Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 50 (12.12.1871)
- Date
- 1871-12-12
- Page
- Seite 1011 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Allgemeine FeuMon-Mlage zu Är. 50. Leipzig, den 12. December 1871. Die Judengllffe und die Familie Rothschild in Frankfurt am Main. «Fortsetzung.) 3m Jahre 1711 brannte die Gasse völlig ab, und alle heut zu Ta?.' in ihr stehenden Häuser sind erst in und nach diesem Jahre erbaut worden. Man nennt die Feuersbrunst, welche damals die Iudengaffe einäscherte, den großen Judenbrand, zum Unterschiede von dem sogenannten großen Christenbrande, welcher acht 3ahre später nicht weniger als vierhundert christliche Häuser Frankfurts vernichtete. Die Veranlassung des großen Iudenbrandes ist ungeachtet der darüber gehaltenen strengen Untersuchung nicht ermittelt worden. Das Feuer brach am 14. Januar 1711 Abends halb neun Uhr aus, und zwar im Wohnhause des ersten Rabbiners, welches fast m der Mitte der Gasse lag. Man eilte von Seiten der Christen sogleich zum Löschen herbei, allein die Juden hielten aus Furcht vor Plünderung die Thore ihrer Gasse eine ganze Stunde lang verschlossen, und als sie dieselben endlich öffneten, stand bereits eine Anzahl Häuser in Flammen. Der zufällig herrschende heftige Wind und die Enge der Gasse waren schuld, daß, bis auf drei am östlichen Ende derselben abgesondert stehende Gebäude, alle Häuser darin niederbrannten. Manche Juden sahen die völlige Vernichtung ihrer Gasse als ein Zeichen an, daß Gott über die Frankfurter Juden erzürnt gewesen sei und sie alle habe strafen wollen. Sie wurden in diesem Glauben durch den Umstand bestärkt, daß von den benachbarten christlichen Wohnhäusern kein einziges den Flammen zum Opfer fiel; denn nur eine nahe stehende Scheune brannte nieder und zwei christliche Wohnhäuser wurden in unbedeutendem Grade vorn Feuer beschädigt, auch ein ganz nahe stehender und angesüllter Pulverthurm, den man unbegreiflicher Weise während deS Brandes nicht ausräumte oder zu schützen suchte, blieb trotz des wehenden Windes unversehrt. Wegen der Erhaltung der benachbarten christlichen Häuser gab eS auch unter den Christen nicht wenige, welche im großen I Unglück der Juden und in der Verschonung der Christen den Beweis fanden, daß jene als Feinde Christi der Gottheit verhaßt seien. Die obdachlos gewordenen Juden wurden zum Theil in christliche Wohnhäuser ausgenommen, in welchen manche so lange wohnen-blieben, daß ihnen 1716 die Rückkehr in die Judengasse geboten werden mußte. Andere siedelten sich biS zur Wiederherstellung ihrer Häuser in benachbarten Dörfern an. Den ärmeren Theil ließ der Stadtrath einstweilen in ein christliches Spital, das sogenannte Pestilenzhaus, bringen und daselbst verpflegen. Die Häuser der Gasse wurden bald nach dem Brande wieder aufzubauen begonnen, vor Allem die Synagoge. Jedoch waren erst 1717 sämmtliche Häuser wiederhergestellt. Dagegen stand die neue Synagoge schon im Herbst 1711 vollendet da, welche übrigens 1854 wieder abgebrochen wurde, wo man an derselben Stelle eine größere und prächtigere errichtete, deren Einweihung am 2.8. März 1860 stattfand. Die neue Jndengasse wurde auf obrigkeitlichen Befehl um vier bis acht Fuß breiter gemacht, als die alte gewesen war, sie erhielt allenthalben eine Breite von Zwanzig Fuß. Auch durften damals keine anderen als dreistöckige Häuser erbaut werden. Allein diese erhielten hohe Giebel, und bei den meisten von ihnen brachte man hinten noch Nebengebäude an, welche zum Theil einen Stock höher waren. In Folge davon enthält jedes Haus nur einen sehr kleinen Hof. Von den beiden Grenzmauern, welche längs der Judengasse hinziehen, mußten die Hintergebäude sechs Fuß entfernt bleiben. Diese Mauern ragten hoch hervor. Bei der südlichen Mauer ist dies noch jetzt der Fall, die nördliche dagegen erhebt sich nur wenig über den Boden der Höschen. Auf der letzteren Seite ist die Jndengasse eine ziemliche Strecke von dem Viehhof begrenzt, und da dieser tief unten am Fuß der dortigen Grenzmauer liegt, so gewährte es früher, als die Gasse nur noch von Juden bewohnt war, einen eigenthümlichen Anblick, wenn man zur Zeit des Laubhüttenfestes Abends durch den Viehhof ging und zu den vielen erleuchteten Laubhütten hinaufsah. Durch das Feuer erlitt die Judengasse nur noch zweimal (17 74 und 1796) eine beträchtliche Einbuße. 9m ersteren Jahre brannten einundzwanzig Häuser ab-, deren Bewohner sich auf zwei Jahre in Christenhäuser ein-