Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 8 (20.2.1872)
- Date
- 1872-02-20
- Page
- Seite 149 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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- 149 Donaufürstenthümer. Bukarest, 5. Februar. Ueber die Emeute in Ismail schreibt die heutige „Rum. Post": „Unsere wiederholt ausgesprochene Ansicht, daß nach Erledigung der Strousberg'schen Angelegenheit die Feinde der Stabilität und der Ordnung, das heißt die Feinde der Regierung, sich bestreben werden, die Ignoranz und den Fanatismus gegen unsere jüdischen Mitbürger aufzustacheln, hat durch die Affaire in Ismail ihre Bestätigung gefunden. Es wurde vorgegeben, daß ein in der Kathedrale jener Stadt verübter Diebstahl von einem Juden begangen worden sei, daß seine Mitschuldigen verhaftet wurden, den Raub eingestanden und die Orte angegeben hätten, wo die gestohlenen Gegenstände versteckt worden seien. Diese Gegenstände sind von unansehnlichem Geldwerthe, haben jedoch, dem Gottesdienste geweiht, einen innern Werth, der nicht in Geld geschätzt werden könne. Es sei also klar, daß das Motiv nicht Diebstahl, sondern Kirchenschändung gewesen sei! Diese Geschichte wurde dem Volke so mitgetheilt, und verfehlte nicht, dasselbe zu allen möglichen Ausschreitungen aufzureizen. Am Abend des 25. dieses rottete sich der Pöbel zusammen und begann die Häuser der unschuldigen, nichts Arges ahnenden Israeliten zu stürmen. Sie setzten ihre Gewaltthätigkeiten zwei Tage fort. Häuser wurden angegriffen, Fenster eingeschlagen, die Thüren erbrochen, Möbel zerstört, und die Bewohner mißhandelt. Einer verläßlichen Nachricht zufolge, sind nicht weniger als 60 Häuser unbewohnbar gemacht worden. Die wenigen östreichisch - ungarischen Unterthanen fanden bei ihrem Consulate Schutz; nur das Centrum der Stadt war von dem dort stationirten Militär vor Ruhestörungen bewahrt. Die anderen Juden flüchteten sich nach allen Richtungen vor den Angriffen des Pöbels, der, von den gefundenen und geraubten Weinen berauscht (den Rest hatte er auslaufen lassen), sich zu dem grausamsten Vandalismus hätte Hinreißen lassen, wenn die unglückseligen Opfer nicht bei Zeiten die Flucht ergriffen hätten. So weit wir über diese traurige Angelegenheit Nachrichten erhalten haben, hat die Regierung sofortige Maßregeln ergriffen, uw die Ruhe wieder herzustellen, und wurden Truppen von Galatz aus dahin beordert, um die Garnison und die Polizei zu verstärken. — Es ist zu hoffen, daß die Regierung nicht dabei stehen bleiben wird, sondern eine eingehende Untersuchung einleiten, die Krawallmacher streng bestrafen, den unschuldig Verfolgten Genugthuung verschaffen und solche Maßregeln ergreifen werde, die geeignet sein dürften ähnlichen Ereignissen fortan vorzubeugen; denn solche Scenen bringen das Land in Verruf und werfen ein verhängnißvolles Licht auf die Fähigkeit der Regierung, Ruhe und Gerechtigkeit aufrecht zu erhalten. Die Regierung ist sich dies selbst schuldig, um die Ehre des Landes zu retten, denn es verlautet, daß die Einwohnerschaft Ismails zumeist aus Bulgaren und Russen besteht, und also nur auf diese (zumal die Griechen an der Affaire keinen Antheil genommen haben) die Verantwortlichkeit der verübten Gräuel zu wälzen ist. Das rumänische Volk braucht nicht für die Thaten Fremder zu leiden." (Die rumänische Regierung hat uns nicht daran gewöhnt, solche Hoffnungen irgendwie in Erfüllung gehen zu sehen, und wir hegen sie daher längst nicht mehr. Nach einem Telegramm der „N. Fr. Pr." aus Rustschuk vom 9. Februar hätte sich der Krawall auch nach Vilkov und Cahul verbreitet; an letzterm Orte leisteten die Juden bewaffneten Widerstand und hatten 10 Verwundete und 4 Todte. Doch sieht die Redaction der N. Fr. Pr. diese Nachrichten als übertrieben an. Der amerikanische und andere Consuln haben energisch bei der Regierung protestirt. Redact.) Rußland. Russisch Polen, im Januar. (Privatmittheilung.) Meinen kürzlich gebrachten Mittheilungen habe ich nach genaueren Informationen berichtigend hinzuzufügen, daß die Negierung allerdings, freilich ohne jede Anregung und Betheiligung seiten der Gemeinden, an vielen Orten, wo höhere Lehranstalten sind, durch Anstellung geeigneter israelitischer Elementarlehrer auf Staatskosten auch für Ertheilung des jüdischen Religionsunterrichts weitmöglichst Sorge getragen, und daß nur einige Städte, unter denen namentlich Wloclawek zu nennen ist, eine Ausnahme davon bilden. Es springt in die Augen, daß gegenüber jenem durch die That bewiesenen guten Willen der Regierung die Indolenz der Gemeinden um so mehr verurtheilt zu werden verdient. 8*