde ist edelwürdig, und wenn er eine Zornesbeweguckg erscheinen läßt, so nimmt man sie nur im Zerknittern seiner Mütze wahr , die er in seinen geballten Fingern hält. Seine Tochter zittext für das Leben ihres Vaters, und ihr Gesicht scheint; -neben seinem Ausdrucke, von Furcht und Schmerz, das Mitleid dieser Männer mit stählernem Herzen anzuflehen. Und bei diesem stummen Drama bleiben die Anwesenden unbeweglich, und der Henker gleichgiltig - gegen alles, was neben ihm vorgehtwartet nur auf das Zeichen des Meisters, um sein Werk zu vollführen. Auf diesem Bilde zeigt.sich nichts künstlich Tragisches, nichts Manierirtes, nichts, was theatralischen Effect bewirken sollte. Es ist die schlichte Darstellung der Torturen des . jüdischen Volkes." > .Wie verschieden ist hiernach die Auffassung und Darstellung der Inquisition in dem Gemälde des Herrn Moyse von der in Kaulbachs Peter Arbuez, worüber wir jüngst referirten! Wenn viele'Katholiken an dem Werke des deutschen Meisters großen Anstoß nahmen, so möchte dies allerdings, bei der Schöpfung des jüdischen Malers nicht der Fall sein. Aber welche Energie, welches Leben, welche Leidenschaft in der Compositivn Kaulbachs-gegen das Product dieses jüdischen Malers, der aus.dem Jnquisitionsgericht fast ein Stillleben macht l Als emen charakteristischen Zug theilen die. österr. Blätter folgendes mit: Auf., seiner Jnspectionsreise durch Steiermark kam der Statthalter Freiherr von Kübeck jüngst auch nach Stainz, besuchte die Schulen , empfing Deputationen u. dgl. m. Unter den letzteren befand sich auch die Gemeindevertretung einer benachbarten Ortschaft, welche weit und breit als ultramontan vom besten Wasser gilt. Die guten Leute kamen, um gegen die neuen Schulgesetze zu protestiren und den Statthalter zu bitten, dieses Teufelswerk, das die Jugend nur entchristliche und die Bevölkerung demoralisire, „abzuschaffen". Baron Kübeck hörte den Sprecher der Deputation ruhig an und fragte ihn dann: „Gut, ihr wollt eine katholische Schule. Ist euer jetziger Lehrer denn ein Jude?"—„Nein," war die Antwort, „das nicht, aber es könnte ein Jude Lehrer werden." — Der Statthalter fuhr fort: „Wer unterrichtet wohl eure Kinder in der Religion?"— „Gott sei Dank, der Herr Dechant," athmete der Sprecher auf. — ,-Jst der Dechant vielleicht ein Jude?" lautete die nächste verfängliche Frage. — „Gott bewahre," siel der Sprecher rasch ein und machte Miene, sich zu bekreuzigen; „um den Herrn Dechant ist es uns auch gar nicht zu thun, sondern um den Lehrer, der nach der neuen Ordnung heirathen und uns Kinder auf den Hals setzen kann." — „Ja , aber das konnte ja der frühere Lehrer auch?" fragte Baron Kübeck verwundert. — Die Deputation lächM pfiffig. „Das schon, aber wenn er es gethan hätte, würden wir ihn. davon gejagt haben, was wir jetzt leider nicht mehr dürfen." — „Wenn das," schloß der Statthalter entrüstet, „eure christkatholische Nächstenliebe sein soll, von der ihr so viel Aufhebens macht, so habe ich weiter nichts mit euch zu sprechen." Darauf kehrte er der Deputation den Rücken. Ein Act se-ltener Wohlthätigkeit wird der „Fünfkirchner Ztg." aus Szigethvär gemeldet: Der Friedhof der dortigen israelitischen Gemeinde ist von Gräbern so überfüllt, daß eine Erweiterung desselben erforderlich geworden ist. Die Gemeinde wandtesich an ben Besitzer der benachbarten Gründe mit der Bitte, ihr einen gewissen Flächenraum zu besagtem Zwecke käuflich zu überlassen, woraus die Bittsteller mit dem Bemerken entlassen wurden, daß sie nach zwei Tagen wieder anftagen möchten.' Als sie zur bestimmten Zeit erschienen, eröffnte ihnen ver Eigenthümer, daß er sich unterdessen nach ihren Verhältnissen und besonders nach ihrer Gesinnung erkundigt, und darüber ein so befriedigendes Urtheil vernommen habe, daß er ihnen eine gewisse Anzahl Joch schenkungsweise überlasse.. Verlag von Baumgartner'S Buchhandlung in Leipzig/ — Druck von I. 83. Hirfchftld. Verantwortlicher Redacteür «wi H. Lptze.