Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 51 (19.12.1871)
- Date
- 1871-12-19
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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51 3ä. Jahrgang. Allgemeine Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgcgeben von Rabbiner Di. Ludwig Philippson in Bonn. Leipzig, den 19. December 1871. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal Dienstag», in 2 dis 2", Dogen. PrciS dcS JahrgangsThlr. Halbjährig 2 Thlr. Vierteljährig 1 Thlr. Inserat: werden mit I */2 Ngr. für die Pctitzcile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und ZeitungS-Expcdilioncn nehmen Destellungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat n-h das König!. Sachs. Haupt-ZcitungS-Burcau unterzogen. Mit dem 2. Januar 1872 beginnt die „Allgemeine Zeitimg des Judenthums" ihren sechsunddrei'ßigsten Jahrgang. Wir ersuchen um rechtzeitige Bestellung bei allen Postämtern und Buchhandlungen, damit, die Zusendung ohne Nnterbrechnng erfolgen könne. Baumgärtner's Buchhandlung in Leipzig. 3 n h a l t. Leitende Artikel r Beobachtungen aus der Zeit. N. — Von Sinai bis Eöra. U. Zeitungsnachrkchtenr Deutschland: Berlin, Bonn, - Nenstettin. — Oesierreichisch-nngarische Monarchie: Wien. — Frankreich: Paris. — S chwei;: Bern. — Italien: Aus Oberitalieu. — Dänemark: .Kopenhagen. — Nordamerika: Chicago. Feuilleton-Beilage: .Die Iudengasse und die Familie Rothschild in Frankfurt am Main. (Schluß.) — Arisch und semitisch. — Vermischtes. Leitende Artikel. Bonn, 10. December. SeobachkMgen ans der Zeit, n. Die Judenheit in Ungarn. Eine sonderbare Zeit diese, in welcher sich überall und immer die wunderlichsten Gegensätze neben einander offenbare. Neunhundert Bischöfe und 200 Millionen Katholiken unterwerfen-sich dem, aller Geschichte, Vernunft und Empfindung widersprechenden Dogma der persönlichen Unfehlbarkeit des Papstes, so daß ein nur sehr kleiner Bruchtheil in Deutschland allein einen Widerspruch erhebt — und die 400,000 Inden in Ungarn vermögen keine, doch nur äußerliche Organisation zu Stande zu bringen, und zerbröckeln lieber darüber in kleine Parcellen, sogar in zerstückelte Ortsgemeinden!... Wir hegen keine Vorliebe für Vergleiche der Confessionen unter einander, dessen was bei unS vorgeht und was in den verschiedenen Kirchen sich ereignet. Wir halten auch wirklich die Vorgänge bei unfern Glaubensgenossen in Ungarn nicht für so weltgeschichtlich, .wie jenes große Ereigniß in der katholischen Kirche, durch welches die ganze christliche Welt in Mitleidenschaft gezogen wird. Jndeß es liegt beiden Erscheinungen ein bestünmteS Princip, ein ganz allgemeines Motiv zu Grunde, und dies macht, wenn wir es aufznsinden vermögen, die eine so beachienSwerth wie die andere. Denn es läßt sich nicht verkennen, daß derselbe Erfolg bei den Juden anderer Länder sich ergeben würde wie in Ungarn, wenn daselbst eine neue Organisation versucht würde, und da, wo bis jetzt eine solche noch vorhanden ist — wir nehmen Frankreich aus — wird unaufhörlich daran gerüttelt, z. B. in Würtemberg und Baden, wo eine Landesorganisation, in Preußen, wo nur eine Gemeindcorganisation besteht. Sehen wir aber genauer zu, so ge-