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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-05-07 · Heft 19 (7.5.1872) · p. Seite 377

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 19 (7.5.1872)
Date
1872-05-07
Page
Seite 377 (sequence 13)
Language
German
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des Osterfestes neulich ihre gleichzeitigen Schritte Lei der fürstlichen Regierung gerechtfertigthat. Die Regierungen der Unterzeichneten werden zu betrachten haben, ob die den Angreifern der Juden gewährte Straflosigkeit nicht der Art ist, um die Wiederholung gewaltsamer Auftritte zu begünstigen , die eines civilisirten Landes unwürdig sind, welches als solches allen Religionsbekenntnissen Freiheit und Sicherheit gewährleisten muß. Bukarest, 18. April 1872. Rußland. Wilna, im April. (Privatmittheil.) „Wiluaer Bote" und „Kijewlanin" berichten, mit etwas tendenciöser Gehässigkeit, daß in einigen Gegenden die Juden dieses mal alles mögliche aufgeboten haben, um ihre Conscriptionspflichtigen trotz der hohen Loskaufssumme, die in diesem Jahre 1000 Rubel beträgt, durch Auf- . treibung derselben voin Militärdienste zu befreien? So sollen sie, da die gewöhnlichen Mittel sich als unzureichend erwiesen haben, in mehreren Städten eine Zeit lang gewisse Gegenstände des alltäglichen Bedarfs freiwillig monopolisirt, d. h. sich gegenseitig eidlich verpflichtet haben, diese, wie Mehl, Brot, Fleisch, Beleuchtungs- und Heizungsmaterial u. s. w. nur von einem bestimmten jüdischen Kaufmanne zu kaufen, wodurch diesem, durch Ausschluß jeder geschäftlichen Concurrenz, natürlich große materielle Bortheile erwuchsen. Als Gegenleistung aber hatte der so begünstigte eine bedeutende Summe behufs Loskaufs der Recruten zu erlegen. In anderen Städten sollen die Juden noch weiter gegangen sein und sogar unter Gutheißung ihrer Rabbiner sich von dem Gebot der Sabbathheiligung vollständig dispensirt und dadurch, wie sich denken läßt, eine erkleckliche Summe zusammengebracht haben. Nun, wir meinen, daß, wenn der Loskauf einmal gesetzlich zulässig ist und auch Nichtjuden in entsprechend möglicher Weise davon Gebrauch machen, man den Juden im besonderen keinen Vorwurf daraus machen könne, wenn sie ihre Recruten vom Militärdienste, der ja in Rußland noch keineswegs zu den größten Annehmlichkeiten des Lebens gehört, auf legalem Wege zu befreien suchen. Keineswegs aber wollen wir damit gesagt haben, daß in allen Fällen', wo ein Jude als Recrut loszukaufen war, er blos deshalb, weil Jude, des Loskaufs Werth gewesen Ware. Im Gegentheil! Für so manchen wäre es eine wahre Wohlthrt gewesen, in's Militär zu kommen und dort zu lernen, ein relativ brauchbarer Mensch zu werden. Tausend Rubel sind ein Capital, das gewiß nur sehr wenige der losgekauften werth gewesen sind, und unzweifelhaft hätten in den meisten Fällen dieauf die Recrutenbefreiung verausgabten höchst beträchtlichen Summen in anderer besserer Weise verwendet werden können, als Tagediebe und Strolche, die ja doch immer nebst ihren Familien der Gemeinde zur Last fallen, nur aus sogenanntem jüdischen „Mitleid" den Strapazen des Soldatenstandes fern zu halten. Wie viele gemeinnützige, wirklich großes und edles fördernde Anstalten, als Schulen, Waisenhäuser, Armenasyle, Hospitäler .hätten für all das nutzlos vergeudete Geld ins Leben gerufen und unterhalten werden können! — Wie man hört, soll, wenn die nöthigen Vorarbeiten im Kriegsministerium beendet sind, dieses Jahr das letzte sein, in welchem der Loskauf noch zulässig ist, und im nächsten demnach die allgemeine Wehrpflicht im ganzen russischen Gebiete zum Gesetz erhoben werden. Wir werden sehen, ob der Wohlthätigkeitssinn unserer Glaubensgenossen sich edlere und gemeinnützigere Ziele stecken wird. It a ch t r a g. Pest, 9. April. (Privatm.) Der hiesige israelitische Handwerks- und Ackerbauverein besitzt nach seinem neuesten Ausweis gegenwärtig 81 Lehrlinge, und zwar 13 Schlosser, 10 Tapezierer , 9 Drechsler, 9 Tischler, 5 Kürschner, 5 Spengler, 4 Bildhauer, 4 Goldarbeiter, 2 Bürstenbinder, 2 Sattler, 2 Porcellanmaler, 2 Täschner, 3 Schmiede, 1 Bäcker, 1 Schriftsetzer, 1 Riemer, 1 Uhrmacher rc. und 11 Ackerbau-. zöglinge. Erfreulich ist, daß in diesem Vereine, an dessen Spitze Herr M. A. Weiß steht, und der sich im Besitze eines Vermögens von 26,648 fl. 41 Kr. befindet, sich das Bestreben kundgiebt, seine ersprießliche Wirksamkeit in einer den Zeitverhältnissen entsprechenden Weise fortzusetzen. In neuerer Zeit findet regelmäßig von drei zu drei Monaten eine Aufnahme von Bereinszöglingen statt; so wurden vor kurzem 16 arme Knaben.— darunter mehrere ganz verlassene Waisen — ausgenommen und bei tüchtigen Lehrmeistern untergebracht.

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