Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 9 (27.2.1872)
- Date
- 1872-02-27
- Page
- Seite 178 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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178 L otze „Zu r jüdischdeutsch en Literatur" berichtet und, in der Feuilletonbeilage zur gedachten Nummer .S. 442 ff. eine Probe aus, dem sogenannten „Schmuelbuche" (Basel, 1612) , , die der Verfasser in seiner Broschüre gegeben hatte, abdrucken lassen. Dieses „Schmuelbuch" ist, eine poetische Uebersetzung oder Paraphrase der beiden Bücher Samuelis. In den „Berichten über die Verhandlungen der königlich sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften zu Leipzig (Leipzig, Hirzel, 1871)" finden wir eine Mittheilung des Professor vr. Zarncke über denselben Gegenstand (S. 212 ff.), welche sich bemüht nachzuweisen, daß dieses, Schmuelbuch nicht Original, sei, sondern vielmehr ein im Jahre 1562 erschienenes deutsches Gedicht von Paulus Aemilius Romanus, Professor der; hebräischen Sprache in Ingolstadt. , Das jüdischdeutsche Buch sei nur eine Bearbeitung des .deutschen Gedichtes, und zwar habe der jüdisch-deutsche Bearbeiter -das hebräische Original genau gekannt und öfter (nicht immer) richtiger wiedergegeben als Paulus Aemilius. Diese jüdisch-deutsche Bearbeitung sei eine flüchtige und rohe Übertragung des deutschen Originals; .von richtigem Einhalten der Strophe wie^ überhaupt, von Rhythmus ist keine Rede. Zarncke giebt auch eine vergleichende Nebeneinanderstellung mehrerer Stellen beider Werke, aus denen fein ästhetisches Urtheil sich allerdings als richtig erweist, Jndeß giebt dieses letztere noch keinen .sichern Anhalt, welche Bearbeitung die ursprüngliche iß. .Man kann sich ebenso gut denken, daß die sprachlich schönere Ausführung auf Grund einer frühern weniger geschmackvollen geschehen ist, wie umgekehrt; umsomehr, als die des Paulus Aemilius oft viel wortreicher und ausführlicher, die jüdisch-deutsche concmnerstst. Es kommt alsowirklich auf die äußern Erweise an Jedenfalls -zeigt sich hier eine Wechselwirkung der christlichen und jüdischen Literatur, eine Verbindung, wie wir ihr nicht allzu oft begegnen.. Der jüngstverstorbene dramatische Dichter Grillparzer hat in seinem Pulte einige fertige Dramen und dramatische Fragmente Hintersassen. Einige dieser interessiren uns speciell. Heinrich Laube schreibt darüber in .der N. Fr. Pr.: „Von den dramatischen Fragmenten, welche jetzt nach seinem Tode zum Vorschein kommen werden, mag die „Jüdin von Toledo" das wichtigste sein.' Er hat mir nie von ihr gesprochen, wohl aber der Dichterin Betti Paoli, und diese ist der Meinung, das Fragment werde umfangreich , sein. Ein hochbegabtes Weib sei der Mittelpunct, welches den König glücklich bezaubere, so länge es in dessen Nähe fei, '.welches aber vom Aberglauben der Zeit der Zauberei angeklagt und dem. brutalen ExecutionSgerichte überliefert werde."?) Grillparzer hat auch ein Fragment „Esther" veröffentlicht, welches außerordentlich gerühmt wird, dessen, wir aber, noch nicht haben habhaft werden können.. Eine Fortsetzung dieses Fragments Ast nach^ Laube nicht zu erwarten. Hrillparzer gestand naiv ein:, er hätte es vergessen, in welcher Weise er sich den Fortgang des Stückes vorgebildet habe. *) Also analog mit der Esterkr des Polenkönigs Kasimir des Großen. Redaet. Die alte Zeit hat es auf keinem Puncte des Lebens lassen können, Unterschiede zu machen und bis ins einzelnste festzustellen. Die gesetzgeberische Leidenschaft war dabei so groß, daß sie eben alles und jedes unter ihren Griffel brachte. So bestanden bis jetzt fast in jeder Provinz -des preußischen Staates besondere Bestimmungen über das Alter, in welcher die Jugend heirathen dürfe, und auch confessionelle Unterschiede kommen dabei vor.. So durste in Schleswig-Holstein ein christlicher Jüngling mit 16; ein jüdischer 'mit 15 Jahren heirathen. Man sah also diesen für früherreif'E Jetzt ist man daran, all diesen Plunder bei Seite zü schaffen. Die Reactionäre trauern darüber) denn es sind ja „berechtigte Eigenthümlichkeiten" der einzelnen Provinzen. Nachgerade wissen wirnicht/obwir die Sucht, alle bedeutenden Männer für Juden äüszugeben, öfter auf eine günstige oder feindliche Gesinnung zurückführen sollen. Bei Veranlassung der bekannten Rede Bismarcks führte die „Presse", und andere Blätter sprächen es ihr nach) neben Laster und Bamberger auch'Löwe (Kalbe) und'/sogar Reichensperger als Juden auf und gab den heutigen Justizminister/in England für einen' Inden aus. Unsere oft wiederholte Warnung vor dergleichen UnwaMeiten hat bis jetzt, wenig Erfolg gehabt. (Ein hochherziger Prälat.) „FejSrvär" schreibt: Der stuhlweißenburger Schlosser S. Markus, Israelit, kaufte vom Canonicus I. R. ein Haus., um 6000 fl. und erlegte als erste Rate 1000 fl. Der edle'Priester aber stellte eine Quittung über 6000 fl. aus und erklärte dem freudig überraschten Käufer , er schenke ihm die übrigen 5000 fl., und es freue ihn , daß" er eine brave Familie glücklich machen könne. > Verlag von Bommgartner's Buchhandlung in^L eip^zig. — Druck von I. B, Hirschfeld« Verantwortlicher Reddeteur Dr. H. Lotze.