Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 21 (21.5.1872)
- Date
- 1872-05-21
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3226852-3226874--30625-3253510- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. 'Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippfon in Bonn. Leipzig, den 21. Mai 1872. Diese Zeitung erscheint wöchenüich einmal Dienstag-, in 2 bis Inserate werden mit 2 Rgr. für die Petitzeile oder deren Raum _ lungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat >en. Preis des Jahrgangs 4 Thlr. Alle Buchhandlungen, Postämter und das König!. Sachs. Haupt-ZeitungS-"' . 2 Thlr. Vierteljährig 1 Thlr. ,gS-Expeditionen nehmen Besterunterzogen. Inhalt. Leitende AEkelr Aus Berlin.. — Die Judenverfolgungen im Orient.'— Literarischer Wochenbericht: Gr. Becskerek. . Zeitungsnachrichten r D eu t s ch l a n d: Berlin, Aus Würtemberg,: Oels. — Oesterreichisch-ungarische Monarchie: Lemberg, Prag. — Asien: Smyrna. — Türkei: Konstantinopel. — Donanfürstenthümer: Bukarest. — Nordamerika: Chicago. — Nachtrag: Berlin. Feuilleton - Beilage r Ueber den Nachdruck bei den Juden. — Eine amerikanische Tischrede. — Zum Börsenwesen in Altberlin. — Correspondenz. — Vermischtes, Leitende Avtik el. Bonn, 12. Mai. Aus Serlm. Während unseres Aufenthaltes in Berlin kamen uns folgende zwei Zuschriften zu, die wir ohne weiteres hier wiedergeben, wenn auch die Gegenstände, die sie besprechen, sehr fern von einander liegen. Berlin, den 5. Mai. „Es ist sehr bemerkenswerth, welche Veränderungen in der socialen Welt unserer Zeit vor sich gehen , die allerdings am ehesten in den großen Mittelpuncten der Civilisation zu beobachten sind, und jedenfalls sehr bedeutende Einflüsse auf die Gestaltung der nächsten Zukunft üben werden. Sie haben zu oft erwiesen, daß es nothwendig ist, den Blick aus die allgemeinen menschlichen Verhältnisse gerichtet zu halten, um nicht derartigen. Bemerkungen Raum zu gönnen. Eine Menge Thatsachen zeigen in überraschender Weise, wie sich die Verhältnisse der verschiedenen Lebensalter, namentlich in der industriellen Welt, völlig geändert haben. Viele junge Leute, die erst mehr oder weniger das zwanzigste Lebensjahr überschritten haben, machen so schnell eine Carriöre, wie sie sowohl an Einfluß als an financieller Ausstattung in früherer Zeit kaum die eminentesten Männer im späteren Lebensalter erreichen konnten. Anstellungen im Finanzfache und bei industriellen Unternehmungen mit einem Gehalte und Gewinn von etwa 3—10,000 Thalern jährlich für solche junge Männer kommen.sehr häufig vor. Hierin und in anderen Erscheinungen, wie z. B. daß Jünglinge von 22—25 Jahren Vertreter und Bevollmächtigte von Häusern sind, welche über Millionen disponiren, von Häusern, welche zu den ältesten und geachtetsten Firmen gehören, liegt ausgesprochen , daß ' man der Jugend gegenwärtig ein Vertrauen schenkt, wie es früher erst nach langer Probezeit in den Mannesjahren und noch später gewährt wurde. Man traut also der Jugend Besonnenheit, Selbstbeherrschung und Charakterfestigkeit in einem so ausgedehnten Maße zu, wie man sie früher kaum den in den Stürmen des Lebens ergrauten Männern zuschreiben zu können glaubte. Vielleicht ist dies aber nicht so sehr der Fall, als vielmehr, daß in den gegenwärtigen Bewegungen der financiellen Welt die Energie, der frische Muth, die rücksichtsZ, lose Initiative, Eigenschaften, welche bei der Jugend mehr als bei dem zögernden Alter gefunden werden, vorzugsweise sich geltend machen. Wie dem auch sei,