Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 26 (25.6.1872)
- Date
- 1872-06-25
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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118 c nt 11 n c 38. Jahrgang * v *9^ W f'5T*C", 'MM Zeitung des Audenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Her aus gegeben von Rabbi»« Dr. Ludwig Philipps»» in Bonn. Leipzig, den 2S. Juni 1872. Ins« wSchvülich einmal. Dienstags, in 2 bW2l/,B^m.PrerS desAahrgaugS4Mcr. Halbjährig i Thlr.^Brerteljährig tThlr. mit 2 Rar. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Me Buchhandlungen, Postämter und ZertungS-Expeditionen nehmen BestellMgen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hü fich das Mmgl. Sachs. Haupt-ZertungS-Bureau unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Der Liberalismus und das Judenchrurr. w. Zeitungsnachrichten r Deutschland: Berlin, Bonn, Potsdam, Elberfeld, Aus der Provinz Posen, Hannover, ^Königsberg. — Oesterreichisch-ungarische Monar- . chie: Pest, Kalsbad. — Frankreich: Paris. — Italien: Rom. — Donaufürstenthiimer: Bukarest, Berlin. — Nachtrag: Bonn, Berlin. Feuilleton-Beilage r Vertrauliche Briefe. XII. — Ans Amerika. — Vermischtes. Leitende Artikel. Bonn) 16. Juni. Der Liberalismus und bas Zndenthum. in. Folgen wir einen Augenblick der gedachten Schrift. Der Verfasser erblickt in der Gleichstellung aller Staatsbürger einen Triumph unsrer Zeit. Auch habe die Gesellschaft ihren Nutzen daraus gezogen, wie „die Reihe wissenschaftlicher Namen zeigt, die auS dem Kreise der MU/'WvoH ' 'Hiermit" hat er seinem Gewissen als Anhänger deS liberalen PrincipS genügt, und mit jener Naivetät vieles Liberalen verwundert er sich, daß' die Jüden noch existiren,daßsie nichts nachdem sie die gleichen Rechte^ erlangt haben, verschwunden, sind. Diese Leute begreifen nicht, daß die Juden nicht so lange , Hi« i I - - Jutib mit so vieler Aufopferung nach der Gleichstellung gerungen haben, um aufzuhören, ihr Judenthum zu bekennen — sonst hätten sie eS ja viel leichter gehabt; sie begreifen nicht, daß die wahre Freiheit eben in der Freiheit zu existiren wie man will besieht, sobald man nur seinen bürgerlichen Pflichten vollständig genügt. Er wirst den Juden vor, „daß daS Sehnen, nach religiöser Reform, das so mächtig unseren Zeitgeist durchweht, im Allgemeinen an dem Judenthume wirkungslos abgleitet, so daß die für jedes andere Schlagwort der Zeit so empfänglichen Juden für die religiösen kaum ein Ohr zu haben scheinen, wenn sie rhre eigenen Institutionen betreffen. Vielleicht sind indeß auch hier die Formen nur äußerlich gewahrt, wie vielfach in den übrigen Confessionen, und dann mag eS darum sein, obwohl sich selbst in solchem Falle dieselben Bedenken erheben, wie gegen den römischen Katholicismus." — Was heißt das? Nichts anderes, als daß die Juden noch einige religiöse Eigenthümlichkeiten haben, die aus dem allgemeinen Brei des religiösen Mischmasch, wie er jetzt auf der Tafel Zahlloser steht, noch hervorragen, diese scheinen dem Verfasser so staatsgefährlich wie die Institutionen der katholischen Kirche. Nun, der Mann Heiß sehr wenig vom Judenthume und den Juden! Die Reform hat sich im Judenthume von innen heraus und im Geiste abfolvirt; sie schuf vor allem dem Einzelnen die religiöse Freiheit seines Bewußtseins und diesem gemäß zu leben; sie räumte nicht, wie die christliche Reformation des 16. Jahrhunderts, die äußerlichen Institutionen der Kirche hinweg, um sofort den Geist wieder in die Fesseln streng