Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 13 (26.3.1872)
- Date
- 1872-03-26
- Page
- Seite 262 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Esther. Das ist nicht edel! König. . .; Wohl, du sagst, ein Wort,. _ Das ^wie ein Zäuberstab die Pforten öffnet, ,./7 Hier ist kein Zwang. , iBon der Thüre wegtretend.) Mein bü gehst nicht — bleibst. — Glaub' nur, Hadaffa, Du sehnst dich jetzt von hier, doch kaum entfernt, Wirst du zurück dich sehnen, ja ich weiß. Die Neigungdie entspringt aus gleichem Trachten, Ergreift nicht Eins und läßt das And're frei; Die Nähe ist ein Nahesein von beiden, Und was du zufügst, kommt dir auch zu leiden. (Auf die Mittelthüre zeigend.) Da draußen ist es laut, des Hofes Schwall. Hier innen wohnt die Ruhe! (auf die Seitenthüre). und man denkt- Man überlegt mit Sammlung und Genuß. Auch fehlt's an Zeugen.' nicht der -Schicklichkeit., — (Er klopft in die Hände, Sklaven treten aus der Thüre und stellen sich zu beiden Seiten.-Einer'trägt einen goldenen Kranz.) Sieh' nur, man hat sie eingelernt! Sie tragen Den gold'nen Reif, bestimmt für die Gewählte, Und wissen nicht, daß fruchtlos meine Wähl. ' (Den Hanptschmuck nehmend.) Wie wär's, wenn du versuchtest, wie er steht. (Da sie abhaltende Bewegung -macht, indem er den Kranz , wieder abgieLt.) Äch wußt' es ja, mir ist kein. Glück bescheert Und einsam^wall' ich zu des Todes Pforten. <Esther ergreift schnell den Kranz und setzt ihn auf's Haupt.) ■“ König. ■' ' Hadaffa! (Da sie den Kranz wieder abnehmen will.) Halt! lass' ab! berühr' ihn nicht. Es soll noch nicht Entscheidung sein, noch nicht! Führt sie hinein, gönnt Ruh zur UeLerlegung, Ich selbst entferne mich nach jener Seite. Und wenn, nach einer kurzen Stunde Frist. 1 Ich wieder komme und von Neuem frage: Hadaffa! Esther (an der Thür stehen bleibend). . Herr!. ..... . ■ . ... König. Es ist! der Ton entschied. Nun fort von ihr! Ich selber will sie führen. (Er hat sie umfaßt.) ri ' Und was du meinst,- vertrau' es meinem Ohr. (Sie gehen,. die Andern folgen.) Dies ist das Fragment; die Fortsetzung hat sich in dem'Nachlasse des Dichters nicht gefunden. Wir glauben aber auch nicht, daß - sie gefunden werden konnte. Die vorliegenden zwei Aufzüge; schließen mit dem ersten Theile der biblischen. Erzählung, der Erhebung Esthers zur Königin,, vollständig ■ ab, und es sind in ihnen keine Fäden angesponnen, um den eigentlichen Knoten des Drama's zu schürzen, der eben ein ganz neuer hätte werden müssen. Wahrscheinlich hatte Grillparzer, nachdem er den Gedanken, Esther dramatisch zu bearbeiten, gefaßt hatte, im ersten.Feuer diese beiden Aufzüge niedergeschrieben und fand nun. in ihnen keine organischen Anknüpfungen für den folgenden Theil. Deshalb ließ er den ganzen Plan fallen. Die beiden Acte enthalten jedoch so viel schönes, daß wir dem Dichter dafür dankbar bleiben. Vermschtes. Erlauben Sie. mir in Betreff des in der -Nacht vom 8. auf den 9. Öctober v. I. hier verstorbenen Schriftstellers Jakob Kaufmann, eine Angabe in der von Ihnen gebrachten Biographie desselben berichtigend, zu bemerken, daß derselbe den 8. December zu Neu-Bidschow bei Gitschin: in; Böhmen geboren war. Da Kaufmann hier von niemand gekannt war, so war, äußer mir, blos noch der Wirth, bei dem er wohnte, und sein katholischer Neffe von Hamburg bei der Beerdigung zugegen. Dieser; der von dem Wirthe telegraphisch hierher berufen war, machte mir die Anzeige von dem Tode seines Onkels, daß er ein Jude gewesen und daher auf dem jüdischen Friedhofe begraben werden solle. Nachdem ichi auf dem Friedhofe die hier üblichen Gebete gesprochen und mich entfernt hatte, kniete, wie mir berichtet wurde, der fromm-katholische,. Neffe' am; Grabe des Onkels nieder, bekreuzte sich vorschriftsmäßig und sprach ein stilles Gebet. Eine Depesche von Prag,,die aus die Verdienste des Verstorbenen aufmerksam machte, war erst einen Tag nach der Beerdigung hier eingetroffen. Süskind, . Wiesbaden. Unter den 3000 Petitionen, welche diesmal bei dem .preußischen Abgeordnetenhause eingelaufen sind, befindet sich auch fölgende: Es verlangt ein Herr Stangnowski, Vorsteher und Prediger der apostolisch-christlichen Gemeinde zu Stummh. bei Mensguth, dass der dortigert Gemeinde gestattet werde, die „Ruhefeier" anstatt am Sonntage am Samstage .abzuhalten, sowie daß - die Gemeindemitglieder nicht gezwungen werden dürfen, an Samstagen vor Polizei- und Justizbehörden zu Terminen zu erscheinen. (Bekanntlich hat es in alter und neuerer Zeit christliche Secten gegeben, welche die Verlegung i des Sabbaths auf den Sonntag, die durch das nicäische Concil beschlossen worden war, nicht annahmen,■ sondern der heiligen Schrift gemäß den Samstag feierten. Auch in Rußland giebt es eine solche Seete^ Perlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. — Druck von 3. B. Hirsch seid. . Verantwortlicher Redacteur V, H. Lohe. S