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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-06-18 · Heft 25 (18.6.1872) · p. Seite 485

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 25 (18.6.1872)
Date
1872-06-18
Page
Seite 485 (sequence 5)
Language
German
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unglücklichen und beklagenswerthen Brüder in Rumänien tief fühle., und jedem und allen unter ben ©entfernen, die zur Unterstützung dieser Sache aufgetreten wären, gebühre ihr wärmster Dank. Er fühle tiefes Bedauern, daß Lord HoughtoN, der sich zur Rede gemeldet habe, nicht im Stande gewesen sei zu kommen, durch einen rheumatischen Anfall behindert. Se. Lordschaft habe indeffen geschrieben, um seinen Abscheu gegen die Gewaltihätigkeiten auszudrücken, und gesagt, eS sei seltsam, daß ein Volk, welches das größte eigene Interesse besitze, seine Unabhängigkeit gegenüber mächtigen Nachbarn zu stärken, sich unfähig zeigte, seine Mitbürger gegen Pöbeltumult und innere Tyrannei zu schützen. Die Bischöfe von Peterborough und Exeter und der Decan von Westminster hätten gleichfalls Briefe mit dem Ausdruck ihres Bedauerns geschickt, nicht kommen zu können. Sir Francis lenkte dann die Aufmerksamkeit auf die Thatsache, daß seit der Verhandlung im Unterhause zwei von den fünf verurtheilten Personen in Freiheit, gesetzt worden seien, während drei sich noch im Gefängniß befinden, und diese drei hielt er für gerade so unschuldig wie die übrigen. Sie erklärten, ihre Berurtheilung wäre auf die durch Tortur ihnen erpreßten Aussagen begründet, die sie aber, sobald es'ihnen möglich war, zurückgezogen Hätten. Innerhalb der letzten wenigen Tage habe er einen Brief von einem Juden aus einem Dorfe Namens Ruman erhalten, in welchem dieser berichtete, daß die Bewohner den jüdischen Friedhof in einer furchtbaren Weise entweiht hätten. Sie hätten die Leichen herausgeworfen, die Gebeine zerbrochen, die Grabsteine zerschlagen und die Capelle bis auf den Grund zerstört. Die Juden an andern Orten feien auf ähnliche Weife behandelt worden. Er erwähne diese Dinge, um zu zeigen, daß die Nothwendigkeit: activen Einschreitens auf die eine oder die andere Weise sich nicht im geringsten vermindert hätte. Die einzige Schwierigkeit, die unsere Regierung empfände, sei, daß Rußland nicht dieselbe Antwort wie die andern Großmächte gegeben habe, aber wenn die übrigen Regierungen entschlossen seien, sich einer gemeinschaftlichen Vorstellung an die rumänische Regierung anzuschließen, so könnten sie sicher der Beihülfe Rußlands entrathen und selbst Maßregeln ergreifen. Wenn Rußland sich entfernt hielte, werde es gebrandmarkt werden als Helfershelfer der rumänischen Regierung in den von dieser begangenen Gewaltthätigkeiten. Er hoffe, daß die europäischen Regierungen Vorgehen und seine Glaubensgenossen schützen würden, und daß alle Financiers in England ihr Ohr allen Ansuchen verschließen würden, die von Rumänien ausgingen, wenn nicht schnelle Abhülfe und Schutz für die Zukunft gegeben würden. (Beifall.) Baron Alfred von Rothschild befürwortet die Resolution, indem er betont, daß jedesmal, wenn irgend eine große Bewegung sei es für politische sei eS für wohlthätige Zwecke stattfindet, nichts so sicher ihren Erfolg verbürgen könne, als eine Versammlung in den gastlichen Räumen des Stadthauses. Er sei sicher, daß die beredten Reden, die sie gehört hätten, England allerorts dürchtönen und daß die Engländer alles, was in ihrer Macht stehe, anwenden würden, um den beklagenswerthen Miffethaten Abhülse zu verschaffen. Der Lord - Mayor antwortete und bedauerte, daß Sir Moses Montefiore durch physisches Leiden am Erscheinen verhindert worden sei. Dann trennte sich die Versammlung. Ein Telegramm aus London vom 7. Juni berichtet Folgendes: „Lord Granville empfing gestern eine Deputation zu Gunsten der rumänischen Juden und antwortete derselben: Die Regierung habe mit den Schutzmächten correspondirt; Rußland, welches früher den Anschluß an einen Collectivschritt verweigert habe, weigere sich nicht, eine Art Protest zu erheben. Granville wünscht ernstlich, daß den Judenverfolgungen ein Ende gemacht werde." Erfreulich ist eS, hieraus zu entnehmen, daß die Bemühungen der Schutzmächte noch nicht sistirt sind, daß sie zunächst einen abermaligen Protest erheben wollen und daß Rußland sich diesem anfchließen will. Die Judenverfolgungen im Orient, m. Wohl noch niemals hat sich unter den westeuropäischen Juden der Eifer, den Verfolgungen im Oriente kräftig entgegenzutreten, so thätig gezeigt wie jetzt. Eine Menge von Circulären und Druckschriften kommt uns täglich zu> und wenn der Erfolg nur irgend den Strömen von Tinte und Druckerschwärze entspricht, werden wir mit Befriedigung auf den Kampf und dessen Resultat blicken können. Man vergesse nicht, daß dieser Kampf auch hier nicht blos für die Juden, sondern für die Völker selbst geführt wird, deren Gesittung und politische Stellung von der in ihrem Schoße geübten Rechtspflege, von der

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