Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 12 (19.3.1872)
- Date
- 1872-03-19
- Page
- Seite 241 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Mardochai. Du sollst dich fühlen schon dadurch bereit Zu jedem Großen, das die Zeit dir auflegt. Esther. Die Zeit zur Größe wäre wahrlich da. Hast du gehört? Sie suchen ihrem Herrn, Dem König über Asien , eine Frau, Und wählen aus dem Volk sie, dem gemeinen. Es geht ein Ruf durchs Land, der alle Mädchen, Nicht häßlicher als ich, nach Hofe fordert, Zu stellen sich der fürstlich hohen Wahl. Mardochai. Und die nicht nvollen — Esther. Zwingt man. Mardochai. Großer Gott! Esther. Sei ruhig, uns beschützt schon unsre Abkunft, Denn Israel, so hoch in eigner Schätzung, . Steht tief im Werth bei allem Nachbarvolk; Man reicht nicht gern der Jüdin Hand und Ring. Mardochai. Und solche Schmach erwähnst du ohn' Erröthen? Esther. Nun, guter Gott! Erst schreckt dich die Gefahr, Und nun das Rettungsmittel auch. Doch sieh! Dort unser Nachbar, der verkehrte Kosru, Von dem die Kunde mir der Dinge kam, Er hat sein Weib, die garstig wohl genug, Doch ihm gar reizend scheint, im Haus versteckt, Nun aber scheints, dünkt ihm die Sicherheit, Die doppelte, nicht sicher mehr genug, Und beide fliehen eilig nach dem Wald, Dort naht ein Zug von Männern. Blanke Waffen! Das sind des Königs Boten. Mardochai. Geh' ins Haus.! — Vielmehr doch, bleib! Gott Israels, meiner Väter! War' es dein . Rathschluß, Eine unsres Volks Zu setzen hoch auf Asiens stolzen Thron, Daß sie ein Schutz sei ihrer flücht'gen Brüder, Vielleicht sie heimführt in ihr Vaterland Und neu erbaut des Bundes alten Tempel. — Bleib, Esther, bleib! — Geb' ich sie hin, Gäb' ich mein eignes Leben zehnmal hin Zur Ehre meines Gottes, meines Volks. Laß uns erwarten, Tochter, was da kömmt; . Was immer auch, es kommt, bedenk, von oben. (Ein königlicher Hauptmann mit Begleitung, darunter Bewaffnete, kommt.) Häuptmann (im Auftreten). Laßt nur die Pferde satteln für den Heimweg! Nicht Eine, die der-Forderung genügt, Wir sind am Ende, denk' ich! (Er blickt in eine Schrift.) Zwar zuletzt. Wohnt hier ein Mardochai? Mardochai. Ja, Herr, ich bin es. Hauptmann. Mit einer Tochter? Mardochai. Nichte. Hauptmann. Diese hier! — (Ein Knie auf die Erde setzend.) Gefällts euch, mir zu folgen. Mardochai. Gott entschied. Esther. Ihm folgen? Hörst du Vater? Oheim, sprich! Verkästest du mich denn in deinem Schweigen? Nun wohl, so sprech' ich selbst, mein eigner Schutz. (Zum Hauptmann.) Euch folgen kann ich nicht, denn nebst dem Abscheu Vor also roh gebieterischer Werbung, Die, wenn'sie eures Königs eigner Wille, Mir ihn als kundlos darstellt wahrer Neigung, Ist meine Abkunst — Mardochai. * Schweig! Schmähst du die Deinen? Hauptmann. Auch frommt es kaum. Nicht dahin geht mein Auftrag. Nur mit dem Aug befahl man mir zu wählen, Was sonst empfiehlt und hindert, findet später Am macht'gern Ort Entscheidung und Gehör. Mardochai. Hörst du? Sein Ausspruch klingt wie höh're Stimme Und meine Meinung liegt in seinem Wort. Ich werde bei dir stehn und kommt die Zeit, Tret' ich hervor, ein Hüter deines Wohls. Hauptmann. Und so denn, noch einmal gesenkt das Knie, Fordr' ich euch auf zu folgen, bittend euch, Daß, wenn der Herr dem Diener ähnlich urtheilt, Ihr auf dem Gipfel einst der Macht gedenkt, Daß'ich es war, der euch dahin geleitet. (Zu seinem Gefolge.) Die Pferde vor! Esther. So soll ich wirklich denn — Mardochai. Da bleibt nicht Wahl. Esther. Fast scheints ein Märchen. (Indem sie sich zum Fortgehen bewegen, Mt der Vorhang.)