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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-06-11 · Heft 24 (11.6.1872) · p. Seite 480

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 24 (11.6.1872)
Date
1872-06-11
Page
Seite 480 (sequence 20)
Language
German
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dessen Stellvertreters im Namen des Landesausschusses die Cultusgemeinde zum heutigen Freudentage und ladet die Versammlung zu einem dreifachen Hoch auf die Verfassung und die Staatsgrundgesetze ein, worauf Herr Bürgermeister >D r o u o t unter Hinweis auf das Wohlwollen, welchem die Interessen der israelitischen Bewohner von Linz bei der Gemeindevertretung der Landeshauptstadt stets begegneten und auch fernerhin begegnen werden, der nunmehr auf eigenem Grund und Boden stehenden israelitischen Religionsschule ein Hoch widmet. Herr vr. Stern richtete an die anwesenden Schüler und Schülerinnen einige vom Herzen kommende und zum Herzen gehende Worte der Ermahnung zur Sittlichkeit, zum Gehorsam und zu patriotisch-werkthätiger Gesinnungstüchtigkeit, worauf die Schülerin Regina Gans im Namen'der Schüler unter lebhaftem Beifalle eine entsprechende Dankrede hielt. Das Ausschußmitglied der Cultusgemeinde, Herr Moritz Spitz, überreichte dem 'Religionslehrer vr. Stern auf einem Sammtpolster die auf dessen Lehramt Bezug nehmenden Insignien und Acten, worauf die Feier nach Absingen eines Liedes, betitelt „die Schule ein Paradies" und der Volkshymne von Seiten der Schuljugend um 12 Uhr Mittags ihren würdigen Abschluß fand. Vermischtes. Der bekannte Kritiker auf dem musikalischen Gebiete, E. Hanslik, bemerkt in einem Bericht über ein von Richard Wagner geleitetes Concert, welches Glück dieser Componist habe: „Zuerst wüthet er gegen alle Monarchen: ein großmüthiger König kommt ihm mit schwärmerischer Liebe entgegen und bereitet ihm eine sorgenfreie, ja glänzende Existenz. Dann schreibt er ein Pasquill gegen die Juden: das „Judenthum" in und außerhalb der Musik huldigt ihm nur um so eifriger durch Journalkritiken und Ankauf von baireuther Promessen" (zum Baueines Wagnertheaters, auf welchem ausschließlich die Nibelungen und andere Opern Wagners ausgeführt werden sollen). Wenn es wahr ist, was hier der einsichtsvolle Kritiker von Juden erzählt, und wir haben kein Recht, eS zu bezweifeln, so müssen wir hierbei in den Juden, die das ungeheuerliche Unternehmen Wagners mit ihrem Gelde unterstützen, jenen Mangel an Selbstgefühl erkennen, der sich vergebens mit einem gewissen KoSmopolitismus zu decken sucht, und doch nichts weiter ist als daS Fehlen jeder Selbstachtung. Wenn diese Juden übrigens Richard Wagner damit beweisen wollen , daß die Juden doch noch nichts ganz für die Musik verloren seien, so kommt es uns vor, als ob sie vielmehr das Gegentheil bewiesen. Welche sonderbare Welt übrigens, diese moderne! Beethoven hat man verhungern lassen, daß er noch in seinen letzten Tagen bei den Engländern um ein Almosen betteln mußte, und einem Richard Wagner baut man mit vielen Tausenden ein. eigenes Theater, weil seine Oper (die Nibelungen^ sonst gar nicht aufgeführt werden kann. Der demokratische Componist hat Extravaganzen geschaffen, welche nur für eine Elite von extravaganten Kunstliebhabern im Schweiße des Angesichts zusammen geschmiedet sind. Richard Wagner, der auf alle Welt los geschimpft hat und dem dennoch so Erstaunliches gespendet wird, beweist abermals, daß Anmaßung und Frechheit, sobald sie nur nicht ohne alles Talent sind, am besten durch die Welt kommen und diese, wenn auch nur zeitweise, beherrschen. Wir haben dies an mehreren Beispielen schon erlebt. Goethe sagt: „der Bescheidene ist ein Lump;" uns scheint, er hätte sagen müssen, der Bescheidene bleibt ein Lump! , Der „Pester Lloyd" enthält in einem Wiener Briefe folgende Stelle, die nach zwei Seiten hin interessant, ist. Es ist die Rede von dem Leichenbegängnisse Moritz Hartmanns: „Vielleicht gelangt auch Cantor Sulzerdurch die Veröffentlichung seines* Schmerzes zu seinem Rechte. Er hat ihn uns beim Leichenbegängnisse Hartmanns vorgeweint, wobei er die Geistlichkeit zu vertreten hatte, da die Gattin des verewigten Dichters eine andere geistliche Assistenz nicht dulden wollte. Es wurde darum am Grabe Hartmanns auch keine geistliche Rede gehalten, nur die beiden Freunde Ko mp ert und Ko lisch sprachen, ehe der Dichter beerdigt wurde. Und der greise Cantor Sulzer mit seiner noch immer markig tönenden Stimme und der wiener Männergesangverein mit dem trefflichen Dumba an der Spitze sangen ihm die Grabeslieder. Davon ward es dem wackern Vorbetergreise gar weich um's Herz, und er schüttete es im Heimwege vor einem Organe der öffentlichen Meinung ganz und gar aus. Baron Springer, klagte er, habe ihm im Bade Ischl, als er dort im Spätsommer dessen Sohn mit der Baronesse Königswarter zusammengegeben, ein Haus versprochen, und nun warte er, Herr Sulzer, die Tage und die Nächte auf die Erfüllung des Versprechens, allein es wolle sich nichts erfüllen. „Alt wie Methusalem soll ich werden, bis ein Stein von dem Hause stehen wird; mir scheint Mit dem Hause, das er mir versprochen hat, hat er mein Grab gemeint." So sang der Nestor mit klagender Stimme." Verlag von Banmgartner'S Buchhandlung in Leipzig. — Druck von 3. ». Hirschfeld. Verantwortlicher Redacteur IPbv H. Loge

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