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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-05-14 · Heft 20 (14.5.1872) · p. Seite 396

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 20 (14.5.1872)
Date
1872-05-14
Page
Seite 396 (sequence 12)
Language
German
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396 Israeliten stattgefunden, und zwar catläßlich des Gerüchtes von dem erfolgten Raube eines KindeS. Das Militär ist eingeschritten; es sind einige Personen getödtet und verwundet worden. Smyrna, 3. Mai. In Folge der von den Localbehörden ergriffenen Maßregeln sind die Ausschreitungen gegen die Israeliten vollständig unterdrückt worden, und ist die Ordnung wieder hergestellt. Donaufürstenthumer. Bonn, 1. Mai. (Privatmitth.) Wie uns der amerikanische Generalconsul Herr Benjamin Peixott o schreibt, hat er noch einen besonderen Protest an die rumänische Regierung gerichtet, worin er die sofortige Freilassung der in so schmählicher Weise verurteilten Juden wenigstens auf dem Wege der Begnadigung durch den Fürsten verlangt. Er verspricht uns den Wortlaut desselben bald zu übersenden. — 'Ausgefallen ist es gar sehr, daß es der r u s s i s ch e Consul allein war, welcher die Gesammtnote der Agenten der auswärtigen Mächte mit zu unterzeichnen sich weigerte. Man darf hieraus nicht schließen, als ob die russische Regierung die unseligen Vorgänge in Rumänien nicht ebenso verdamme wie die anderen Staaten. Wir können vielleicht voraussetzen, daß hiermit die russische Regierung den Grundsatz festhalten wollte, niemand habe sich in die inneren Angelegenheiten eines anderen Staates zu mischen, und da sie selbst Judenverfolgungen im Lande gehabt hat, z. B. wiederholt in Odessa, will sie vielleicht dadurch einen Fingerzeig geben. Freilich zeigt die Geschichte Rußlands genügend, daß es diese Politik nicht immer beobachtet hat. Wir brauchen auch nicht auseinanderzusetzen, daß es mit Rumänien doch eine ganz, andere Bewandtniß hat. Es ist kein unabhängiger, selbstständiger Staat, sondern noch heute unter der Suzeränität der Pforte und unter der Garantie der Schutzmächte. Diese Haben ihn geschaffen, und Rumänien ist ihnen verantwortlich für die Ausführung der Bedingungen, denen er seinen Ursprung verdankt und denen es unterstellt ist. Die Menschlichkeit, die Gerechtigkeit und die Eultur werden sich bei Rußland für diese Enthalt- 'samkeit nicht sehr bedanken. Vielleicht befolgt es diese Politik, weil es nicht chöraussehen kann, ob nicht die protestirenden Mächte sich doch zuletzt gezwungen sehen> factisch einzugreifen, selbst schon weil sie ihr Ansehen nicht ganz zum Spott der Rumänen werden lassen können, und einem solchen Confiicte gegenüber mill Rußland freie Hand behalten. Jedenfalls, haben wir die Thatsache zu bedauern, denn die Stimme Rußlands hätte in Rumänien doch viel zu bedeuten, und daß es schweigt, verstockt dieses Volk wohl noch mehr in seiner Herzenshärte. Einen Probirstein für die eigentliche Gesinnung des Fürsten Karl und seiner Regierung giebt jedenfalls die Forderung ab, die Begnadigung der durch einen so schmählichen Spruch verurtheilten Juden auszusprechen. Hier hilft nun keine Phrase, kein Versprechen, sondern die That allein. Versteht sich die Regierung nicht dazu, so legt sie ein öffentliches Zeugniß ihrer Feig hei t ab und macht sich zu Spießgesellen der Hetzer , der Plünderer und der rumänischen Geschworenen. Bukarest, 2. Mai. Unsere gerechte Erwartung ist schnell erfüllt worden. Wie die „Neue freie Presse" aus Bukarest erfährt, sollen die vom Geschwornenge- 'richt in Buzeu verurtheilten Israeliten noch heute in Freiheit gesetzt werden, da Fürst Karl dieselben begna-. digt habe. Rußland. ' Pest, 2. Mai. Der „Pester Lloyd" meldet, daß in Kischenew (Bessarabien) Hetzplacate gegen d i e I u d e n affichirt wurden. Der Gouverneur ließ bekannt machen, daß, wer bei der Affichirung ertappt wird; nach Sibirien verbannt wird. Warschau, Ende März. Am 27. Febr. ist Hierselbst Herr Aon Löwenberg, ein sowohl durch seine Rechtschaffenheit, wie durch seine Freigebigkeit bekannter israelitischer Kaufmann,, im Alter von 75 Jahren gestorben; er hinterließ 70,000 Rubel zu wohlthätigen Zwecken. — Bei der diesjährigen Recru.tenauslosung sind in Warschau allein.19 jüdische Militärpflichtige, jeder zu 1000 Rubeln, losgekaust. worden. — Der hiesige „Israelit" giebt folgende statistische Notizen über den akademischen Besuch. unserer studirenden jüdischen Jugend: - In der juristischen Facultät unter 262 nichtjüdischen Studenten—-21 jüdische; in der medicinischen Facultät

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