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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-11-21 · Heft 47 (21.11.1871) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 47 (21.11.1871)
Date
1871-11-21
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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35. Jahrgang. Allgt MeiNt JW 47. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. HerauSgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philipps»« in Bonn. Leipzig, den 21. November 1871. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal Dienstag«, in 2 biS 2'/, Bogen. PreiS deS Jahrgangs 4 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Bierteljahrrg 1 Thlr. Inserate werden mit 1'/. Ngr. für die Petitzcile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und ZeitungS-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich das König!. Sachs. Haupt-ZeitungS-Burcau unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Der Geist unserer Tage. 1. — Das vorsinaitische Recht. II. Zeitungsnachrichten r Deutschland: Berlin, Limnch, Stuttgart, Aus Württemberg. — Oesterreich, sch-nngarische Monarchie: Prag. — Großbritannien: London. — D o u a ufü r stenth nm er: Bukarest. — Ruß- - land: Petersburg, Warschau, Aus Wilna. — Südamerika: Rio de Janeiro. — Nordamerika: Chicago. — Nachtrag: Pest. Feuilleton - Beilage r Jakob Kaufmann. — Vermischtes. Leitende Artikel. Bonn, 12. November. Der Geist unserer Tage, i. Warum unserer Tage? warum nicht unserer Zeit? Nicht aus bloßer Bescheidenheit, lieber Leser, sondern aus der Verlegenheit, was unsere Zeit zu nennen wäre, wie weit wir zurückzugreisen hätten in die vergangenen Tage, um die Grenze zu bestimmen, an welcher wir in „unsere Zeit" hineingeschritten. Wo können wir unsere Zeit anheben lasten? Mit dem noch etwas patriarchalischen Absolutismus der zwanziger Jahre, mit der Charten - Weisheit der Dreißiger, mit den Socialisten- Iheorien der Vierziger, mit dem CäsariSmus der Fünfziger oder mit den schwächlichen „neuen Acren" der sechziger Jahre? Stehen wir an der Schwelle dieser Zeit mit der Julirevolution (1830), oder mit der Februarrevolution (1845), mit dem russischen (1855), oder mit dem italienischen Kriege (1859)? Welche sind die eigentlichen Merkzeichen unserer Zeit? Die Aufhebung der Leibeigenschaft in Rußland und der Sklaverei in Amerika? die Einigung Italiens und die Einigung Deutschlands? oder der furchtbare Bürgerkrieg in den Unionsstaaten, die Kriege von 1866 und 1870, der Haß und der Kampf der Nationalitäten in Oesterreich? die Beseitigung des Kirchenstaatesoder daS Unfehlbarkeitsdogma? die Gleichberechtigung der Confesstonen, oder der SyllabuS und der immer wachsende Widerstand der Ultramontanen? die Ausgleichung und die großen Resultate der wistenschaftlichen Forschung und der Bildung, oder die schroffe Gegensätzlichkeit aller Parteien? der gewaltige Aufschwung der Industrie und der Finanzwelt, oder die sociale Frage mit allen ihren mannigfaltigen, oft brutalen Erscheinungen? . . . Die Aufzählung aller dieser Momente, die noch lange nicht alles das erschöpft, waS unsere Zeit zu ihrem Inhalt gemacht, wird schon genügen, um die Unmöglichkeit zu erweisen, jetzt schon den Geist unserer Zeit zu begreifen und klar wiederzugeben. Dazu sind die Thatsachen noch zu wenig vollständig aufgeklärt und ihrer geschichtlichen Wahrheit nach festgestellt; die Fülle der Ereignisse zu groß, zu überwältigend; der Parteigeist noch zu stark und das Urtheil gefangen haltend; die Widersprüche und Gegensätze in Ursache und Wirkung, in Streben und Vollbringen noch zu grell: der Geist eines Sterblichen

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