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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-05-21 · Heft 21 (21.5.1872) · p. Seite 424

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 21 (21.5.1872)
Date
1872-05-21
Page
Seite 424 (sequence 20)
Language
German
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Korrespondenz. Ferrara, 25. April. Aus einer Stadt, die in der Geschichte, des Judenchums keine unrühmliche Rolle gespielt hat, sende ich Ihnen aus der Gazzetta Ferrarese einen Artikel, den Sie in Ihrer Zeitung mitzutheilen wohl für angemessen finden werden. (Sr lautet: Der Gebrauch, den Nachkommen die Namen derer zu verzeichnen, die in irgend einem Zweige des menschlichen Wissens die höchste Stufe erreicht oder sich für das Wohl der Menschheit geopfert haben, wird in dem wieder erstandenen Italien in lobenswerther Weise befolgt. Auch unser Ferrara hat schon in dieser Hinsicht die Namen des Dichters Ariosi und des Märtyrers der Freiheit, Savonarola, gekennzeichnet. Heute nun wurde durch die Fürsorge einiger Mitbürger eine Inschrift auf einer Märmortafel zum Andenken des berühmten Ferraresen Isaak Lampronti über der Thür des Hauses, welches er einst bewohnte, angebracht (Via Vigna Tagliata No. 33.). Weil aber Lampronti seine Berühmtheit in einem Zweige der Wissenschaft erwarb, der den heutigen Italienern wenig vertraut ist, so wird es vielleicht von Nutzen sein, für diejenigen, welche die Verdienste ihres berühmten Mitbürgers nicht kennen, eine biographische Skizze desselben zu geben. Isaak Lampronti wurde 1679 geboren, studirte Medicin und Philosophie auf der Universität Padua, und Theologie ebenfalls in Padua, später in Mantua. In seine Vaterstadt zurückgekehrt, übte er dort mit vielen Ehren die Heilkunst aus, vertiefte sich in die theologischjuristischen DiSciplinen und hinterließ als Denkmal 'seines unermeßlichen Wissens und seines mächtigen Geistes eine vollständige „Encyclopädie des talmudischen Rechtes", welche mit Bewunderung von den gelehrten Italienern und Ausländern ausgenommen wurde. Die ersten Bande dieses kolossalen Werkes erschienen in Italien und die Bibliothek unserer Stadt ist in Besitz von Exemplaren derselben. . Im Jahre 1840 wurde das werthvolle Manuscript vom König der Franzosen, Ludwig Philipp, erworben, und einige Jahre daraus erhielt eine Gesellschaft von gelehrten Deutschen, welche die Wichtigkeit der Arbeit begriffen , die Erlaubnis, den Druck in der Stadt Lyck in Preußen zu vollenden. Die schwierige Besorgung desselben wurde dem bedeutenden Publicisten und Schriftsteller, Herrn L. Silbermann, anvertraut, welcher gegenwärtig mit der Herausgabe des letzten Theiles beschäftigt ist. Es war also nur Sache der Gerechtigkeit, daß während das gelehrte Deutschland unserem Lampronti so viele Beweise der Werthschätzung und Hochachtung giebt, auch, seine Vaterstadt seinen Namen erewigte; und indem wir mit Vergnügen Act von dieser pflichtgemäßen Huldigung nehmen, drücken wir die Hoffnung aus, daß das heute von einigen. unserer Mitbürger zu Ehren der Wissenschaft gegebene Beispiel bald für andere wissenschaftliche, literarische oder philosophische Berühmtheiten nachgeahmt werde, deren Mutter unser Ferrara gewesen ist, denn die Ehrenbezeugung, die man bedeutenden Männern erweist, ist ein Zeichen hervorragender Cultur. Folgendes ist die Übersetzung der oben erwähnten Inschrift: In. diesem Hanse wohnte Isaak Lampronti Geboren 1679, gestorben 1756. Arzt, Theolog, Unter den Gelehrten einer der berühmtesten, War er eine Zierde seines Vaterlandes. Der Wissenschaft huldigend. * Stifteten diese Denktafel mehrere Bürger - 1872. Vermischtes. In der „Gesellschaft für Erdkunde" zu B erlin hielt in der Sitzung vom 6. April Herr Wetzstein einen Vortrag über die Süd g ranze Palast in a's, deren Zug er an einer eigens dafür construirteu Karte veranschaulichte. Diese Gränze war zeither unbestimmbar, weil man nur die Enden derselben, das Arabathal im Osten und den „Bach von Aegypten" im Westen kannte, wahrend die Lage aller dazwischen liegenden Punete der Gränzlinie unbekannt war. Diese sind nach Jos. 15, 1—4: die Südecke der Zinwüste, der Akrabbimpaß, das Zin, Kades Barnea, Hezron, Addar, Karka uno Azmon. Den wichtigsten dreser Punete, Kades Barnea, wollte vor 20 Jahren der Engländer Rowlands an der Straße von Hebron nach dem Sinai entdeckt haben, und da die deutschen Archäologen die Unmöglichkeit dieser Läge behaupteten, sendete die Palestine Exploration Society vor zwei Jahren die Ingenieure P. Palmer und Tyrwhitt Drake zur wiederholten Erforschung der Wüste Pharan aus. Der Bericht dieser Männer wurde im vorigen Jahre im Journal der genannten Gesellschaft veröffentlicht und bestätigte Rowlands'Entdeckung. Der Vortragende zeigte nun, daß uns dieser entdeckte Ort langst durch den vor 65 Jahren dort gewesenen deutschen Reisenden Ulrich Seetzen bekannt, daß er aber nicht das berühmte Kades Barnea, sondern ein im Stammgebiete Simeons gelegenes Städtchen Kedes (Jos. 15, 23) sei; wogegen er aus einer vor 900 Jahren in Jerusalem publicirten geographischen Schrift des Muhamlned el-Makdist «die einzige in Europa befindliche über 600 Jahre alte Handschrift dieses Werkes ist im Besitze der königlichen Bibliothek in Berlin) nachwies, daß Kades Barnea an der Straße von Hebron nach,Aila, am sogenannten Südpasse, c. 11 Stunden von Hebron und 10 Stunden westlich von Zoar im nördlichsten Theile der Wüste Pharan liege. Nachdem einmal die Position von Kades Barnea gesichert war, ließen sich mit Hilfe der Terrainbeschreibung Palmers, Robinsons u. a. auch die übrigen, zum Theil noch die antiken Namen tragenden Gränzpunkte, namentlich die Gebirgszüge Zin, Hezron und Azmon, desgl. der Akrabbimpaß und das über 6 Qu.-M. große Karkabecken ohne Schwierigkeit bestimmen. Der Vortragende schloß' mit einer Schilderung des in jener Gegend ergreifenden Contrastes der mit schwarzen Feuersteinen bedeckten Wustenfläche und der weißen aus ihr emporstarrenden Kreideberge. Verlag von Bannigartner'S Buchhandlung in Leipzig. — Druck von Z. B. Hixfchs-ld» Berantwortliche<Redaeteur I»*». H. Lotze.

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