Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 2 (9.1.1872)
- Date
- 1872-01-09
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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3«. Jahrgang. A l l g C M t t N C JW L. Zeitung -es Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Heran sgeg eb en von Rabbiner vr. Ludwig PhLlippson in Bonn. Leipzig, den 9. Januar 1872. _ _g erscheint wöchentlich einmal Dienstags, in 2 bis 2V, Bogen. Preis deS Jahrgangs 4 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Vierteljährig 1 Thlr. Snseroch: werde» mit 1 Va Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Me Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat fich daS König!. Sachs. Haup't-ZeitungS-Bmeau unterzogen. Inhalt. Leitende, Artikel: Ein neuer Vorwurf gegen die Juden. I. — Die noachidischen Gesetze. Zeitungsnachrichtenr Deutschland: Berlin, Bonn, 'Aus der Provinz Posen. — Oesterreichisch-nngarische Monarchie: Wien, Aus Ungarn. — Frankreich: Nizza. — Italien: Florenz. — Rußland: Odessa. Feuilleton-Beilage: Vertrauliche Briefe. II. — Die Juden in Antwerpen. (Schluß.) — Vermischtes. Leitende Artikel. Bonn, 31. December. Ein neuer Vorwurf gegen die Juden. i. Die alten Vorstellungen von Judenthum und Juden, wie sie so viele Jahrhunderte in der christlichen Welt geherrscht haben, beginnen zu weichen, und die Beschuldigungen, Anklagen und Vorwürfe, die während dieses langen Zeitraums gegen die Juden ausgesprochen und bethätigt wurden, fangen an zu verstummen. Mögen ultramontane oder muckerische Hetzer dergleichen Immer wieder einmal unter das Volk werfen: sie zünden nicht mehr, sie sind veraltet , man wirst sie alsbald wieder in die Rumpelkammer , aus welcher sie hervorgeholt wurden. In der nie rastenden Menschenwelt aber kann man nicht erwarten, daß hiermit die Sache abgethan sei. Entfallen und erweisen das Judenthum und die Juden eine neue Lebenskraft, so müssen sie auch neuen Anschauungen'und neuen Folgerungen begegnen. Sie werden sich kaum davon überrascht fühlen, da sie noch gar nicht aus der Gewohnheit herausgekommen sind, sich angegriffen und geschmäht zu sehen. Gegen eine solche, aus einer neuen Anschauung geflossene neue Anklage müssen wir uns heute wenden, bemerken aber gleich, daß wir es hier mit keiner Böswilligkeit und von vornherein beabsichtigter Ungerechtigkeit zu thun haben, sondern daß unser Gegner vielmehr vom Geiste der Humanität und Duldsamkeit erfüllt und nur aus seiner intensiven 'Begeisterung für seine Ansichten zu dem Ergebniß gekommen ist, welches wir zu bekämpfen haben. Wir würden uns aber vielleicht nicht veranlaßt gesehen haben, die Meinung des Herrn Charles Rahlenbeek zu besprechen, wenn nicht durch ihn eine Ansicht klar zu Tage getreten wäre, die bereits im Lager der liberalen Parteien sehr stark verbreitet ist und in Deutschland sich schon. öfter bei den Extremen in plumper Weise geäußert hat. In der Revue äe Belgique stand vor Kurzem eine Abhandlung des genannten Schriftstellers über „die Juden in Antwerpen. Was an geschichtlichen Notizen in derselben enthalten ist, haben wir in unseren Feuilletonbeilagen zu Nr. 1 und 2 zusammengestellt. Aus dem ganzen Aufsatz blickt überall eine wohlwollende Gesinnung für die Juden hervor, die jede Verfolgung, jedes Unrecht, jedes Vorurtheil von sich weist. Ob Herr Rahlenbeek als Geschichtsforscher ebenso vorurtheilslos und mit genügender Sachkenntniß versehen ist, wollen wir dahingestellt sei»