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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-10-17 · Heft 42 (17.10.1871) · p. Seite 854

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 42 (17.10.1871)
Date
1871-10-17
Page
Seite 854 (sequence 20)
Language
German
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854 Gepräge unserer Religion zurückzukehren, ist eine der Aufgaben unserer Zeit und der Zukunft in unserer Religion, eine Aufgabe, die, wie ich täglich erfahre, noch wenigen klar geworden, was auch nach den Verhält, nisten und Bedingungen der Entwickelung gar nicht nöthig ist. ,Fortsetzung folgt.) Vermischtes. Uebcr den verstorbenen Professor lu. Jakob Herz, dessen am 27. September erfolgten Tod wir schon gemeldet, enthält die baierische „Wochenschrift der Fortschrittspartei" einen Nachruf, in welchenr es heißt: „Hier dürfen wir nur sagen, aber auch mit voller Ueberzeugung sagen, daß die Partei des freiheitlichen nationalen Fortschritts in Baiern keinen überzeugteren und werkthätigeren, zu jeder Stunde in allen Richtungen bereiten Vorkämpfer gehabt hat, als Her;,, der in der vollen selbstsuchtlosen Hingabe an die öffentlichen Interessen ein würdiges Ebenbild unseres und seines unvergeßlichen Freundes Brater war. Beide sind durch einen frühen Tod dem Vaterlanoe genommen worden,, und doch hatte Jeder von ihnen ein reiches Leben voll Segen und Frucht für die Menschheit hinter sich. Darin glücklicher als sein vorangegangener Freund, dessen Gesundheit seit Jahren ein Gegenstand ängstlicher Sorge und Sorgfalt des berühmten Arztes war. hat Herz noch den glorreichen Wiederaufbau des Deutschen Reiches aus tausendjährigem Verfall erlebt mit der ungetrübtesten Freude über das Erreichte und in der festen Zuversicht, daß es nach den Worten des Kaisers ein gleich der Wohlfahrt, des Friedens und der Freiheit sein werde. Ihm selber war es noch vergönnt, als Vorstand des Erlanger Hülssvereins, dann als Führer eines Sanitätszuges bis ins Herz von Frankreich hinein, vor Allem aber als Leiter eines Spitals, dem er neben seiner fast unabsehbaren sonstigen Bernsöthätigkeit mit beispielloser Hingebung sich widmete, an dem großen neuen Befreiungskriege der deutschen Nation werktätigen Antheil zu nehmen, und es unterliegt keinem Zweifel, daß er, dessen Constitution im Dienste der leidenden Menschheit schon seit Jahren über alles Maß außer dem seiner Aufopferungsfähigkeit angestrengt worden war, den ungeheuren Zumuthungen, die er im Lause des Krieges an sie stellte, schließlich erlegen ist." Bericht über StanislaS Coi n, den zweiten Knaben, der bekanntlich von Pius IX. trotz aller Protestalionen der Aeltern in den Schoß des Katholicismus ausgenommen worden. Im Jahre 1SG4 getauft, wurde dieser junge Knabe, ein Schusterlehrling, von Pius IX. in dein Kloster zu den „Jungen Waisen" placirt, denselben kleinen Abb«';s in weißer Soutane, welche den Touristen stets in Rom auffallen. Nach dem 20. September naht» ihn sein Vater wieder fort und führte ihn nach Livorno. Stanislas hatte seinem Vater nur mit-Bedauern gehorcht. Während der ganzen Zeit seines Aufenthalts bei seiner Familie war er traurig, mürrisch, kalt gegen seine Aeltern. Man glaubt, daß er sich von selbst wieder mit den Priestern in Verbindung setzte, vielleicht vermittels eifriger klerikaler Agenten, welche ihm ihre Hülfe nicht versagten. Schließlich schiffte er sich ein, und von Malta aus schrieb er verschiedene Briefe an Zeitungen, an seinen Later u. s. w., um zu erklären, daß er Jesus, Maria und Pius IX. treu geblieben. Man erkennt aus diesen Briefen eine außergewöhnliche Härte der Entschlossenheit. Der Brief an seinen Vater entbehrt jedes- Ausdrucks der Zuneigung; er sagt ganz kurz: „l';-!,«: min!** (mein Vater!) Er verflucht „die Blätter, welche an das Judenthum und die freimaurerischen Regierungen verkauft seien." DaS gegen den Papst kämpfende Italien ist ihm ein Abscheu.' Er glaubt, daß mau die Briefe wohldenkender Männer auf der Post zurückhält. Kurz, er ist ebenso unbedingt, wie Don Margotti, der Director der Unii» caiiolica in Turin. Man erkennt aus diesen Briefen noch außer der Festigkeit seines Entschlusses und der Willenshärte eine gewisse Eitelkeit. StanislaS beklagt sich, daß sein Vater und seine anderen Verwandten über seinen Katholicismus spotteten; aber ntan fühlt wohl heraus, daß er sich besonders darüber beklagt, daß sie sagten, der Katholicismus habe ihm die jüdische Logik, das jüdische Herz geraubt und ihn zum Dummkopf gemacht. Es ist ein Zug des menschlichen Geistes in seinen naiven Empfindungen, wenn er sagt: „Ich schreibe diese Briefe, um den Juden zu zeigen, daß ich nicht so dumm geworden, wie sie sagen, dadurch, daß ich Jesus, die unbefleckte Maria und Pius IX. liebe." Dieses Kind hat Anlagen. AuS Hingabe für die Idee, tritt cs wider Vater und Mutter aus. Aber nehmt Euch in Acht, ihr guten Jesuiten, es besitzt sichtbar viel Eitelkeit. . . ." 1 Ein zuverlässiger Correspondent des Pariser Temps in Italien, Herr Erdan, giebt diesem Blatte folgenden Verlag von Baumgartners. Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B. .Hirschfeld. Verarttwortlicher Redacteur »r. H. Lotze.

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