Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 17 (23.4.1872)
- Date
- 1872-04-23
- Page
- [Seite] (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Beilage z. Mg. Zeitung des Judcnthums Rr. 17. Die an den Fürsten Bismarck vom zweiten deutsch-israelitischen Gemeindetage gesandte Adresse lautet folgendermaßen: Ew. Durchlaucht haben, von Seiner Majestät dem Kaiser mit dem höchsten Staatsamte betraut, nach Allerhöchstdessen Willen, mit einer wunderbaren Geistes- und Thatkraft den Völkern unsres deutschen Vaterlandes die Einheit, mit ihr die Macht, die Freiheit und die der deutschen Nation würdige, auf ununterbrochener Geistesarbeit beruhende höchste Stellung in der europäischen Völkerfamilie verschafft und den siegreichsten Kampf mit dem glorreichsten^Frieden beschlossen^ Unter den MilliZnen Herzen, die deshalb für Ew. Durchlaucht voll des wärmsten Dankes, der höchsten Bewunderung und Anerkennung schlagen, gehören die Deutschen israelitischer Religion mit zu den ersten. Wie sie freudig, geschaart mit ihren christlichen Mitbürgern, auf den Schlachtfeldern ihr Blut vergossen, so freuen sie sich der großen Errungenschaften des Vaterlandes, ganz besMders, weil mit diesen zugleich Ew. Durchlaucht schon. innerhalb des norddeutschen Bundes die gesetzliche Gleichstellung aller Confessionen durchgeführt und hiermit gegen die Ghetti der religiösen und socialen Vorurtheile den kräftigsten Schlag vollbracht haben. Sie haben, Durchlauchtigster Fürst, mit gleicher Energie den Kampf gegen die innern Feinde des Reiches siegreich ausgenommen, und auch in diesem Kampfe stehen wir, soviel es an uns ist, auf Ihrer und des Reiches Seite, weil es gerade die frühere Allmacht dieser Gegner war, unter welcher viele Geschlechter unserer Glaubensgenossenschaft Verfolgung, Druck und Ausschließung zu ertragen hatten. Die Einheit des deutschen Reiches reifte auch in uns den Gedanken einer Vereinigung , welche H die Hebung unserer deutschen Glaubensgenossen in religiöser, socialer und Culturbeziehung zum Zwecke hat. Der heute constituirte deutsch - israelische Gemeindebund, welchem bereits die größten und über hundert mittlere und kleinere Gemeinden beigetreten sind, fühlt sich daher gedrungen, seine Thätigkeit damit zu beginnen, daß er Ew. Durchlaucht den tief empfundenen Dank und die treueste Ergebenheit, welche uns beseelen, zum Ausdrucke bringt. , Möge die göttliche Vorsehung Sie dem Vaterlande noch lange in voller Kraft und Gesundheit erhalten und alle Ihre für Deutschlands Wohl unternommenen Schritte mit dem vollständigsten Erfolge krönen! In tiefster Ehrfurcht verharret Euer Durchlaucht ganz gehorsamst , die constituirende Versammlung des deutsch-israelitischen Gemeindebundes. Moritz Kohner,