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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-01-30 · Heft 5 (30.1.1872) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 5 (30.1.1872)
Date
1872-01-30
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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38. Jahrgang. Allgemeine JW 5. Zeitung -es Zu-enthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. HerauSgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. Leipzig, den 30. Januar 1872. Inserate ieitung erscheint wöchentlich einmal Dienstags, in 2 bis 21 /2 Bogen. Preis des Jahrgangs 4 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Vierteljährig 1 Thlr. ° werden mit 2 Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich baS Königl. Sachs. Haupt-Zeitungs-Bureau unterzogen. Inhalt. ' Leitende Artikel r Ein neuer Vorwurf gegen die Juden. IV. (Schluß.) — Literarischer Wochenbericht: Potsdam. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Bonn, Aus Baden. — Oesterreichisch-ungarische Monarchie: Wien, PreßLurg. — Frankreich: Paris. — Türkei: Adrianopel. — Australien: Melbourne. Feuilleton-Beilage: Drei Tage bei den Sabbathianern. — Der Proceß Mortara vor den Assisen von Florenz. (Schluß.) — Geschichtliche Notizen. — Vermischtes. Leitende Artikel. Bonn, 21. Januar. Cm neuer Vorwurf gegen die Juden. IV. (Schluß.) Das letzte Jahrhundert hat in der civilisirten Welt eine neue Zeit hervorgebracht, neuer, als diejenigen erkennen, welche den langsamen Gang der Entwicklung im Detail verfolgen; denn auch diese Zeit hat sich aus der Vergangenheit entwickelt, und die Fäden, die zu ihr führen, haben sich von fernher weiter gesponnen, wenn sich auch die neue Zeit in plötzlichen convulsivischen Zuckungen, in.sogenannten revolutionären Ausbrüchen, wie keine frühere kundgethan hat und sich von diesen in ihrem Werden und ihrem Fortgange begleiten ließ. Wir aber, wir Juden, vermögen diese Neuheit der Zeit, d. h. diese große Umwandlung der Gesellschaft durch neue, ihr zu Grunde gelegte Principien, und die Durchführung derselben in allen ihren Consequenzen, klarer zu erkennen und zu empfinden, weil wir, in einem außerordentlichen Contrast gegen unsere Vergangenheit, plötzlich vor sie hin gestellt und so zu sagen persönlich von ihr ergriffen wurden. Diese neue Zeit besteht wesentlich in den Principien der Rechtsgleichheit, der unveräußerlichen Rechte aller Menschen, und der hieraus fließenden Volksrechte und Volksfreiheiten. Die Erkenntniß dieser Grundsätze von Seilen der erleuchtetsten Geister, ihre Verbreitung im Bewußtsein des Volkes, und ihre Bethätigung in allen Institutionen des Staates — das ist das Wesen der neuen Zeit, die darum wohl ein Product der bisherigen menschheitlichen Entwicklung ist, aber im Gegensatz mit allen frühern Epochen steht. In politisch-socialer Beziehung hob dieser Gegensatz alle Standesvorrechte, Privilegien und Monopole auf, und beseitigte auf dem religiösen Gebiete den Geist der Ausschließlichkeit, welche allein in der specifischen Confession das Heil der Seele, die Versöhnung mit Gott und den Anspruch an das jenseitige Leben fand und lehrte. Mit diesen beiden Grundzügen trat die neue Zeit dem bisher Bestandenen schroff entgegen; der Kampf begann und dauert noch heute fort. Aber der Sieg ist schon längst zur Thatsache geworden, so daß seine schließliche Vollendung in der Zukunft nicht zweifelhaft sein kann. Vor diese neue Zeit wurden nun die Juden plötzlich hingestellt. Auf Grund ihrer Principien mußte sie alle Beschränkungen und Ausschließungen, welche seit ändert-

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