Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 19 (7.5.1872)
- Date
- 1872-05-07
- Page
- Seite 384 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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wie der theoretischen Prineipien, auf welche sie - sich stützt, während wir der Bewegung an sich, ihre Berechtigung zuerkennen,- so. dürfen wir doch in diesem Blatte paS gedachte Moment nicht mit Stillschweigen, übergehen. Die Geschichte übrigens enthält ein billiges Urtheil niemals vor.--Sie sieht die Gefährlichkeit, welche zeitweise Personen, Ansichten und Thatsachen der Gesellschaft durch ihre Einseitigkeit in Tendenz und Verfahren üben, vorübergehen, und. wägt dann den Gehalt derselben im Jntereffe der Wahrheit und der Gerechtigkeit ab. Sie wird darum niemals billigen, was nicht zu billigen ist; aber , sie wirft Furcht und Haß der Gegenwart nicht mehr in ihre Wagschale. Wir erleben dies in diesen Tagen an Mazzini. Wer wurde während seines Le-, bens mehr als dieser Mann verketzert, geschmäht und verfolgt- Dennoch ist schon jetzt Stimmung und Urtheil Aber ihn, da seine Wirksamkeit vollbracht ist ünd der Tod sein bewegtes Leben besiegelt hat, ganz anders, und man würdigt den Charakter und die Fähigkeiten, das Streben und Wesen dieses Mannes bereits mit günstigem Auge. So wird einst auch das Urtheil über die Führer der jüngsten Phase der socialistischen Bewegung, wenn deren Gefährlichkeit von der Gesellschaft überwunden ünd im ganzen die Wirkung dieser Bewegung eine der Gesellschaft vortheilhafte sein wird, kein einseitiges mehr bleiben', so daß es in den Annalen der Geschichte dem jüdischen Stämme nicht gerade zur Unehre gereichen wird, daß' diese beiden Männer ihm entsprungen sind. Um ganz vorurtheilslos zu erscheinen, geben wir daher aus einem streben in der;,KölmschenZeitung" veröffentlichten Vör- /HigMdes Professor von Sybel das Urtheil desselben . Per-Sieder. - Er'.' sagt? „Es ist Ihnen allen nun bekannt, baß gerade an eine Kritik des schulzeschen Vereinswesens durch Ferdinand Lassalle seit 1863 eine neue Erhebung des Socialismus anknüpfte und mit einem Schlage die deutsche Arbeiterwelt mit dem Schlachtrufe der Staätshilfe in umfassende Aufregung setzte. Deren Entwicklung ist es, die ich Ihnen im einzelnen darzulegen wünsche, und zwar an erster Stelle die wissenschaftliche Begründung ihrer Ansprüche durch ihre geistig Hervorragenden Führer. Der bedeutendste unter diesen ist aber keineswegs Laffalle, obwohl derselbe unter der deutschen Arbeiterbewegung in der sichtbarsten Rolle Hervvrgetreten ist. Wir werden sehen, in welchem Grade es ihm an originaler Schöpferkraft gefehlt, wie sehr er sich mit der populären Verbreitung fremder Gedanken begnügt hat? Vielmehr ist bei weitem der umfassendste und gewichtigste Geist unter dieser Gruppe der Mann, ven ich vorher als früheren Gegner Proudhons bezeichnet-, der schon 1859 die Grundzüge seines Systems in kleineren Abhandlungen der Oeffentlichkeit vorgelegt, und seitdem in einem größerenhöchst lesenswerthen Buche: Das Capital (ein dicker Band ist erschienen, zwei andere sollen folgen), die Anschauungen, und -Begehren seiner Partei ' in ausführlicher; Gründlichkeit entwickelt hat. Marx ist, wie Laffalle, durchaus kein-Proletarier, sondern der Sohn eines jüdischen Bourgeois und wie jener ein, eifriger Schüler der hegelschen Philosophie. Nachdem er vor20 Jahren seinen Wohnort in London genommen , hat er mit einem unermüdlichen Fleiße die Verhältnisse der englischen Industrie, die Entstehung.und das Heranwachsen ihrer einzelnen Zweige, die Lage der verschiedenen Arbeiterclassen, die Wechselbeziehungen zwischen; Industrie und Ackerbau studirt. Er hat dann diese Forschungen weit zurück in die Vergangenheit ausgedehnt, die Umwälzung der dortigen Lebenszustände durch die großen Entdeckungen des 15. und 16. Jahrhunderts untersucht und so den Ursprung der heutigen Verhältnisse in großem historischen Zusammenhänge aufzufaffen vermocht. Dabei ist er einer der gründlichsten Kenner der volkswirthschaftlichen Literatur in allen Ländern Europa's, so daß er sowohl .von der theoretischen als von der praktischen Seite mit einer ganz seltenen Vorbereitung seine Aufgabe ergriffen hat. Sein Stil ist nicht eben erfreulich; als guter Hegelianer strebt, er die ungeheuren Maffen seines Stoffes auf die Entwicklungsmomente eines einzigen Grundbegriffs zurückzuführen und wird dadurch in seinem Raifonnement oft unerträglich weitschweifig, oft: in lästiger Weise schwerfällig. Bündig aber und geschloffen ist seine Erörterung im höchsten Grade; wer ihm die ersten Sätze zugiebt, wird unwiderstehlich zur Anerkennung der letzten Folgerungen genöthigt> / Jedenfalls begreift man , nach; der Leetüre des Buches, daß der Verfasser innerhalb feiner Partei, einen großen, leitenden Einfluß gewinnen mußte; er ist bekanntlich Mitglied des- Generalraths der Inter-, nationale und nach sehr bestimmten Nachrichten zur-Zeit die eigentliche Seele und der thatsächliche Führer des gefährlichen Bundes." Sybel giebt hierauf eine Kritik des marxschen Systems, in welcher wir ihm hier nicht weiter zu folgen brauchen. >;; Paris, 10. April. Gestern, starb hier im Alter von 76 Jahren Herr Jakob Felix , der Vater der berühmten Rachel. Neben der großen. Tragödin gehörten noch fünf seiner Kinder dem Theater an: Rebekka, die ebenfalls bereits gestorben; Lia, eine verdienstliche Schauspielerin der Volkstheater , welche in diesem Augenblick im CHLtelet die Tochter des Manin spielt; Dina; eine beliebte Soubrette des ThsLtre Franyais; Sara, welche bald das Theater mit der Parfümerie vertauschte, und endlich Raphael, der bekannte internationale Schauspielunternehmer.; . Verlag von Bamrrgärtuer'S Buchtzandlung in Leip zig. — Druck von 'S. B. Hirschferd» .^ .. ■? ' Veraurwortlicher Ridaeteur H. Lotzei r s ' > -