Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 43 (24.10.1871)
- Date
- 1871-10-24
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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35. Jahrgang. Allgemein e 43. Zeitrmg des ZudenchuMs. Ein unparteiisches Drgan für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippfon in Bonn. Leipzig, den 24. October 1871. Dirse ZntMg erscheint wöckenUitb einmal Dienstag-, in 2 bis 2'/, Bogen. Preis deS Jahrgang- 4 Thilr. Halbjährig 2 Thlr. Dierteljahrig 1 Thlr. Inserate werden mit 1 >/, Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und ZeitungS-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich das König!. Sachs. Haupt-ZeitungS-Bureau unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Ein neuer, allgemeiner Kampf. - Eine kleine Auseinandersetzung. — Liter arischer Wochenbericht: Bonn. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Eisenach, Paderborn, Camen (Westphalcn), Aus dem Großherzogthum Posen, BreSlau, Aus dem Elsaß. — Frankreich: Paris. — Belgien: Brüssel. — Donausürfienthümer: Bukarest. — Rußland: Warschau. Feuilleton-Beilage: Aus und nieder. <Fortsetzung>. — Vermischtes. Leitende Artikel. Bonn 15. October. Lin neuer, allgemeiner Kampf. Kamn ist der deutsch-französische Krieg zu Ende, die politische Suprematie der französischen Nation in Europa, wie 1859 die Oesterreichs in Italien und 1860 in Deutschland, gebrochen, und hiermit das wirtliche Gleichgewicht in Europa erreicht: so hat bereits ein neuer Kampf, und zwar auf kirchlich-politischem Gebiete begonnen, der, wenn auch nicht äußerlich, doch innerlich eine nicht geringere Heftigkeit und dabei seiner Natur nach eine längere Dauer und Hartnäckigkeit anzunehmen droht. Wir nennen ihn „kirchlich," nicht religiös, denn von wahrer Religiosität ist dabei nicht die Rede, ja diese wird viel zu sehr dadurch geschädigt und tief erschüttert, alS daß sie zu den Zielen der Angreifenden gehöre. Dieser Kamps ist aber auch eminent politisch, da er in allen Staaten den Sieg alter, mit dem KleruS identificirter politischer Parteien und Zustände erfechten und die gegenwärtigen Staatsverfassungen und ihre Principien Umstürzen will. Da hierbei die Gleichstellung der Bürger ohne Berücksichtigung der Coufession und die Gleichstellung der Culte da, wo diese nicht bereits besteht, einen der wesentlichsten Gegenstände deS Kampfes bilden, von seiner Entscheidung daher ganz besonders das Schicksal der Juden abhängt, und dies um so gewisser, als die eine Kampfpartei die Juden in ihre Parole und ihr Kampfgeschrei ausgenommen hat: so müssen wir ihm, ganz abgesehen vom allgemeinen Interesse aller, auch in diesem Blatte unsere höchste Aufmerksamkeit schenken, wie wir dieS denn auch innncr gethan haben. Wer die früheren Jahrgänge dies. Zeit, durchblättert, wird öfter der Klage begegnen, daß der Liberalismus die Kräfte und den Ein stütz seiner Gegner allzusehr unter- und seine eigenen allzusehr überschätzt. Vernunft, Gerechtigkeitsgefühl und Bildung sind sehr kräftige Bundesgenossen; aber die geschichtliche Wurzelung, 'Gewohnheit und Erziehung, Beschränktheit und Aberglauben sind nicht minder energische Hülfstruppen, und wenn die Stunde der Entscheidung geschlagen, neigen Zahllose zu den Letzteren, wenn sie auch sonst zu den Ersteren sich zu gesellen den Anschein nahmen. Daher haben die liberalen Parteien ihre Siege niemals auszunutzen und die ihnen gegönnte Zeit zu einer unwiderruflichen Gestaltung der realen Dinge wenig zu vcrwerthen verstanden. Sie verbrachten den ihnen günstigen. Moment mit Fest-