Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 3 (16.1.1872)
- Date
- 1872-01-16
- Page
- Seite 54 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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m 'MnUW m ZKMWKML MZ harren. Dänemark trifft hierbei keine Schuld, da die Dänen der Emancipation nicht entgegen waren und in ihrem eignen Lande die Juden schon längst emancipirt hatten. Die Schuld trifft somit nur die schleswig-holsteinischen Stände, da diese vom deutschen Bunde die Privilegien dazu hatten,^dem Lande Gesetze vorzuschreiben. - Aber alles hat sein Ende, und das Jahr 1864 brachte den Juden endlich die erwünschte Erlösung. Die Stände verloren ihre Souveränität, der preußische Aar nahm die Juden unter seine beschützenden Fittige und gab ihnen die ihnen gebührende bürgerliche Stellung. Der Jude brauchte nicht mehr in seinem Ghetto zu bleiben, da die localen Schranken gefallen waren. Ja Preußen verstand es, durch Milde und weise Einrichtungen sich die Herzen der Juden zu gewinnen. Die Gerichtsbarkeit, die bis jetzt in den Händen des Oberrabbinats in Altona lag, ging in die Hände der preußischen Regierung über, während sie den Juden bis 1871 eine eigene Armencommune ließen. Zum Beweis, daß auch in Schleswig-Holstein Schritte zur vollständigen Emancipation der Juden geschehen sind, sei nur erwähnt, daß sich in den schleswig-holsteinischen Ständen ein Jude, der Justizrath Marburg aus Altona, befindet, daß in Schleswig ein Jude Polizeianwalt geworden, daß in Rendsburg ein Jude, Ludwig Nathan, von der Firma J. C. Nathans Söhne, zum Stadtverordneten gewählt worden ist. Schließlich will ich noch bemerken, daß die Juden an allen Orten, wo sie wohnen, sehr geachtet und geehrt sind, und allenthalben zu Ehrenämtern und Vertrauensmännern gewählt werden. Im letzten Kriege haben viele Juden aus den Herzogthümern in den Reihen der Krieger für das Vaterland gekämpft, und mancher ist freiwillig zu den Fahnen geeilt, um an dem heiligen Kampfe theilzunehmen. Da die Meisten Actenstücke der Provinz Schleswig- Holstein 1863 von den Dänen nach Kopenhagen fortgenommen worden sind, so kann Näheres in Betreff der Juden nicht mitgetheilt werden. Rendsburg, 5. December 1871. Vermischtes. Die „Augsburger Allgem. Zeitg." enthält einige Mittheilungen, welche die verschiedenen Wohnorte des zersprengten jüdischen Stammes übersichtlich machen sollen. Wir heben daraus Folgendes hervor. „In ihrer Heimath Palästina sind die Juden schon lange auf geringe Reste zusammengeschrumpft. Die Hauptzonen ihrer Verbreitung sind heute der Nordrand Afrika's von Marokko bis Aegypten, wo sie namentlich in den Küstenstädten der Barbareskenstaaten ein wesentliches Element der Bevölkerung ausmachen, und dann der Strich in Europa, welcher von der untern Donau 54 bis zum baltischen Meere reicht. In ihm leben, vorzugsweise unter slavischen Völkerschaften, denen sie in gewisser Weise den Mittelstand ersetzen, gegen vier Millionen Juden, während in ganz Westeuropa (Frankreich, Italien, pyrenäische Halbinsel) noch nicht 100,060 Juden Vorkommen*). Im Gefolge der europäischen Auswanderung haben sich dann Ableger dieser Juden über Amerika und Australien ergossen, wo sie in den großen Handelsstädten bereits in derselben Weise sich vermehren, wie bei uns, und zwar nach einem weit bedeutenderen Procentsatze als die christliche Bevölkerung. Auch die am Nordgestade Afrika's gesessenen dringen immer weiter in die Sahara und darüber hinaus in den Sudan vor. Timbuktu, die berühmte Wüstenstadt am Nordrande des Nigerthales, ist seit 1859 der Sitz einer handeltreibenden Judencolonie geworden. Abgesehen von den wenigen europäischen Juden im Caplande, gibt es in Afrika nur noch die Falascha's oder die abyssinischen schwarzen Juden. Als Ausläufer der kleinasiatischen und armenischen Juden können die in Suanien, einem Thale am Südabhange des Kaukasus, entdeckten Lachamuli gelten. In Jemen .und Nedschran im westlichen Arabien sind zahlreiche Colonien. Juden in den Euphratländern und Persien sind seit langem bekannt, in den Turkomanenländern bewohnen sie in den vier Festungen Scherisebs, Kitab, Schamatan und Urta Kurgan, so wie in dreißig andern kleinern Ortschaften besondere Quartiere, sind in Bezug auf ihre Rechte den übrigen Bewohnern gleichgestellt, doch zahlen sie höhere Abgaben als diese. Juden sind ferner im Innern China's angesessen, und in Cochin gibt es sowohl weiße als schwarze Juden. Cochin liegt an der - Malabarküste und zerfällt in einen britischen und in einen unter britischem Schutze stehenden Theil; in letzterem liegt die Judenstadt. Der Tradition nach siedelten sich etwa im Jahre 70 nach Chr., kurze Zeit nach der Zerstörung des Tempels und oer Zerstreuung der Juden etwa 10,000 der letzter» in Cranganore an der Küste am Bon dort flohen die friedlichen und bis dahin unbelästigt gebliebenen Leute im Jahre 1565 vor den unduldsamen Portugiesen in das Innere von Cochin, wo der Radscha — der Heide! — sie bereitwillig aufnahm und ihnen Grund und Boden anwies. Die Cochinjuden zerfallen in zwei Claffen, in die weißen oder Jerusalemjuden, und in die schwarzen Juden. Die ersten sind augenscheinlich die Nachkommen der frühesten Ansiedler, während die schwarzen von einheimischen Proselyten herstammen. Beide vermischen sich nicht unter einnander, jeder Zweig hat seine besondere Synagoge." *) Diese Zahl wäre richtig, sobald Elsaß und Lothringen zum deutschen Reiche gezählt werden. Dabei übergeht der Verfasser die Juden in den germanischen Ländern, Deutschland, Holland, England und den drei skandinavischen Staaten, die zusammen über 600,000 bettagen. Redaction. Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. 23. Hirschseld. Verantwortlicher Redacteur UV»». H. Lotze.