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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-02-13 · Heft 7 (13.2.1872) · p. Seite 129

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 7 (13.2.1872)
Date
1872-02-13
Page
Seite 129 (sequence 11)
Language
German
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129 Astruc als Mitglied der Centralcommission für den Elementarunterricht sowohl mündlich als auch in einer Zuschrift an den Minister Beschwerde und verlangte, daß die jüdischen Kinder in der Schule selbst in einem besondern Locale den Religionsunterricht empfangen sollten; das Gesetz verbietet dies nicht ausdrücklich, und so sei es gestattet. Das Ministerium hat dies aber wiederholt zurückgewiesen, indem es sich auf die oben angeführte Gesetzesstelle berief, daß nur eine Religion in einer und derselben Schule gelehrt werden dürfe. Das Gesetz habe also ein Princip ausgesprochen, und dies dürfe nicht willkürlich ausgelegt werden. Ob dies nicht eine allzu engherzige Auslegung ist, überlassen wir dem Leser zu beurtheilen. Italien. Ferrara, 1. Januar (Arch. isr.). In dem internationalen telegraphischen Congreß, der jetzt in Rom getagt hat, war der italienische Minister des Auswärtigen von einem der ausgezeichnetsten Beamten seines Bureau's, Herrn Cowmandant Jacques Malvano, vertreten. Dieser junge Mann ist der Sohn des Herrn Moses Malvano, dessen Verlust jüngst die 'turiner jüdische Gemeinde, welche er seit wehr als zwanzig Jahren als Vorsteher leitete, mit Trauer erfüllte. Er macht glänzende Carriere in der Centralverwaltung der auswärtigen Angelegenheiten; im Jahre 1866, kaum 23 Äahre alt, leitete er die delicate Correspondenz mit Preußen, und 1870 hatte er großen Antheil an den diplomatischen Verhandlungen, welche der Wahl des Prinzen Amadeus auf den spanischen Thron vorangingen. Man wird sich nicht tauschen, wenn man ihm eine ebenso ehrenvolle Zukunft voraussagt, wie die seines Freundes und Glaubensgenossen, des Herrn Artom. Türkei. Konstantinopel, 30. Januar. Der aus Adrianopel gemeldete Vorgang ist ohne alle Bedeutung und wurde durch die Energie der türkischen Behörden bald beseitigt. — In der hiesigen Stadt hat die Cholera stark gewüthet, und sind im jüdischen Viertel in ^kurzer Zeit 1524 Personen, das sind 10 pCt. — die Juden wohnen noch in mehrern andern Vierteln — gestorben. Jetzt ist sie Gott sei Dank ziemlich erloschen. - In anderer Weise berichtet die Augsburger A. Z. über den Vorgang in Adrianopel Folgendes: Der neue Generalgouverneur von Adrianopel, Irfan Pascha, hat bereits eine traurige Berühmtheit erlangt, indem er durch tactloses und sogar gesetzwidriges Verfahren eine Judenhetze in Adrianopel veranlaßte. Ein junger Armenier hatte in einem jüdischen Hause eine kleine Geldforderung eincassirt und war seitdem verschwunden. Die damals eingetretene große Überschwemmung hätte sehr leicht einen Fingerzeig geben können, um den Vermißten aufzustnden; statt dessen tauchte wieder der unheilvolle Volksglaube vom Christenblute beim Paschafeste auf, und der Pascha gab sofort Befehl, sämmtliche jüdische Häuser von Adrianopel zu durchsuchen — ein Befehl, der denn auch mit allen erdenklichen Rohheiten ausgeführt wurde, bis die Consuln sich ihrer Schutzbefohlenen energisch annahmen und darüber nach Konstantinopel berichteten. Inzwischen wurde der Leichnam des Vermißten im Flusse aufgefunden, und es hat sich herausgestellt, daß derselbe in einem Anfalle von Geistesabwesenheit sich in den Fluß gestürzt hatte. Von der Pforte zur Verantwortung aufgefordert, schob nun der Gouverneur die ganze Schuld auf den Polizeichef und auf den Anführer der Polizeisoldaten, welche seine Befehle falsch aufgefaßt hätten, und auch dem zufolge abgesetzt wurden. Dmiaufürstenthümer. Bukarest, 26. Jan. Es ist wohl beachtenswerth, wie sich die Stimmung in diesem Lande geändert hat. Am 2 t. d. fand in Krajova eine Deputirtenwahl statt, und der berüchtigte Judenfresser und Minister Johann Bratiano fiel durch, indem er von 534 Stimmen nur 209 bekam. — Am 19. d. hielt der jüdische Krankenpflege- und Leichenbestattungsverein seine Generalversammlung, um zeitgemäßere Statuten zu berathen. Bei sehr lebhafter Debatte ging die Versammlung in völlig parlamentarischer Ordnung vor sich und genehmigte die neuen Statuten. Die öffentlichen Blätter berichten leider Folgendes, worüber die Details noch abzuwarten sind: In der Moldau hat in den letzten Tagen des verflossnen Monats eine neue Judenverfolgung statt gefunden. Wie der Times aus Konstantinopel tetegraphirt wird, war Ismail der Schauplatz dieser be- 7*

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