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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-05-14 · Heft 20 (14.5.1872) · p. Seite 401

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 20 (14.5.1872)
Date
1872-05-14
Page
Seite 401 (sequence 17)
Language
German
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Feuilleton-Beilage zu Nr. 20. Leipzig, den 14. Mai 1872. Z» deo Garten! Hohe Berge zu ersteigen , um von ihren Gipfeln in die mannichfachen Gruppen und Gestatten des Gebirges und über weitgestreckte Ebenen zu schauen; durch verborgene, heimlicke, von Felswänden begränzte Thäler zu schreiten; mächtige Ströme in ihrem Lause zu verfolgen bis an das unübersehbare Meer, das seinen Wellenschlag ununterbrochen heranführt gleich wie die Ewigkeit den Auf- und Niedergang der Zeiten; durch üppige Fluren und schattige Wälder zu wandern und von der Spitze eines Hügels auf Städte, Dörfer und die hingestreuten Menschenwohnungen zu blicken — wie erweitert dies den Geist, wie erhebt es das Herz! Aber das Verlangen und das Bedürfniß treibt den Menschen immer wieder nach der Heimath, in des Hauses Beschränkung, in das enge Gemach. Da bewahrt er sich denn hinter seinem Hause ein Fleckchen Erde, wo er doch etwas mit der Natur in unmittelbarer Berührung bleiben, wo er, wenn auch nicht die Größe und Herrlichkeit, doch die Anmuth und die Reize der Natur gewahren und genießen kann. Wie schön, wie erquickend, wenn der Lenz die höhen Bäume mit lichtgrünem Laube, die Obstbäume mit der Blüthenfülle bekleidet hat, wenn die Sträucher voll von Blätterwerk, die Rasenstücke voll von üppigem Rasen, die Blumenbeete voll von hervorbrechenden Knospen sind, wenn die Luft lind und würzig durch die bewegten Zweige und Kronen zieht, wenn die Nachtigall aus dichtem Gebüsch oder vom Zweige herab ihre sanft klingenden Weisen erschallm läßt — da rufen wir uns zu : In den Garten! Unsere Väter im verheißenen und mit den Waffen eroberten Lande waren überaus große Freunde der Gärten. Beginnt doch die heilige Schrift mit der Schilderung eines Gartens, wo „allerlei Bäume anumthig zum Schauen und gut zum Essen waren", wohin die ersten Menschen verpflanzt, und von wo sie in Folge ihres ersten Fehltrittes verjagt wurden. Die Sehnsucht dahin verblieb dem Menschen, und noch der Prophet Ezechiel weist immer wieder auf diesen Garten in Eden hin (28, 13. 31, 8. 9. 36, 35). „Wie ein Garten des Ewigen" ist daher ein beliebtes Gleichniß (1 Mos. 13, io.), und darin wird Wonne und Freude gefunden (Jesaias 51, 3.). Die Lager Israels, wie sie in Menge und Ordnung sich weithin erstreckten, können daher nicht besser geschildert werden als mit den Worten: „Sie dehnen sich wie Gärten am Strome" (4 Mös. 24, 6.). Besonders war der Garten erfreulich, wenn er reichlich gewässert war, wenn ein Quell durch ihn hinrieselte (Jesaias 1, 30. 58, 11. Hoheslied 14, 15.), und solch gewässertem Garten wird die freudeerfüllte Seele , verglichen (Jeremias 31, 12.). Das sind die Gärten, von denen Jesaias sagt: „Ihr liebet sie" (1, 29.), und Amos (4, 9.), daß ihrer viele sind. Wird doch selbst die Gerechtigkeit Gottes mit einem Garten verglichen, der seine Saaten sprießen läßt (Jesaias 61, 11.). Könnten wir ja auch unsere Überschrift der Schrift entlehnt haben , denn im Hohenlieds (5, 1.) heißt es: „Ich komme in meinen Garten, ich pflücke meine Myrrhe sammt Gewürz", und (6, 2.): „Mein Freund ging hinab in seinen Garten zu den Balsambeeten, um Lilien zu sammeln", und (B. 11): „Ich war hinab zum Nußgarten gegangen, zu schauen auf des Thales Grün, zu schauen, ob die Rebe sproßt, ob die Granaten blühen." Wie lieblich klingt eS uns an, wenn (4, 16.) ausgerufen wird: „Nord, durchwehe meinen Garten, daß seine Würze strömen!" Da giebt denn auch die Fülle der Vegetation manch sinniges Gleichniß ab, und Hiob (8, 16.) vergleicht den üppig schwelgenden Mann mit einem Garten, über den hinaus „sein Gesproß ranket." Jndeß nicht alle Gärten, wohl nicht einmal der größere Theil waren für solche Genüsse geschaffen, sondern viele nur „Kraut- und Gemüsegärten" (5 Mos. 11, 10). Will doch Ahab den Weinberg Naboths zum Gemüsegarten machen (1 Kön. 21, 2.). — Es war daher natürlich, daß die Könige ganz besonders sich große Gärten anlegten, dicht bei Jerusalem, wie in den übrigen Landschaften, wo sie Besitzungen erworben. Nicht blos Salomo im Prediger (2, 5.) beruft sich auf die „Gärten und Lusthaine," die er angelegt hat; flieht doch auch der letzte König von Juda, Zidkijah, aus dem belagerten Jerusalem durch den „Garten des Königs" wurde aber von den Feinden eingeholt, (2 Kön. 25, 4., Nech. 3> 15.). Ja, Menaffe und sein Söhn Amon ließen sich „im Garten ihres Hauses, im Garten Uffa"

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