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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-07-02 · Heft 27 (2.7.1872) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 27 (2.7.1872)
Date
1872-07-02
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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36. Jahrgang. Allgemeine JW 27. Zeitung -es Zu-enthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von RabLiner vr. Lubwig Philippfon in Bonn. Leipzig, de» 2. Suli 1872. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal Dienstags, in! ‘ir»5iisr.c'Ä'»- »«8. lungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich das König! bis 2>/,^Bo^n.^Preis des Jahrgangs SThlr. HÄtb^äl WS 2 Thlr. Vierteljährig, Thlr. ngS-Expeditionen nehmen Beste!» "" "s. Haupr-Zettungs-rvureau »terzogen. 3 nb alt. Leitende Artikel r Die Juden und die Jesuiten. — Die Ministerialconferenz. — Die Circulärnote an die Agenten Rumäniens im Auslande vom Minister für auswärtige Angelegenheiten Kostaforu. Zeitungsnachrichten r Deutschland: Berlin, Crefeld, Donaufürstenthümer: Konstantinopel. —- Türkei: Konstantinopel. — Rußland: Warschau. FeuMeton-Beilage: Vertrauliche Briefe. XIII. — Zur Geographie des Landes Moab. — Die Juden in der Stadt Portland in Amerika. — Vermischtes. Leitende Art i£ e L Bonn, 23. Juni. Die Juden und die Äesmten. Als die Petitionen für die Austreibung der Jesuiten aus dem deutschen Reiche in Gang kamen, als ferner die Debatte über diesen Orden im Reichstage stattfand, hielten wir es nicht für unsre Obliegenheit, über diesen Gegenstand uns zu äußern, da jene Petitionen, soviel wir wissen, von Juden gar nicht oder nur wenig unterschrieben worden waren und kein jüdisches Reichstagsmitglied das Wort in jener Debatte genommen hatte. Nachdem aber der Bundesrath dem Reichstage ein BeschrLnkungsgesetz vorgelegt, dieser daraus ein Berbannungsgesetz gemacht hat, und von den vier Reichstagsabgeordneten jüdischer Religion drei gegen das Gesetz gestimmt haben, einer sich der Abstimmung enthalten hat, halten wir uns auf Grund dieser eigenthümlichen Thatsache für verpflichtet, auch unsre Meinung über diese ebenso eminent politische wie kirchlich-religiöse Frage zu äußern. Die Herren Lasker und Bamberger gehören bekanntlich der national-liberalen Partei, Herr Sonnemann der äußersten Linken an, und doch votirten alle drei übereinstimmend gegen das Gesetz, indem sich dabei die beiden ersten von ihrer Partei trennten. . Diese thatsächliche Stellung der Juden in der Jesuitenfrage muß doch auf einem innern Grunde beruhen, den wir unklar zu machen haben. Es kann dieser nicht etwa in einem geschichtlichen Berhältniffe gesucht werden. Denn, wenn uns auch kein Fall vorschwebt, in welchem nachweisbar die Juden durch die Anregung der Jesuiten verfolgt worden wären, wenn auch die Inquisition ihre schrecklichen Thaten längst vor dem Entstehen des Ordens (1541) begonnen hat, und nicht diese aus dem Geiste des Ordens, als vielmehr der Orden aus dem Geiste der Inquisition entsprungen ist, so hat doch der Orden Principien und Zwecke, die für uns von sehr bedrohlicher, ja höchst gefährlicher Art sind. In ausgesprochenster Weise will der Orden, nach der politischen wie nach der geistlichen Seite hin, die Alleinherrschaft des Papstthums durchsetzen und zugleich allen Andersgläubigen die bürgerliche Existenz auf's Aeußerste beschränken, wenn nicht unmöglich machen. Es ist dies in neuerer Zeit so bestimmt in dem bekannten Syllabus ausgesprochen worden, daß hierüber kein Zweifel herrschen kann. Unter diesen Umständen muß in dem

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