Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 26 (25.6.1872)
- Date
- 1872-06-25
- Page
- Seite 522 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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weiß übrigens, warum er nichts weiter schreibt; denn eine englische Uebersetzung des Jacob Tirado gedenkt er nicht zu geben. Wir nennen das Blatt nicht, weil wir eben von allem Persönlichen fern bleiben wollen , ohne jedoch auf Viesen Gegenstand nicht noch öfter zurückzukommen. Wir wollen sehen, ob die Besseren unter den Freunden unserer Literatur irgend etwas zur Abhülfe des obherrschenden Zustandes thun werden^ Hätte dies auch keinen bedeutenden Erfolg, so würden sie doch ihre Pflicht gethan haben. Vermischtes. (Hungaria.) Am 20. Mai vorigen Jahres verrichtete die Gattin Ladislaus Steiners zu Nagy- Körös in der Synagoge ihre Andacht. Etwas später erschien Frau Rosa Schwarz, geb. Scheiber, die ebenfalls in derselben Reihe ihren Sitz hätte, überfiel gleich nach ihrem Ankommen die Frau Steiner mit Schimpfworten und versetzte ihr auch eine tüchtige Maulschelle. Daß der Gottesdienst dadurch in der ärgerlichsten Weise gestört wurde, läßt sich leicht denken. Die nächste Folge davon war, daß Frau Steiner sich zum Einzelgericht begab und Frau Schwartz dort einklagte. Das Einzelgericht verurtheilte die Attentäterin zu einem Pönale in der Höhe von 60 Gulden und zur Bezahlung des Schmerzensgeldes von 10 Gulden. Die Verurtheilte appellirte, das ordentliche Strafgericht jedoch verurtheilte Frau Schwarz zu einem Monat Arrest und zu einem Schmerzensgelde in der Höhe von hundert Gulden. Nun appellirte die Verurtheilte an die königliche Tafel in Begleitung einer Nullitätsbeschwerde, welche aber in so scharfen Ausdrücken verfaßt war, daß der köröser Gerichtshof beleidigt erschien; deßhalb wurde Frau Schwarz separat zu einem Pönale in der Höhe von hundert Gulden verurtheilt, und ihre Freiheitsstrafe in eine Geldbuße von ebenfalls hundert Gulden umge- - wandelt. Frau Schwarz appellirte an den obersten Gerichtshof, der die Angelegenheit eines Formfehlers wegen wieder an den Gerichtshof erster Instanz zurückleitete. (Und welche prompte Justiz — gerade nach einem Jahre fängt der Proceß um solch eine Sache wieder, von vorn an! Red. d. A. Z. d. I.) att entern styr veteyrenoen - unv wuyngen Armer der „Köln. Zig." „die Reformdes' Fleischverkaufes" 'finden wir folgende Stelle^ die mit Rücksicht auf das mosaische Gesetz sehr interessant ist: : ' „Von den verschiedenen Fleischsorten, welche wir in der Nahrung zu uns nehmen, liefern die W i ederk ä u er und besonders das erwachsene Rind den weitaus größten Theil. In seinem Fleische, wie überhaupt in dem der pflanzenfressenden Thiere finden wir die für uns zweckmäßigste-Mischung der verschiedenen Bestandtheile. Das Pferdefleisch ist wegen der vielfachen starken Bewegung des Pferdes bei - der Arbeit, wobei viel Kohlenstoff -verbrannt und' somit für die Fettbildung nicht benutzt wird, weniger -nahrhaft, als es bei dem guten Hafer und Heu fein könnte; namentlich wird bei den zum Lausen bestimmten Pferden die Fleischfaser immer straffer und unverdaulicher. Eben*so ist das Fleisch' des Wildes stets mager und mit wenig Fett durchwachsen, indem seine Gangart eine viel zu lebhafte ist und der Athmungsproceß ungemein viel Fett consumirt. Das Fleisch der Schweine ist bedeutend fetter, als das der Wiederkäuer, dagegen ärmer an Eiweiß. Das von unseren Hausfrauen so sehr geschätzte Geflügel liefert,' wenn es gut' durchgemästet ist, das nahrhafteste Fleisch, indetn die blutbildenden Stoffe in ihm 'überwiegend vertreten find und es doch auch an dem Fett nicht gerade fehlt.' Namentlich enthält das Hühnerfleisch sehr viel Kreatin,' welcher Stoff vorzugsweise das Gefühl der Sättigung in uns erzeugt.; f: V;:r Frankfurt a. M., 21. Mai. Die Büste unseres leider so früh verstorbenen Mitbürgers Lazar Geiger, der sich auf dem Gebiete der wissenschaftlichen Sprachforschung so bedeutende Verdienste erwarb, ist heute Morgen 11 Uhr unter entsprechenden Feierlichkeiten in der Vorhalle unser städtischen Bibliothek ausgestellt worden. In Agram starb den 2. Juni der.dortige Kaufmann I. Landgraf im Alter von 98 Jahren. Der Verstorbene erfreute sich eines außerordentlichen Gedächtnisses und konnte 800 Abschnitte aus dem Talmud auswendig hersagen. Verlag von Banmgartner's Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B. Hirschfeld. Verantwortlicher Redaeteur Dir. H. Lotze.