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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-02-06 · Heft 6 (6.2.1872) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 6 (6.2.1872)
Date
1872-02-06
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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3K. Jahrgang. Allgemeine JW 6. Zeitung des Zudenthmns. Einunparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Di-. Ludwig Philippson in Bonn. Leipzig, den 6.' Februar 1872. Diese .-icitunfl erscheint wöchentlich einmal Dienstags, in 2 bis 2l/a Bogen. Preis des Jahrgangs 4 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Vierteljährig t Thlr. Inserate werden mit 2 Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und ZertungS-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat fich daS König!. Sächf. Haupt-Zeitungs-Bureau unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel r Was erwarten wir von dem neuen preußischen Cultus-und Unterrichtsminister? — Vom Institute zur Förderung der israelitischen Literatur. Zeitungsnachrichten r Deutschland: Berlin, Stuttgart, Aus der Provinz Posen, Breslau. — Oesterreichisch-nngarische Monarchie: Wien, Prag, Lemberg, Aus demTokajergebirge, Kaschau. — Großbritannien: London. — Italien: Rom. — Donaufürstenthüm e r: Bukarest. Feuilleton-Beilager Vertrauliche Briefe V. — Joseph Zedner. — Vermischtes. — Berichtigung. Leitende Artikel. Bonn, 28. Januar. Was erwarten wir von dem neuen preußischen Cultus- und Anterrichtsminister? In diesen Tagen, in welchen die Entlastung des Herrn von Mühler gewiß, aber die Person des neuen Ministers noch unbekannt ist, dessen Ansichten und Tendenzen darum ganz unsicher sind, wirft man sich wohl die obige Frage um so eher auf. Es wird viel gestritten, ob diese Entlastung nur einen Personen- oder auch einen Systemwechsel bedeute. Dieser Streit scheint uns rein doctrinär und ziemlich überflüssig zu sein. Denn einerseits besteht das allgemeine Verlangen, Mühler von seinem Amte entfernt zu sehen, bereits so viele Jahre, ohne daß diesem Verlangen genügt worden wäre, daß man voraussetzen muß, diejenige Autorität, welche diesen Mann so lange auf seinem Posten erhallen hat, sei mit den Ansichten und der Thätigkeit destelben so übereinstimmend gewesen, daß ein Systemwechsel nicht zu erwarten stehe. Andrerseits aber verkörpert sich ein solches System nicht in gleicher Weise in zweien oder mehrern Individuen, ein Nachfolger fühlt sich immer gedrängt, von dem vorher begangnen Wege abzuweichen, und da er den seinem Vorgänger so feindlich gesinnten Mächten gegenüber zu treten hat, zeigt er sich von selbst bereit, einige Concessionen zu machen, um, wenn der Kampf einmal fortgesetzt werden sollte, doch von vornherein einigen Schein der Berechtigung für sich zu gewinnen. Ohne daher an einen völligen Systemwechsel zu glauben, können wir doch jedenfalls einige Modificationen des bisherigen Systems erwarten. Und diese werden allerdings keine große Schwierigkeit verursachen. Was den Herrn von Mühler besonders markirte, ist nicht eigentlich der confessionelle Geist, der ihn beseelte. Handelte es sich darum, so glauben wir schwerlich, daß mit dem Wechsel viel erreicht sein würde. Der confessionelle Geist ist im ganzen deutschen Volke noch überaus lebendig, und so auch, mit Ausnahme einiger Bruchtheile, in denjenigen Theilen der deutschen Nation, welche dem preußischen Staate angehören. Man sieht dies z. B., sobald an die confessionelle Volksschule gerührt wird, für welche sofort die große Mehrheit des Volkes eintritt. Der Bestand eines besonder» CultusministeriumS in Preußen, dem noch dazu das ganze Unterrichtswesen anheimgegeben ist, bezeugt durch sich selbst den confessionellen Geist, der daraus hinausläuft, die Konfessionen

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