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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-12-19 · Heft 51 (19.12.1871) · p. Seite 1034

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 51 (19.12.1871)
Date
1871-12-19
Page
Seite 1034 (sequence 20)
Language
German
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1034 griech. keirö,ba§ hebr. mLäack, messen, dem weitverbreiteten arischen wat-, wetentspreche, welches ebenfalls messen heißt? Und wenn er noch einige andere derartige „Lautgesetze" entdeckt zu haben glaubt, welche auf ein regelmäßiges inneres Verhältnis der beiden Sprachfamilien hinzuweisen scheinen? „Wir unsrerseits haben uns u. a. die Frage vorgelegt: wo sind die im Arischen so außerordentlich zahlreiche» und beliebten, im geschichtlichen Semitisch rein unmöglichen, Anlaute mit 8 hineingekommen, die sp, st, sk. sv, st, sm u. f. w.? Ab ge fallen ist das s, so gut wie im grichischen mikros neben dem altern smikios. so gut wie im griech. nipli, lateinisch nivis, der Schnee, neben altfalvischem snegu, gothischem snaivs, altdeutschem sneo. Vielleicht haben wir sogar noch ein geschichtliches Zeugniß dafür in dem Umstande, daß die Myrrhe, hebräisch mor, im älteren Griechisch sm^rna, spater Im lautet. So würde also z. B. das hebr. rnagüat, klein, wenig, gering, im Hinblick auf das gleichbedeutende grieck. mikros, älter smikros, lateinisch wie» auf ein arisch-semitisches Urwort smag oder samsk Hinweisen; so würde auch hebr. bächan, bacliar (und bäkar) d. h. spähen, sehen, prüfen, genau zu dem weitverzweigten arischen Stamme spak, spek stimmen, welcher eben in unserem „spähen" noch heute lebt, und welcher schon im Sanskrit unter der Doppelform spa$ und pa$ erscheint." Daß diese und andere Ergebnisse der etymologischen Methode doch für nichts weiter old für die Urverwandtschaft beider Sprachfamilien sprechen, daß immerhin die Trennung so früh vor sich gegangen sein muß, um doch den beiden verschiedenartigen Sprachentwickelungen den nöthigen Raum zu gewähren, daß der Zusammenhang der beiden Völkerfamilien noch viel mehr auf anderem, das ist dem geschichtlichen Boden gesucht werden müsse und sich hier dem unparteiischen Forscher die Momente der Uebereinstimmung weit mehr als der Verschiedenheit darstellen, ist auch die Ueverzeugung des Verfassers, der diese folgendermaßen ausspricht: „Aber wenn wir unser Ohr und Auge nicht verschließen können gegen Gleichklang und Aehnlichkeit in einer nicht unbeträchtlichen Anzahl von arischen und semitischen Wortstämmen, so möge man nicht gar so unwirsch vom hohen Noß herab und nicht mit jenem in der deutschen Gelehrtenwelt so oft hörbaren vornehmkühlen Ton unS dem Publicum als unzurechnungsfähig hinstellen. Dieser Ton imponirt uns keineswegs, aber der Gedanke imponirt uns, daß aus einer kleinen Reihe einfacher Lautgevilde heraus im Lause ungekannter Jahrtausende zwei volkliche und sprachliche Individualitäten sich gestalten konnten, welche in Form und Wesen so verschieden, doch jede in ihrer Art eine bewundernswürdige Vollkommenheit zeigen — die zwei vollkommensten Entwicklungen des menschlichen Geschlechtes und schon darum — sollte man denken — unter sich näher verbunden als mit den übrigen Völker- und Sprachenfamilien. Als Völker hat man Arier und Semiten längst und einstimmig unter dem Namen der kaukasischen Race vereinigt; ihre Sprachen hat man als „flectirende Sprachen" oder „Formsprachen" in eminentem Sinne, und darum als die vollkommensten, allen übrigen entgegengestcllt. Und als dritten Gestchtspunct darf man doch wohl auch an die historischen Leistungen beider Familien erinnern. Es sind diese Völkersippen die einzigen auf Erden, welche überhaupt geschichtlich etwas geleistet haben. Eine jede bekanntlich hat in gewisien verschiedenen Hauptrichtungen und mit einer gewisien Einseitigkeit das Ihrige gethan. Dies ist oft genug dargestellt worden, und auch die Thatsache blieb nicht unbemerkt, daß weitaus der größte Theil unseres abendländischen Geisteslebens den semitischen Völkern entlehnt ist. Sämmtliche Alphabete Asiens und Europa's sind semitischen Ursprungs; Maaße und Zahlen sind semitisch; die hellenische und mit ihr alle wahrhaft bildende Kunst ruht auf semitischen Grundlagen und Vorbildern; unsere Religion ist semitisch. Und nun meinen wir: solche das innerste Seelenleben in einer ganzen Völkerfamilie mit- und umgestaltende Eingriffe können diese Völker nur dann sich gefallen lasien, nur dann ertragen, wenn ihnen damit nicht etwas absolut Fremdes ausa-^rangt, sondern etwas ihnen ursprünglich Eingebornes, Jahrtausende Vergebenes und Verlorenes gleichsam wieder zurückgebracht wird? Mit malayischer und mongolischer, mit Neger- und Kupferrace verkettet uns nichts, rein nichts. Wir haben einig? äußere Verbindungen mit ihnen angeknüpst, wir haben Tusche, Porzellan, Reis, Tabak, Syphilis, Kartoffeln von ihnen bezogen; innere Bande knüpfen uns nicht zusammen." Vermischtes. Or. Ludwig August Frankl, der durch Gründung einer jüdischen Blinden erzieh un gsan statt sich ein so großes Verdienst erworben, hat jetzt zu einem Congresie der Leiter und Lehrer aller inner- und außereuropäischen Blindeninstitute während der Weltausstellung in Wien von 1573 die Anregung gegeben. Das Ministerinm und der Wiener Gememderath haben ihm ihre Unterstützung zugesagt. Verlag von Baurngärtner'ö Buchhandlung in Leipzig. — Druck von Z. B. Htrschseld. Verantwortlicher Redrcteur Dr. H. Loge.

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