Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 16 (16.4.1872)
- Date
- 1872-04-16
- Page
- Seite 322 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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MM MWW :' so ist es nicht weniger erlaubt zu finden, daß sie Recht hat; es wird eben aus die Gründe ankommen, mtt welchen man die eine oder die ändere Ansicht. vertritt. 'Daß es das Kennzeichen eines unbefangenen Philologen sei von ver Tradition möglichst abzuweichen, kann ich nicht zugeben." Diese Ansicht ist sicherlich auch bei der Tradition über die biblischen Schriften und deren traditioneller Interpretation zu verwerthen. Die meisten jetzigen Kritiker stellen sich jenen gegenüber sofort auf den negativen Standpunct, und gilt ihnen jeder, der über die traditionelle Erklärung nicht von vornherein den Stab bricht, für unwissenschaftlich. Die wahre wissenschaftliche Methode ist nach unsrer Meinung die historische, nach welcher erst auf dem Grunde der Geschichte jeder Schrift und jeder Stelle die wissenschaftlichen und logischen Kriterien in-Anwendung gebracht und ihre Uebereinstimmung mit der geschichtlichen Auffassung oder ihr Widerspruch gegen diese discutirt werden. Schlnßbemerkong zu dem Artikel über Juden in Antwerpen.-) die In einer gefälligen Zuschrift deS Herrn Rahlenbeek zu Brüssel vom 3. April vermag der geehrte Herr unsere Bemerkungen über das mittelalterliche Belgien nicht zu widerlegen; auch gesteht er jetzt zu, daß die fünf Millionen Gulden nicht jährlich, sondern ein für alle Wal von den Juden, die in Vilvorde wohnen wollten, angeboten worden seien. Wir können, da einmal eine solche Irrung seitens der von Herrn Rahlenbeek angezogenen Schriftsteller Miraeus, Wanters u. a., begangen worden ist, unsere Zweifel über die Höhe dieser Summe selbst bei einmaliger Zahlung nicht aufgeben. Dahingegen hat Herr Rahlenbeek für die Persönlichkeit Du Fief's, gegen welche wir übrigens nur Vermuthungen ausgesprochen hatten, vollgültige Zeugnisse beigebracht. Pierre Du Fief (1490 — c. 1554) war Seeretär bei dem Rathe von Brabant. Er hatte sich zuerst dem Protestantismus zugewendet, fiel aber daun, um nicht die Gunst Karls V. zu verscherzen, wieder von demselben ab und wurde einer der schlimmsten Verfolger der neuen Lehre in den Niederlanden. Hiermit ist dieser Gegenstand für uns erledigt. *) S. FeuilletonLeilage Nr. 1. und 2.; Dem in London verstorbenen Professor Goldstücker (er war ein geborener Königsberger) widmet das londoner Athenäum einen Nachruf, dem wir zur Ergänzung der von uns gebrachten biographischen Mittheilung folgendes entnehmen: „Goldstücker versammelte einen Kreis-junger' Männer um sich, welchen er seine Liebe für die Sprache und das Land der Veda's einzuhauchen suchte und von denen seither viele hervorragende Sanskritgelehrte geworden sind. Seiner großen Hingebung für seine Lieblingswiffenschaft haben wir es zu danken, daß er.im Jahre 1850 nach England kam und seitdem hier ansässig gewesen ist, nachdem er kur^ darauf die Ernennung zum Professor des Sanskrit am University-College erhalten hatte. Der Verstorbene besaß Gewissenhaftigkeit und Bescheidenheit in so überaus hohem Grade, daß die Gelehrtenwelt sich kaum jemals bewußt werden wird, was sie durch seinen Tod verloren hat." Da der veröffentlichten Arbeiten Goldstückers so wenige sind, verdient hervorgehoben zu werden, was das genannte Blatt im weiteren Verlaufe des Artikels über seine Beiträge für engliche Zeitschriften sagt: „Die bemerkenswerthen Artikel, welche vor vier Jahren über das ostindische Museum im „Athenäum" erschienen, waren von Goldstücker. Der Westminster Review lieferte er mehrere wichtige Aufsätze, darunter den bekannten über das Gedicht Mahabharata, welchen er später in besonderem Abdrucke veröffentlicht hat. Alle Artikel über indische Philosophie und Mythologie in der Chambersschen Encyklopädie sind aus seiner Feder. Er wurde so ganz und gar als erste Autorität in allem dem anerkannt, was mit der alten Hinduliteratur, der heiligen wie der profanen, zusammenhängt, daß er seit Jahren auch von der Regierung über viele streitige Fragen des Hinduerbgesetzes zu Rathe gezogen worden ist. Eine von ihm gehaltene Vorlesung über die „Mängel in der jetzigen Administration des Hindurechtes" ist das letzte Erzeugniß seiner Feder, welches die Oeffentlichkeit erreicht hat. Es ist kein Geheimniß, daß Goldstücker diesen Vortrag in eine regelrecht Abhandlung auszuarbeiten gedachte, und die Nichtvollendung dieser sehr wichtigen und sehr notwendigen Arbeit bleibt ungemein zu bedauern. Seine allerletzte Leistung im Dienste des Staates ist die beinahe vollendete photolithographische Facsimileausgabe von Patanjali's Commentar zu Panini's grammatikalischen Sutra's, betitelt „Mahabhashya", wofür das indische Amt die nöthigen Mittel mit großer Freigebigkeit bewilligt hatte. Sein Eifer für dieses Werk, welches seine Aufmerksamkeit seit Monaten fast Tag und Nacht in Anspruch genommen hatte, war möglicherweise die Ursache jener Vernachlässigung seiner Gesundheit, welche seine Laufbahn so plötzlich abgeschnitten hat". Verlag von Baumgartner'- Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B, Hirschfetd. Verantwortlicher Redacteur ör. H. Lotze.