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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-06-18 · Heft 25 (18.6.1872) · p. Seite 497

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 25 (18.6.1872)
Date
1872-06-18
Page
Seite 497 (sequence 17)
Language
German
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Feuilleton-Beilage zu Ar. 25. Leipzig, den 18. Juni 1872. ^Wer und was sind die Griechen? Ja der jüngsten Zeit hat sich niemand mehr als Feind der Juden erwiesen als die griechische Volksmasse. Wir meinen weniger das Volk des gegenwärtigen Königreichs Griechenland. Denn äußerst geringzählig in Athen und gar nicht vorhanden in den übrigen griechischen Städten, konnten die Juden vom athenischen Pöbel nicht verfolgt werden, dem die Lust hierzu nicht fehlte, wie er ein und das andere Mal Lei Verbrennung der Figur des Jschariot am Osterfeste erwiesen hat. Dagegen hat die griechische Regierung den Juden der ionischen Inseln die bürgerliche Gleichstellung gewährt, als ihr die Engländer diese Inseln überlieferten, und die Bewohner, namentlich Candia'S,. entsprachen bis jetzt dieser Gleichstellung. Auch dies wollen wir schon hier bemerken, daß die höchsten Würdenträger der griechischen Kirche sich wiederholt in acht religiösem Geiste betreffs der Juden benahmen, und in Odessa wie in Smyrna sich alle Mühe gaben, um den Mißhandlungen der Juden ein Ende zu machen. Damit steht freilich nicht im Wiverspruch, daß die niedere griechische Geistlichkeit den Pöbel gegen die Juden hetzt und fanatisirt. Die wiederholten Aufstände und blutigen Exceffe in Odessa, in Galatz, in Smyrna, Gallipoli und vielen Orten des OrienS seit drei Jahrzehnten rühren von der griechischen Volksmasse her und wurden von ihr mit Mord- und Raubsucht durchgeführt. Wo griechische Matrosen in einem Hafen landen und Juden begegnen, machen sie dieselben zum Gegenstand ihrer Verhöhnung und Mißhandlung, und wo sie sich in der Mehrzahl wissen, oder doch ohne Strafe zu bleiben glauben, da bedarf eS nur eines geringen Anlasses, um sie über die wehrlosen Juden. herfällen zu lassen. Die Griechen sind eS, die in den europäischen und asiatischen Ländern der Türkei den unverwüstlichen Haß, den abscheulichsten Aberglauben gegen die Juden hegen. Solchen, selbst. in den finstersten Aberglauben versunkenen und von Haß erfüllten Menschen wird es leicht, Andersgläubiges Werke der Finsterniß zuzutrauen, sie ihnen nachzusagen und sie um derartiger Phantome willen blutig zu verfolgen.... Denn das darf hierbei nicht außer- Acht gelassen werden, daß es kaum Brodneid ist, was in den türkischen Städten die Griechen gegen die Juden hetzte s Der Türke hat das Sprichwort: Ein Grieche betrügt vier Armenier, ein Armenier vier Juden, ein Jude vier Türken. Die Griechen und Armenier haben die Juden in Handel und Industrie selbst als Banquiers längst beseitigt; den wenigen reichen Juden gegenüber giebt es eine ungleich größere Zahl reicher Griechen, und die Mehrzahl der Juden ist in große Armuth versunken, und! zu kümmerlichem Hausiren genöthigt. Also Brodneid ' ist es nicht, aber Fanatismus, Rohheit, die Lust an anderen Böses zu verüben, weil man sie verachtet und sie zu schädigen für straflos hält. Wer und was sind nun diese Griechen, die, selbst fremden Herrschern unterthan, sich berechtigt glauben, den jüdischen Stamm zu verfolgen, der ihnen niemals' etwas zu Leide gethan, sich als Todfeinde ihm gegenüber zu stellen, der ihnen niemals eine feindliche Gesinnung erwiesen hat? . Wir haben hier eine Charakteristik der alten Hellenen und ihrer viel verzweigten Völkerschaften nicht zu geben. Erst gegen das Ende der biblischen Zeit treten sie in den engeren Gesichtskreis der Judäer. Richtig sind sie in der Völkertafel, welche das zehnte Capitel des ersten Buchs Moses aufstellt, benannt, nämlich vp Javan, einer der Söhne JaphethS, wie die Griechen 7awv, mit dem Djgamma aeolicura Javon, als Abkömmling des Japetos bezeichnten. Während der letzten Zeit deS ersten Tempels und des babylonischen Exils waren sie den Israeliten als ein Volk bekannt, welches auf den Markt von Tyrus Sklaven und. Kupfergeräthe' zum Verkauf bringt, aber auch von den Tyrern gefangene Israeliten erkauft, um sie nach fernen Ländern zu schaffen (Joel 4, 6. Jech. 27, 13.). Es ist daher nicht zu verwundern, wenn der ältere Sacharja (9, 13.) die Söhne Israels von Gott als Werkzeuge des Kampfes gegen die entfernten Völker und als deren Repräsentanten gegen die Javanim sendet, bei. dem zweiten Jesaias dagegen (66, 19.) Ge rettete auch Israel zu dem fernen Volke Javan gehen, um die Herrlichkeit Gottes unter ihnen zu verkünden. Die so den Israeliten als ein fernes Volk theils mit feindlichen Absichten und Handlungen, theils in einer zukünstigen Verbindung mehr benannten als bekannten

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