Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 20 (14.5.1872)
- Date
- 1872-05-14
- Page
- Seite 397 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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397 unter 823 nichtjüdischen Studenten — 64 jüdische; in der physikalisch-mathematischen Facultät unter 139 nichtjüdischen Studenten — 4 jüdische; in der philologischen Facultät unter 38 nichtjüdischen Smdenten kein jüdischer. Die geringe Frequenz resp. vollständige Nichtfrequenz der beiden letzteren Facultäten seitens der israelischen Jugend wird in dem genannten Blatte dadurch erklärt, daß der Staatscarriere der Inden auf den in Rede stehenden Gebieten von der Regierung noch immer bedeutende Hindernisse in den Weg, gelegt würden. In wie weit dieser Borwurf begründet sein mag, vermögen wir nicht zu sagen. Aus Erfahrung wissen wir nur, wovon ja auch die Allgemeine Zeitung des Judenthums zu berichten oftmals Gelegenheit hatte, daß die russische Regierung bei staatlichen Anstellungen im großen und ganzen weniger auf die Confession als auf wissenschaftliche Befähigung sieht. Sehr viel wird aber auch wohl dem Mangel an idealem Sinn, welcher unsere jüdische Jugend auszeichnet und sie Berufsarten mit größeren materiellen Vortheilen wählen läßt, zuzuschreiben sein. Demselben Blatte entnehmen wir folgenden rührenden Fall menschenfreundlicher Theilnahme, wie er, namentlich in den unteren Volksclaffen, in welchen er spielt, nur selten Vorkommen dürfte und daher hier um so mehr mitgetheilt zu werden verdient. Ein armer jüdischer Handelsmann aus dem plockischen, Vater mehrerer Kinder, hatte sich Lei der letzten Ziehung festgelost. Kaum hatten die Bewohner des Dorfes, in welchem er zu hausiren Pflegte,' davon gehört, als sie auch sofort zusammentraten und die Summe von 1000 Rubeln behufs Loskaufs desselben unter sich aufbrachten. Diese nebst den Reisekosten übergaben sie dann dem Rabbiner des Ortes, mit der, Bitte, sich nach Plock zu begeben und die Befreiung , des Hausirers zu erwirken, was denn auch geschah. Nachtrag. Kaschau, 19. Aprill (Privatmitth.) In der Streitfrage, welche zwischen, der hiesigen neologen und orthodoxen Gemeinde seit längerer Zeit schwebt^ ist, wie die „Pannonia" meldet, vor einigen Tagen die Entscheidung vom ungarischen Cultusministerium herab gelangt. Nach dieser höchsten Anordnung soll das. wichtigste Object der Stteitsrage, das Beth-Ham-^ Midrasch, der neologen Partei als Eigenthum zurückgegeben werden, nachdem es seit' sechs Monaten von der orthodoxen Gemeinde in Besitz gehalten wurde. Gleichzeitig wird der neologen Gemeinde durch den Ministerialerlaß die Verpflichtung auferlegt, für die orthodoxe Gemeinde ein Betlocal zu miethen und später für dieselbe ein solches zu erbauen. Gegen diese letzteren zwei Puncte beabsichtigt die neologe Gemeinde eine Vorstellung an das Ministerium zu machen, weil die betreffende Anordnung ihren Ursprung wahrscheinlich aus einer unvollkommenen Instruction dieser hohen Stelle genommen hat und von der Voraussetzung auszugehen scheint, daß die orthodoxe Gemeinde zu dem Haushalt der neologen Gemeinde einen aliquoten Theil beisteuere, was jedoch seit Jahren factisch nicht mehr der Fall ist. Die Uebergabe des Tempels an die Neologen hat am 17. d. M. unter Intervention der Stadthauptmannschaft stattgefunden. Auch hier haben wir jetzt drei Gemeinden, denn die recht- und friedliebenden Geweindemitglieder orthodoxer Richtung haben sich von der sogenannten Schomre-hadath-Gemeinde losgesagt und sich unter dem Namen „Adath-Schalom" zu einer besonder» Gemeinde vereinigt. Dieselbe motivirt ihren Austritt aus dem Schomre-hadath-Gemeinde in einem dieser Tage versandten Circular damit, daß es ihnen klar geworden sei, daß es den Führern der Schomre-hadath-Gemeinde um nichts weniger als um Förderung von na^-p zu thun ist, daß sie unter dem Deckmantel der Scheinheiligkeit das Feuer der Zwietracht schüren, um ihren Eigennutz und ihre Gelüste nach schnödem Geldgewinn zu befriedigen, daß sie sich sogar nicht abhalten ließen/in den unrechtmäßigen Besitz des Beth-Hammidrasch sich mit Gewalt zu setzen und gegen jedes Rechts- und .Billigkeitsgefühl sich nicht scheuten, ihr Vorhaben ungeachtet des dadurch unvermeidlichen Chilul Haschschem in der Weise auszuführen, daß sie diejenigen, welche von den recht- und gesetzmäßigen Eigenthümern Sitze gemiethet hatten, von den Sitzen und auch aus dem Beth-Hammidrasch verdrängten und bis zum heutigen Tage nichts unterließen was nur geeignet ist 'imnb nnwwn nmabi — nach solchem unjüdischen und unbrüderlichen Getragen sind wir berechtigt zu sagen: ann2> nbnri pbn 12b yx". Die bedeutendsten orthodoxen Rabbiner des Landes haben das unjüdische Treiben der Schomre-hadath verurtheilt und das Vorgehen der neu gebildeten Gemeinde vollkommen gebilligt. - ... .