Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 52 (26.12.1871)
- Date
- 1871-12-26
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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LL^Jahrgaiig. A l l g C 111 C i II C . ZZ. Ern unparteiisches Organ für alles jüdische Jllteresse. HerauSgegcbeu von Rabbiner vr. Ludwig Philippfon in Bonn. Leipzig, den 26. Lecember 1871- Dirke Zeitung erscheint wöchentlich einmal Dienst«?,S, in 2 bis 2'/, B04M. Preis deS Jahrgangs l Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Vierteljährig l Tblr. Inserat.- werden mit 1Ukgr. ,'iir die Pctitzcile oder deren Raum berechnet. Sille Bnibhandlungen, Postämter und ZeitunaS-Expeditionen nehmen Beste!» lunge» an: der Haurt-Lxrcdiiion für beide Letztere bat sich das Königl. Sächs. Haupt-ZeitungS-Burcau unterzogen. Mit dem 2. Januar 1872 beginnt die „Allgemeine Zeitung des JndenthumS" ihren sechsunddrei'ßigsten Jahrgang. Wir ersuchen um rechtzeitige Bestellung' bei allen Postämtern und Buchhandlungen, damit die Zusendung ohne Unterbrechung erfolgen könne. Baumgärtncr's 'Buchhandlung in Leipzig. 3 ii Ij a l t. Leitende Artikel r Zum Schlüsse des Jahrgangs. -- Aus Rußland. — Bon Sinai bis Esra. M. Zektnttgsirachrichtet»: Deinscbland: Berlin, Hannover, Posen. — O c st e r r c i ch r s ch - n ng a r i f ch e Mona rchic: Pest. — Frankreich: Paris. -- Großbritannien: Birmingham, London. — Schwei;: Bern.— Spanien: Madrid. — Donanfnrstcnrhiimer: Bukarest. — Rußland: St. Petersburg. — Nachtrag: Berlin. Feuilleton-Beklage: Vertraulicher Briefe erster. — Noch cinige Erinnerungen an Jakob .Kanfmann. — Vermischtes. Leitende Artikel. Bonn, 17. December. Zmn Schluffe des Jahrgangs. Auf keinem Gebiete herrscht jetzt eine solche Verwirrung wie auf dem religiösen. In einer Zeit so großartiger Entdeckungen und Erfindungen, so tief und weitgehender wissenschaftlicher Forschungen, ja selbst der Klärung der politischen Begriffe und Verhältnisse wird man um so mehr über diese Verwirrung in allen religiösen Dingen erstaunen muffen. Am Ende fragt Dieser und Jener, ob nicht gerade die wiffcnschaftliche Bildung, der Aufschwung der- Geistesthatigkeit, das Wachsen von Kenntnissen und Erkenntnissen an dieser religiösen. Verwirrung schuld sei, und statt zu klären und aufznhellen, um so mehr Verworrenheit angestiftet habe? Man könnte dies nur in sehr mittelbarer Weift zugestehen. Denn allerdings wirkt der Fortschritt in Wissenschaft und Erkenntniß nicht mit einem Male und in gleichem Maße auf die Individuen. Die einen bleiben zurück und sehen sich in ihrer ganzen Verpuppung in das Herkömmliche plötzlich neuen Wesen und Gestalten gegenüberstehen. Andererseits schafft die Halbbildung mannichfaltige Erscheinungen voll Selbstvertrauen, ja Selbstüberschätzung, und cnd.ich drängt die Uebertreibnng, welche vorn ächten wissenschaftlichen Standpunct sich löst und auf Grund wissenschaftlicher Ergebnisse neue metaphysische und metahistorische Phantasien spinnt, gar manchen in das Lager des Zweifels und der Verneinung hinein. Bei dieser Mannichfaltigkcit der Resultate läßt sich eine entschiedene Klärung, eine sichere Entwickelung erst von der Zutuns erwarten. Aber diese aus der Verschiedenheit der BildungS- und Erkenntnißstufen erklärte religiöse Verwirrung ist doch nicht diejenige, welche den Charakter der täglich sich vor unsren Augen abspielenden Vorgänge auömacht. Das größere Wirrsal entspringt aus den niedrigen