Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-03-26 · Heft 13 (26.3.1872) · p. Seite 260

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 13 (26.3.1872)
Date
1872-03-26
Page
Seite 260 (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3226852-3226866--30458-3253335
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Esther. Die Kranken heilt man, -doch die Mißgestimmten Vertraut manhoffmmgsvoll der Welt uüd Zeit. König. Und wenn die Well an ihnen nun gesündigt? Esther. Wir sündigen so viel, Herr, an«, der Welt, Daß, wenn man abzieht, wir fast nur im Bortheil. König. Du schmeichelst nicht. Esther. Was nützte Schmeicheln auch! Lönig. Zugleichauch sagt man, daß wir Könige Die Welt so sehr beglücken, daß das Höchste, Das sie uns gibt, nicht abträgt ihre Schuld. Esther. ES wird wohl nicht so sein. König. Meinst du? Je nun? Auch bleibt unS immer noch die Frage steh'n: Was ist zu thun in diesem meinem Fall? - Da dir die Wahl aus Vielen nicht gefällt, So bliebe nichts als sich^ an Eine wenden. Esther. Königs Und diese Eine wäre denn —? (Bei Seite.) Ich seh' sie kommen/ und der ganze Aufwand Von scheinbar frommet Unbefangenheit War nichts als Maske der versteckten Absicht. ' (Laut.) Du scheinst dich zu besinnen. Esther. König. Und diese Eine, nenne sie! — Wohlan! — Du wirst doch ihren Namen kennen? Esther. Die Königin. König (überrascht zurücktretend). Wahrhaftige In der Thal. Esther. Ruf' sie zurück/mit ihr rufst du dein Glück.. Ein neues Band, eS war' ein neu Beginnen, Mit ihr nur setzest du dein Leben fort. Und wie die Wunde, die Mn. kluger Hand Geschlossen, allgemach, verborgen heilt, - , Die abgeriffnen Faserchen^sich -suchen Und eig'ner Heilkraft selbsterzeugte- Säfte Hinüber und herüber Brücken.-Kau'», BiS selbst der Narbe letzte Spur verschwunden, So wirst du stehen, ein gesunder Leib, In deiner frühern Kraft und deiner Schöne. * Sag' sticht, sie habe FEhler,diesünd das.' Es ist das Werb vom'Selbst des Mann's ein-Theil, Und wer hat seinen Arm sich abgehauen, Weil er ihm nicht gefiel, den Fuß verkürzt, Weil er zu lang, das Auge ausgebohrt, Weil braun es war, nicht blau? Ertrag' das leicht, Damit dir jemand tragen hilft was schwer. Und findest du die Beste des Geschlechts, Kannst du ihr geben die Erinnerungen, Die Jene mitträgt aus dem Lenz der Tage, Wo noch das Leben grün, die Wünsche biegsam, Von Einem Schnitt der bittersüßen Neigung Sich Pfropfreis fügt-und Stämmchen hold in Eins, Zu Eines Daseins ungetheilten Früchten!? Das Alter, Herr, ich seh's an meinem Ohm, Ist weis' und klug; die Jugend aber heilig; Erhalt' sie in der Jugendfreundin dir. König. Sprichst aus Erfahrung du? Esther. Wie meinst du das? König. Kennst du die Liebe? Esther. Und was kümmert's dich? Hier ist von mir die Rede, nicht, von dir; Ich finde leicht mich wohl allein zurecht. König. Wie heißest du? Esther.. Nun eben: Esther, Herr! Hadaffa nennen mich des Hauses Nachbarn. - Ich brauche Beistand nicht, noch Rath und Hilfe, Und meine Sorgen schlicht ich alle selbst. Du aber auf der einsam steilen Höhe, Belastet mit der Sorge um so Viel, Du brauchst die Helferin, brauchst die Genossin, Der du hinüberschieben kannst die breite Last Und sagen: halt'! derweil ich einmal athme. O daß — trau'st du den Männern nicht des Hofs — Du irgend zu mir sprächest: Geh', Hadaffa, Und hole mir die Herrin meines Glücks, Die unersetzte, schwervermißte Freundin! König. So weißt du, wo sie weilt? Esther. Ha! das war Mißtrau'«! Willst du Vertrau'n und hast es nicht? suchst Neigung Und hegst Verdacht? O, armer, armer Fürst Das Edle, Hohe kauft sich nichts man lauscht es. Und man erhält so viel nur als man gibt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.