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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-12-05 · Heft 49 (5.12.1871) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 49 (5.12.1871)
Date
1871-12-05
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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35> Jahrgang. A l l g k »l t l 1t C <>\2* 49. Ein WM unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Hervusgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippfon in Bonn. Leipzig, den 5. December 1871. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal Dienstags, in 2 bis 2'/, Dogen. Preis dcS Jahrgang? I Thlr. Halbjährig *2 Ttzlr. Vierteljährig 1 Thlr. Oainat: werden mit 1*/* Rgr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und ZeitnngS-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedilion für beide Letztere hat sich das König!. Sachs. Haupt-ZcitungS-Bureau unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Der Geist unserer Tage. HI. — Vom Sinai bis Esra. I. — Skizzen über die Frage: Was haben die Juden vom Staate zu fordern? XV. Zeitungsnachrichtenr Deutschland: Berlin, Breslau, Danzig, Aus Hessen, Frankfurt a. d. Oder, Hamburg, Waren, Köln. — Oesterreichisch-nngarische Monarchie: Wien. — Donausürstenthümer: Bukarest. Feuilleton - Beilage: Die Judengaffe und die Familie Rothschild in Frankfurt am Main. — Französische Soldaten jüdischer Religion. Leitende Artikel. Bonn, 26. November. Der Geist unserer Tage, in. Man schreibt uns aus Ungarn: „Lassen Sie es mich offen sagen: in Ungarn wie in allen Donauländcrn hält man vor wie nach Frankreich für den Hort der Glaubensfreiheit und Gleichberechtigung und betrauert seinen Fall; das Verhalten der deutschen Juden aber erkennt man für servile Erfolgdienerei und mißachtet es als solche." . . . Diese Worte aus der Feder eines sehr gebildeten und aufgeklärten Mannes, wir hätten sie mit Stillschweigen übergehen können; aber sie frappirten uns zu sehr, sie geben sich zugleich für den Meinungsausdruck vieler Glaubensgenossen aus, so daß wir uns nicht enthalten können, sie des Näheren zu erwägen. Also so weit ist eS gekommen, sagten wir uns zuerst, daß dieses kleine Häuflein Juda, schon durch den Chassidismus, Nabbinismus und Reformismus in sich gespalten, noch durch die Leidenschaft der Nationalitäten in seinen zerstückelten und zerstreuten Theilen gegeneinander gehetzt werde?! Und wenn es in der Natur der Sache liegt, daß die Juden den Nationalitäten, welchen sie durch Vaterland und bürgerliche Existenz angehören, sich mit Herz und Geist, in Charakter und Richtung anschließen, ja sie es gar nicht anders vermögen: macht dies auch nöthig, daß darum die Juden sich unter einander mit Haß und Verachtung begegnen? . . . Die deutschen Juden haben dies 1864, 1866 und 1870 genugsam erfahren, um sich selbst möglichst davon frei zu halten, und wir haben immer geglaubt, daß Menschenthum und Nationalität, wo sie richtig und wahrhaft ersaßt werden, sich nicht widersprechen, und daß das Judenthum hierin ein Abbild im Kleinen sei, ein Mikrokosmus, in welchem die verschiedenen Nationalitäten, die einmal vorhanden sind, durch die Stammverwandtschast und die Glaubenseinheit ausgeglichen werden. Wir haben me aufgehört, die Verdienste Frankreichs innerhalb der civilisirten Welt und ganz besonders für die Glaubensfreiheit anzuerkennen und hochzuhalten; und wer unsere Arbeiten seit dem Juli 1570 durchliest, wird oft genug, wenn wir auch das politische Uebergewicht Frankreichs durchaus nicht wünschten, auf den Ausdruck des Bedauerns und der Betrübniß stoßen, falls Frank-

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