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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-06-11 · Heft 24 (11.6.1872) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 24 (11.6.1872)
Date
1872-06-11
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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3«.'JHrganj,. Allgemeine 24. Zeitung -es Zn-enthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Jntereffe. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig PhMppson in Bonn. Leipzig, den 11. Knni 1872. ^Uvt wöchenüich einmal Dienstags, in 2 ms 21/s Bogen. Preis des Jahrgangs 4 Thlr. Halbiäbrig 2 Mr. Merteljährig 4 Thlr. mit 2 Rar. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und ZeitungS-Expeditionen nehmen Bestel» ' lungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich das König!. Sachs. Haupt-ZeitungS-Bureau unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Zwei Aufforderungen und was sie bedeuten. — Der Liberalismus und das Judenchum. H. Zeitungsnachrichtenr Deutschland: Leipzig, Leobschütz, Bonn, Aus Würtemberg. — Oester reicht sch-ungarische-Monarchie: Wien, Triest. — Großbritan- . nien: London. — Italien: Rom. — Türkei: Lon- : . dou.H- Donaufürstenthümer: Braila. — Amerika: Berlin. . Feuilleton - Beilage r Die Monatstage des Kalenderjahres, ein: Andenken an Hingeschiedene. --- Correspondenz. — Vermischtest - Leitende Artikel. Bonn, 2. Juni. Zwei Aufforderungen und was sie bedeuten. ES sind nicht immer die sichtbaren Resultate eines Kampfes, es ist nicht immer der Sieg selbst, welche den eigentlichen Werth, den wahren Zustand des Kämpfers und-Siegers erkennbar machen. Das Wort: „Noch ein solcher Sieg und wir sind verloren", wie es Pyrrhus auf sich, Peter der Große nach der Schlacht bei Narwa auf seinen Gegner anwandte , hat einen Liefern Sinn, und lehrt, daß bisweilen der Sieger nicht sowohl durch die, eigene Kraft, als vielmehr durch die Erschöpfung aller. seiner Kraft ^den Sieg errungen hat.'und daß vef dMr zweifelhaft, sei,: welche Hoffnungen an den.erlangten Sieg ' ^geknüpft ^verd^ndürftn. . , > Was auch hier und da noch vorgehe, hier und da mehr oder weniger vollständig sich erfülle: gewiß ist eS, daß in der civilisirten Welt die Gewiffensfteiheit, die Rechtsgleichheit ohne Berücksichtigung der Confession ein unerschütterliches..Fundament der Gesellschaft geworden ist, und daß wir Juden nach langen Kämpfen uns in dieser Beziehung des vollständigen Sieges erstellen können. Je mehr aber dies der Fall ist, desto eher tritt die Frage an uns heran: welcher ist der wahrhafte Werth , den wir am Morgen nach diesem Siege besitzen? Wenn es gewiß ist, daß wir zwar unfern redlichen Theil an dem Siege jenes großen Princips gehabt haben, daß er aber im Ganzen doch nur durch die Völker selbst, durch die Entwickelung des Rechtsbewußtseins und des Gefühls der wahren Freiheit in ihnen gewonnen worden ist: so dürfen wir uns, schon um der Selbsterkenntniß willen, der Frage nicht entziehen: was sind wir werth? und wie sind wir aus den bestandenen Kämpfen hervorgegangen? Diese Frage wird uns nach verschiedenen Richtungen hin und bei mannichfaltigen Gelegenheiten näher treten. Wer ^unzweifelhaft wird sie nicht mit Worten zu lösen sein, mit Worten, durch welche leicht alles beschönigt oder alles gelästert werden kann — also nicht mit Worten, sondern allein mit Thaten. Zwei Veranlassungen sind es nun, welche in der allernächsten - Zeit ein Helles-Licht auf die Zustände, auf Gesinnung und Beschaffenheit in unsrer Mitte werfen werden. Zwei Aufforderungen sind erstoffen, und die Art, wie denselben entsprochen wird, muß.uns über uns selbst Aufklärung,,.bringen. Die

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