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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-06-04 · Heft 23 (4.6.1872) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 23 (4.6.1872)
Date
1872-06-04
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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3«. Jahrgang. Allgemeine . L3.^ L)^ *v**y*****^ Ein ■ unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. : > v HeranSgeg eben von .. V Rabbiner vr. Ludwig Philipps»« i« Don«. Leipzig, den 4. 3um 1872. Diese Zeiümg erscheint wöchentlich einmal Dienstags, in 2 bis 2'/,!Bogen.> PEdeS ZabraangS ä^hlr. H-lbMrig 2 Thlr MertclsKhrig 1 Tblr. Jvserme We3>e» mit 2^-Nar. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und AeitungS-Expedikone» nehmen Brstel- . lungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat fich das König!. Sachs. Haupt-ZeitLlgS-Burecm unterzogen. Inhalt. Leitende Antike! r Der Liberalismus und das Anden- ' thuru. l. — Die Judenverfolgungen im Orient.!I. Zeitun-Snachrichten r Deutschland: Berlin, Vom Rheine. — Oesterreichisch - ungarische Monarchie: Wien, Linz. — Asien: Smyrna. — Donaufürste nt hüm er: Bukarest. — Nachtrag: Berlin. Feuilleton - Beilage r -Vertrauliche Briefe. XI. — Vermischtes. meiien bt Artikel. Bonn, 26. Mai. Der Liberalismus und Las Iu-erührrm. .. . , -r; I. Daß die socialen und politischen Grundsätze und Lehren des Judenthums mit denen des modernen Liberalismus übereinstimmen, ja in manchen Beziehungen noch deren Vorbilder sein können, haben wir so oft ausgesprochen und nachgewiesen, daß wir des weiteren hierüber wohl überhoben sind. Die Stellung, welche die Juden factisch einnehmen, und die ihnen ihre Feinde täglich von neuem bereiten, macht sie auch praktisch zu Verbündeten der großen liberalen Partei. Hiermit ist aber durchaus nicht gesagt, daß Judenthum und Jndenheit nunmehr mit der liberalen Partei, überhaupt mit irgend einer zeitlichen Partei identisch seien. Wir können dies auch von uns persönlich auSsagen, die wir unS weder vor noch nach 1848 irgend einer politischen oder socialen Partei in die Arme geworfen haben, sondern uns stets selbstständig, unabhängig, die großen Ziele der humanen, civilisatorifchen, liberalen Entwicklung im Auge hakend, verhielten. Wir wußten wohl, daß wir unS hierdurch bei keiner besonderen Partei insinmrten; aber dieS bezweckten wir auch nicht. Wir vermochten deshalb auch die Fehler der liberalen Partei klar zu schauen und, so viel eS an unS war, zu bezeichnen. Mit Recht wendet man den kirchlichen Fanatikern ein, daß sie Kirche und Religion identificiren, und hierdurch die letztere oft am tiefsten verwunden, wenn sie der ersteren zu Macht und Ansehen verhelfen wollen. Bei den Liberalen findet derselbe Jrrthum statt, und indem sie Religion und Kirche verwechseln, befeinden sie die Religion, während sie die Kirche machtlos machen wollen. Nicht als ob die liberale Partei zu einem großen Theile der Religion abgestorben sei; da aber in allen menschlichen Kreisen jedes innerliche Moment auch' in die Erscheinung treten, auch einen äußeren Ausdruck finden muß und durch diesen jenes genährt und entfaltet wird, so ist eS ein sonderbares Schauspiel, jeder religiösen Gestaltung oder deren Fortbestand den Krieg erklärt zu sehen, während man der Religion nicht abhold zu sein vorgiebt. Hierzu kommt noch ein Gestchtspunct. Der deutsche Liberalismus kann noch heute seinen geschichtlichen Ursprung aus dem französischen nicht verlaugnen, und trägt

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