Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1872)
- Date
- 1872-04-30
- Page
- Seite 361 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Allgcm eine Zeitung des I Feuilleton-Beilage M Nr. 18. Leipzig, den 30. April 1872. Ein offenes Schreiben für viele, besonders in Amerika. : Indem ich mich dieses Auftrages entledige, ersuche ich Sie, hochverehrter Herr Doctor, mir gütigst Ihre geneigte Antwort in einigen Zeilen zukommen zu lassen. In diesen Tagen erhielten wir folgendes Schreiben, von welchem wir nur die Unterschrift weglaffen. New-York d. 31. März 1872. Wie Ihnen bereits anderweitig mitgetheilt worden sein wird, ist es hier im Werke, nach dem Muster des von Ihnen gegründeten und mit so segensreichem Erfolge geleiteten „Institutes zur Förderung der israelitischen Literatur" eine äMerieLr» Hebrew Publication Society zu gründen, welche die Aufgabe haben soll, vorzügliche deutsche Schriften über jüdisches Leben und jüdische Geschichte und Literatur in englischer Spracke zu verbreiten. Bis jetzt besteht die Gesellschaft nur erst auf dem, Papiere. Es sind wohl Statuten entworfen und Beamte erwählt worden; aber es fehlt noch äm nervus rerum und an der nöthigen Anzahl von Mitgliedern. Indessen ist Hoffnung vorhanden^ daß durch einen erneuten Aufruf mehr Jntereffe beim Publicum für das Unternehmen geweckt werde, so daß die Gesellschaft wirklich zu Stande kommen wird. In dieser Hoffnung ist vorläufig ein Comit6.ernannt worden, welches die im ersten Jahre zu veröffentlichenden Schriften empfehlen soll. Dieses Comitö, welches aus den Herren Dr. Iastrow, Rev. Jacobs in Philadelphia und Rev. James Gutheim, M. Ell'mger und vr. Mielziner besteht, hat in einer vorläufigen Berathung beschlossen, außer einer revidirten Ausgabe der Leeser'schen Bibelübersetzung und einer Uebersetzung des 4. Bandes der grätz'schen Geschichte auch eine Uebersetzung Ihres; vorzüglichen geschichtlichen Romans „Jakob Tirado" zu empfehlet. . Jchbinvom Comitä beaustragt worden, Sie hiervon in Kenntniß zu setzen und die Hoffnung auszusprechen , daß, Sie Ihre Erlaubniß zu dieser Uebersetzung und Verbreitung Ihres Geistesprodücts nicht versagen werden, obschon die financiellen Verhältnisse der- Gesellschaft voraussichtlich es nicht erlauben wer- . dyi,.-9huen^ei»e/Remunerätiou dafür,. auzubieten.^ Sicherlich fließt dieses Schreiben aus einer ehrenhaften Quelle; denn da es in Nordamerika niemandem verboten ist, nachzudrucken und zu übersetzen, was ihm beliebt, so brauchte das Comits gar nicht um Erlaubniß zu fragen, und thut es dies dennoch und macht von der Erlaubniß des Autors die Wiedergabe seines Werkes abhängig, so ist dies unter den gegebenen Verhältnissen ehrenhaft.. Dennoch sehen wir uns veranlaßt, diese Erlaubniß zu verweigern; und da die Gründe auf allgemeinen Interessen beruhen und in ein weitgreifendes, wichtiges Gebiet fallen, so wollen wir sie darlegen. Dies ist auch die Ursache, weshalb wir an diesem Orte des ganzen Vorgangs Erwähnung thun. Man spricht und verhandelt seit längerer Zeit sehr viel über das Proletariat, über die Arbeiterfrage, welche sich vorzugsweise die sociale betitelt. Aber es giebt noch ein anderes Proletariat , das in noch viel schwierigeren Verhältnissen lebt, darum, weil seine Bedürfnisse größere sind, und weil Jettie Stellung es ganz wo anders hin verweist, das Proletariat der .für den Geist mit dem Geiste arbeitenden , sagen wir kurz: der Geistesarbeiter. Wir wollen hier nur an die Lehrer sowohl der Volksschulen als der mittleren und höheren Lehranstalten bis zu den akademischen Professoren erinnern, von welchen •im? '«ne, EltteDeffeven 'Einkommens sich erfreut. Neben ihnen die Literaten, unter welchem Namen wir hier alle Schriftsteller, von welchem Fache sie auch seien, verstehen. Es läßt sich gut sagen, daß die Arbeit des Geistes ihren Lohn in sich finden, durch ihre Würde sich entschädigt fühlen und nach materiellen Vortheilen nicht lüstern sein müsse.' So lange der Bäcker dem größten Philologen und Mathematiker kein Stücklein Brod ohne Bezahlung, der Krämer, der Fleischer, der Schneider u. s. f. dem Könige der Dichter, dem Meister unter den Componisten keine seiner Maaren ohne Geld reicht, kann man dem Geistesarbeiter nicht 'zumüthen, von allen materiellen Bortheilen, abzusehen und^ eher Weib und stinder verkommen zu lassen. Sehen wir hier ab von der jetzt so