Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 21 (21.5.1872)
- Date
- 1872-05-21
- Page
- Seite 421 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Zeitung des Zudenthmns. FeMeton-Gerlage zu Nr. 81. Leipzig, den 21. Mai 1872. Ueder den Nachdruck bei den Juden. Mit Vergnügen las ich im Feuilleton zu Nr. 18 Ihre ebenso gerechte wie. kräftige Abwehr gegen die Preßzustände in Amerika, und Ihre Worte: „Hier aber gilt es unsre amerikanischen Brüder auf eine Pflicht aufmerksam zu machen", werden gewiß den besten Erfolg haben. Unsre Glaubensgenoffen in Amerika werden sich von dem Einflüsse des dort zu Lande heimischen Humbugs und Customs gewiß los machen und wahrhaft jüdische Bildungs- und Wohlthätigkeitsanstalten weder auf Kosten anderer, noch durch Vergnügen und Genüsse angespornt, sondern im reinen biblisch-jüdischen Sinne begründen. - Sie erlauben mir aber auck hinsichtlich des Nachdrucks Belege anzuführen, wie das Iudenthum zu einer Zeit, wo es weder Orthodoxe noch Reformer und auch keinen Gemeindetag gab, sich viel mehr von diesem Verbrechen ferngehalten hat. Hier ist die buchstäblich getreue. Abschrift eines Artikelsaus einem im Jahre 1839 in Breslau bei Hirsch Sulzbach gedruckten Anhangs zum . hebräischen Ca len der. ' Ueber Nachdruck. „Es ist wohl kaum moralisch eine größere Schändlichkeit denkbar, als der Nachdruck. Dasjenige, worüber ein Mensch Jahre lang gearbeitet, womit er sich abgemüht, wonach er geforscht hat, wird ihm nun, da' er endlich die-noch sehr zweifelhaften Früchte davon genießen will, von einem gewissenlosen Räuber, gegen den bisher nicht einmal die Gesetze in Anspruchzu nehmen waren, aus den Händen gespielt. Freuen muß man sich dessen, daß in ganz neuer Zeit in unsrem lieben Vaterlande stark gegen diesen geistigen Meuchelmord eingeschritten wird; mit größerer. Freude aber noch darf der Jude sich zurufen: ,Me habe ich meine Hände mit diesem Unrecht besudelt! bei uns ist es nicht gesehen; worden!" — Sobald einer auch nur ein schon früher erschienenes altes Werk selbst unverändert wieder abdrucken wollte — ich erinnere an die vielen bei Proops in Amsterdam erschienenen Auflagen alter seltener Werke -—so bedurfte eS blos der und des tnn eines Rabbiners, um ihn für eine näher bestimmte mehrjährige Frist gegen Nachdruck zu sichern. Wäre auch mancher einzelne schlecht gewesen und hätte danach nicht gefragt und ein solches Werk neu aufgelegt, so hätte ihm seine Niederträchtigkeit eher geschadet als genützt, da die Gesawmtheit, das jüdische Volk, zu gewissenhaft war um ein solches Buch, wenn auch für die Hälfte des Preises der rechtmäßigen Ausgabe, zu kaufen. Vou diesem wahrhaft hohen moralischen Gefühle der Juden nur einen Beweis! Während die privilegirten wiener Nachdrucker keinen einzigen deutschen Schriftsteller von Werth unbestohlen. ließen — wir erinnern nur an die zahllosen Nachdrücke von Schillers sämmtlichen Werken — da sie bei vem deutschen Publicum auf willige Diebeshehlerei rechnen konnten, wenn sie nur billiger als die rechtmäßigen Eigenthümer oder die ihre Stelle vertretenden Verleger verkauften, wollte es der Schmid'schen Druckerei, die einen Nachdruck der von Heidenheim übersetzten tn-rm?: vornahm, dabei nicht so gut werden , da sie keine Abnahme bei den Juden fand. Sie sah sich endlich gezwungen, nachdem sie viele Mittel vergebens versucht hatte, — worunter auch dieses, daß man den damaligen Oberlandesrabbiner m Oesterreich, Rabbiner M. Benedict, zu einer Empfehlung des Nachdruckes nöthigen wollte — einen Vertrag mit W. Heidenheims mittlerweile ausgetretenem Theilnehmer Baschwitz, dessen Name in den früheren mösöft mit Heideuheim zusammen genannt war, und der mithin ein wirkliches Anrecht an den Vertrag hatte, zu schließen, wonach er ihr sein Recht, die auflegen zu dürfen, käuflich überließ. Möge man diese hier erzählte Thalsache nicht für Eigenlob halten; das soll es wahrlich nicht fein; doch, kommt es vor, daß selbst zuweilen Juden, wenn sie so viele schwere Anklagen gegen ihr Glaubensgenossen hören, worunter die des Betruges zumeist oben an steht, diese manchmal selbst für die niedriger stehende Elaffe zugestehen und mit den drückenden Verhältnissen entschuldigen wollen; — für diese erzähleich obigesum ihnen zu zeigen, daß es Gott sei Dank nicht der Fall ist. ,Der wahrhaft Fromme erlaubt , sich in keiner . Lage und in keinem Verhältnisse irgend einen Betrug." - E—n.