Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1872)
- Date
- 1872-04-30
- Page
- Seite 347 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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hoff Richard Wagner > ein neues Kapitel für dessen „JMnthum in der MusH// Bonn,17. Mil. (Privatnntth.) Wx erhalten! von Posen ein Schreiben, das uns einer besondere Beachtung werth erscheint , jedoch eben ganz in der Fassung wieder gegeben werden muß, in welcher es uns zugekommen ist. Posen, den 10. April 1.872. Gestatten Sie gütigst einem für die Interessen des Judenthums sehr warm fühlenden, in der Provinz,; in der unsere Glaubensgenossen am zahlreichsten ver- - treten sind, ergrauten Manne, Ihnen eine hochwichtige Idee darzulegen, deren Aeußerung ich schon seit vielen! Jahren beabsichtigte und deren Verwirklichung vielleicht bei dem bevorstehenden Gemeindetage*) erfolgen könnte. Wie Sie nämlich .in Ihrem geschätzten Blatte schon mehrmals, und mit vollstem Rechte, bemerkten, kann z eine dauernd gute Stellung der Juden nur durch hie j hohe Achtung, die sie sich durch ihre Denk- und Handj lungsweise verschaffen, errungen werden. Nun muß j im Großen und Ganzen allerdings selbst dein ärgste Judenfeind unfern Glaubensgenossen einen tiefen sittlichen Werth beilegen; aber — bekanntlich wird bei! jeder schlechten Handlung eines Juden uns eine Soli-' darität octrohirt, die schon so vieles Unheil zu allen; Zeiten gestiftet hat. Ganz besonders ist dies in unsrer- Provinz der Fall. Die Israeliten erfreuen sich in allen Städten derselben, ganz besonders aber in hiesig ger Hauptstadt, einer sehr erfreulichen Stellung (wirn haben u. a. in den meisten Städten der Provinz, so- ' wie auch hier mehrere jüdische Stadträche rc.); aber --7 wird einmal von einem Juden ein Verbrechen begangen, heißt es selbst bei sonst sehr toleranten Christen immer gleich: „die Juden sind Betrüger." Leider ka-i men hier in den letzten Jahren gerade nicht selten; Fälle vor, wo gut situirte, mitunter sogar reiche jüdische Kaufleute wegen Betruges, Urkundenfälschung,! Meineids oder Hehlerei mehrjährige Gefängniß-, oft; sogar Zuchthausstrafe erhielten, und ein jeder solcher Fall ruft in ganz erschreckendem Grade, den Rischusselbst bei den gebildetsten und sonst toleranten Christen j hervor. — Es ward hier dieser Gegenstand .schon yiel-z fqch von bedeutenden Männern besprochen, und die *) Das Schreiben kam uns erst nach Beendigung he,s.Gemeindetages zu. Mdact. Frage aufgeworfen, wie dem wohl einigermaßen abgeholfen werden könnte. Nach meiner -Meinung ist zweierlei zu erzielen: zuerst ist den Christen zu zeigen, daß wir nicht minder die Bestrafung solcher Verbrecher wünschen (die gegentheilige Ansicht zeigt sich namentlich am deutlichsten bei Schwurgerichtssitzungen, wo hier in der Regel bei einem jüdischen Perbrecher lvon Stande) die jüdischen Geschworenen a priori vom Staatsanwalt abgelehnt werden); dann aber geht es in der Hauptsache darum, was zu thun sei, um die leider so häufig bei den Juden in der Provinz vorkommenden Verbrechen (wovon das Zuchthaus zu Rawicz einen sehr traurigen Beleg zieht) zu mindern. — Die Prediger unserer Gemeinde thun alle das ihrige; aber können diese auch auf eine Verbrecherseele -wirken? Auch recrutiren jene Leute' meist aus dem Lager her Orthodoxen und besuchen gar nicht die Vorträge der mehr oder minder dem Fortschritte huldigenden geistlichen. — Nach meiner unmaßgeblichen Ansicht dürfte jedoch folgender Schritt zur Erreichung der erwähnten Ziele der geeignetste sein: Durch Vermittelung des Geweindetages — oder durch Anregung in Ihrem geschätzten Blatte, oder wie Sie, hochverehrter Herr Doctor, sonst es am besten finden— müßten sämmtliche Rabbiner und Prediger ihre säMMtlichen Gemeindemitglieder verpflichten, mit eine,m unter Anklage eines der genannten Verbrechen stehenden Manne keinerlei Beziehung zu .unterhalten, möglichst nicht mit ihm zu sprechen u.s. w. Ich weiß, diese Idee wird nicht so leicht zu verwirklichen sein; vielleicht wird Ihnen, hochgeschätzter Herr Doctor, auch die Reminiscenz an die alte Institution des Cherem widerstreben; aber wer .unsre Verhältnisse in der Provinz kennt, der wird dies durchgreifende Mittel nur nothwendig.finden, und ich bin überzeugt, daß, wenn Sie die Verwirklichung, dieser Idee für möglich halten, Sie den Gedanken gewiß nicht fallen lassen werden. 2. (Diesem Schreiben können wir für heute nichts Weiter hinzufügen, als das Gesuch qn erfahrene und einsichtsvolle Männer der Provinz Hosen, uns ihre Ansichten über seinen Inhalt mitzutheilen. Die Redaction.) .Vom Main, im April. Gegen das.vorläufige Programm für die nächste in Hamburg .staMuhmde