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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-02-20 · Heft 8 (20.2.1872) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 8 (20.2.1872)
Date
1872-02-20
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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3«. Jahrgang. All g e Mt iN k 8. Zeitung -es Zu-enthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. HeranSgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippfon in Bonn. Leipzig, den 20. Februar 1872. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal Dienstags, in 2 biS *2>/a Bogen. Preis deS Jahrgangs 4 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Vierteljährig 1 Thlr. Inserate werden mit 2 Ngr. sür die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und ZeitungS-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich daS König!. Sachs. Haupt-ZeitungS-Bnreau unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel r Die jüngste Verhandlung im preußischen Abgeordnetenhause. — Ein Princip oder nicht? Zeitungsnachrichten r Deutschland: Berlin, Rendsburg. — Oesterreichisch-nngarische Monarchie: Wien. — Frankreich: Paris. — Gro ßbritannien: London. — Asien: Bombay. — Donaufürstenthümer: Bukarest. — Rußland: Russisch Polen. Feuilleton-Beilage: Eine ungerechte Anschuldigung. — Eine curiose Erdichtung. — Wrllenstein und die Juden. — Neue Funde in Palästina. Leitende Artikel. Bonn, 11. Februar. Die jüngste Verhandlung im preußischen Mgeordnetenhause. Wir haben bereits die Rede des Abgeordneten Dr. K o s ch, des Mannes, der bei jeder angemessenen Veranlassung die Interessen des Indenthums und seiner Bekenner im preußischen Abgeordnetenhause am nachdrücklichsten und ossenmüthigsten vertritt, in der Sitzung am 31. Januar o. auszüglich mitgetheilt. Die Verhandlung ist aber zu interessant, und die Rede zu würdig, als daß wir nicht noch einmal und zwar nach dem stenographischen Berichte darauf zurückkommen sollten. Die. Bedeutung finden wir darin, daß es hier zum ersten Male nicht ein materielles Interesse, die Beseitigung irgend einer Beschränkung, eines Ausnahmegesetzes, die Forderung der Erfüllung eines Rechtes zu verfechten galt, sondern die Zurückweisung einer dem Judenthume angethanen Unbill, mit einem Worte, daß hier gewissermaßen ein offensiver Schritt geihan wurde statt der bisherigen Defensive. Die Kosten des evangelischen Oberkirchenraths standen in der Etatsberathung auf der Tagesordnung, und die Fortschrittspartei.hatte den Antrag gestellt, die Kosten nicht zu bewilligen. Sie that dies aus den Motiven heraus, daß dieser Oberkirchenrath nicht durch ein Gesetz besteht, sondern nur vom vorigen Könige durch Cabinetsordre installirt worden, und seine Wirksamkeit eher schädlich als nützlich sei. Bezüglich des letzteren Motivs trat nun zunächst Herr Dr. Kosch auf, indem er auf Grund des bekannten Erlasses dieser kirchlichen Behörde betreffs des Uebertritts vom Christenthume zum Judenthume die Tendenz derselben, in hierarchisch-fanatischer Weise Haß und Verachtung unter den verschiedenen Confessionen auszusäen, nachwies. Ein anderer Redner führte dasselbe Thema aus anderen Momenten aus. Daß dieser Antrag dennoch abgelehnt wurde, ist besonders dem Umstande zuzuschreiben, daß der neue Cultusminister über diesen verwickelten Gegenstand noch nicht zu einer eigenen Ansicht hatte gelangen können und darum ersuchte, die Sache vor der Hand noch nicht zur Entscheidung zu bringen. Hierauf kommt es uns vorläufig auch gar nicht an. Wir wollen unsrerseits keine Institution der evangelischen Kirche in Preußen antasten. Aber vor dem gesummten Lande noch einmal gegen die falschen Insinuationen des Oberkirchenraths. protestirt, und dieser

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