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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-03-12 · Heft 11 (12.3.1872) · p. Seite 205

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 11 (12.3.1872)
Date
1872-03-12
Page
Seite 205 (sequence 7)
Language
German
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Verwaltung in Preußen, 1871, Heft 12", befanden sich im Sommer 1871 in sämmtlicheu höheren Schulm des Staates (Gymnasien, Progymnasien, Realschulen, höheren Bürgerschulen) zusammen: 115,630 Schüler, darunter 83,838 oder 72,5 Proc. Protestanten, 21,711 oder 18,8 Proc.' Katholiken und 10,081 oder 8,7 Pröc. Juden. ' Von der Gesammtbevölkerung des Staates machen die Protestanten nun 65,6 Proc. aus, die Katholiken 33,1 Proc., die Juden 1,3 Proc. Die Katholiken liefern also weit weniger Schüler in die höheren Schulen, als man nach ihrer Zahl erwarten sollte. . Noch deutlicher wird dies aus folgender Zusammenstellung. Auf je 10^000 Einwohner des ganzen Staates kommen 49'Schüler in den höheren Schulen (30 in den Gymnasien- 19 in den Realschulen). Auf 10,000 Protestanten' aber kommen 53 Schüler (31^ in den Gymnasien,: 22 in den Realschulen); auf 1.0,000 Katholiken nur 28 Schüler' (21 in den Gymnasien, 7 in den Realschulen); auf 10,000 Juden 315 Schüler (194 in den Gymnasien, 121 in den Realschulen). Die Juden, als ein sehr geringer und lediglich in den Städten wohnender Bruchtheil der Bevölkerung, lassen sich nicht ohne weiteres mit dell*' beiden ’ arideren Confessionen vergleichen. Diese beiden Confessionen aber stehen in ihrer ganzen Lebensweise einander vollständig gleich; da zeigen nun - jene Zahlen deutlich, '.welche von'ihnen 'für jeden Beruf, zu dem höhere Bildung gehört, die zahlreicheren Elemente liefert." Mit deür, einzigen Motiv, daß die. Juden in den Hädten wohnen, diesen, ungeheuren Unterschied betreffs der . Juden abfertigen wollen, sieht doch gar zu gezwungen aus. Wir haben dieses Motiv als eine nur sehr theilweis zutreffende Erklärung genugsam besprochen. Aber ganz abgesehen davon bleibt es doch Thatsache, daß ein viel größerer Procentsatz der jüdischen Jugend sich die höhere Bildung aneignet, welche Gymnasien und Realschulen bieten. Für die Eritwickelung in der Zukunft kann dies nicht ohne großen Einfluß bleiben. Diese Herren möchten doch .bedenken, daß bei den Juden das Motiv der Staatscarriere nicht zuM Besuche der höheren Lehranstalten antreiben kann, wie dies nach dem Zweck der obigen Zusammenstellung selbst hei den christlichen Confessionen vorausgesetzt werden soll, -und zwar bei Yen. evangelischen mehr als bei den katholischen. Dieses.Argument wiegt in der Beurtheilung des vorhandenen Bildungstriebes schwer, was sich die Berliner Molkszeitung" ln den ,, in d. Bl.? besprochenen -Leitartikeln wohl selbst hätte sagen können..! Oesterreichischungarische Monarchie. Wien, 1. März. (Privatmitth.) Der eben erschienene 29. Jahresbericht des „Vereins zur Beförderung! der Handwerke unter den inländischen Israeliten" : zeigt in erfreulichster Weise die Zunahme der Wirksamkeit des Vereins. Er hätte im verflossenen Jahre j 328 Zöglinge unter seiner Obsorge, 116 wurden neu; ausgenommen, 56 als Gehülsen abgeschrieben, und 38 verließen das Handwerk. Die Zahl der Vereinsmit- . glieder .ist von 479 auf 516 gestiegen; die Einnahmen : auf 8584 fl., sowie die Ausgaben auf 8131 fl. i Von letzteren wurden 598 fl. für Wäsche und Bekleidung,; 608 fl. für Genossenschaftsgebühren, 814 fl. für Bil- ' dungsmittel und Werkzeuge , und 1610 fl. zu Unrte-; stützungenj verausgabt. Das Vermögen des | Vereins ■ beläuft sich auf 75,650 fl. Mögen wir von. Jahr zu Jahr einen solchen Wachsthum des Vereins zu melden haben! — Auch „der Verein Wiener Bet h a - Midrasch" hat seinen Rechnungsausweis für das Jahr 1871 veröffentlicht. Der von den Herren vr.! A. Jellinek, Simon Apfel, Emmanuel Baumgarten, I. W. Gutmann, Markus Weiß geleitete Verein verdient um so mehr Aufmerksamkeit und Anerkennung, als es sich in chm lediglich um die. geistigen Interessen des Judenthums handelt und er noch einer sehr großen Entwickelung fähig wäre. In dem - Einleitungsworte . heißt es: :v; „In den Localitäten unseres Bet ha-Midrasch werden sowohl populäre als streng wissenschaftliche Vorträge über Bibel, Talmud, Midrasch, Religions'philosophie, Geschichte und Easuistik vor einem engern Kreise von Studirenden gehalten, welche dem Studium der jüdischen Wissenschaft sich ausschließlich widmen , und vor einer größern Anzahl von Zuhörern, 'welche über jüdisches Schriftthum -sich belehren wollen. „Die reichhaltige Bibliothek unseres Vereins ist täglich geöffnet und jedem zugänglich, welcher mit jüdischer Literatur sich beschäftigen will. . . „Eine.solche Anstalt, die im uralten Geiste des Judenthums in's Leben gerufen wurde, verdient gewiß die freundlichste und thatkräftigste Unterstützung aller, denen das: Wort „Thora" kein leerer Schall ist, und welche die Aufgabe des Judenthums nicht blos im

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